Blackmail - Aerial View - Cover
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Blackmail Aerial View


  • Label: City Slang/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Redet man von Blackmail, spricht man von einer Band mit Vergangenheit.

Drei Jahre ist es nun her, dass wir etwas von Blackmail gehört haben. Nach ihrem letzten Album „Friend Or Foe“ melden sich die fünf Koblenzer nun mit ihrem neuen Werk „Aerial View” im deutschen Rockzirkus zurück. Und mit dieser CD hat sich die Band einiges vorgenommen. Zum einen zelebrieren die Jungs nicht gerade anspruchslosen Indie-Rock, zum anderen singen sie in englischer Sprache und bedienen damit nicht gerade die aktuellen Vorlieben der deutschen Hitparaden-Hörerschaft. Außerdem wäre da noch die Tatsache, dass Blackmail den Vertrag mit dem Major-Label Warner Bros. beendet haben, ihnen dadurch der wirtschaftliche Background fehlt und die Band dadurch fast wieder bei Punkt Null startet.

Redet man von Blackmail, spricht man von einer Band mit Vergangenheit. Als 1997 ihr selbstbetiteltes Debüt auf den Markt kam, waren sich die Kritiker einig: Da befindet sich etwas ganz Großes in den Startlöchern. Eine Band mit tollen Melodien, der gewissen Härte, überraschend viel Köpfchen und zudem noch aus Deutschland. Das war zum damaligen Zeitpunkt eine wahre Attraktion. Und so folgten drei großartige Alben, es regnete euphorische Lobeshymnen und alle sprachen Blackmail eine Eigenschaft zu, die man sich getrost einrahmen und mit viel Stolz übers Bett hängen kann. Würden die Mannen um Sänger Aydo Abay aus den Staaten oder von der Insel kommen, jeder dritte Gitarrenbegeisterte würde ein Blackmail-Shirt tragen. Doch leider stammen die Fünf aus der Rheinpfalz und so reichte es bis dato nur zum Kultstatus unter Kennern und mittägliche Auftritte bei Rock am Ring. Doch wer glaubt, Labelwechsel oder Charttrends könnten erfahrene Musiker aus dem Konzept bringen, liegt falsch. So bekommen wir zum Jahresanfang das neue Werk „Arial View“ vorgesetzt. Eine Platte, die schon nach den ersten Klängen zu leichten Anflügen von Kopfnicken und Luftgitarre spielen verleitet. Der Opener „Electricido“ und die erste Singleauskopplung „Moonpigs“ sind wie aus einem Guss und glänzen durch pfiffige Grooves und fetten Garagensound.

Auch wenn es einem das Herz zerreißt, die Vorfreude auf weitere, lupenreine Schrammelrockhits und klischeefreie Gitarrenstücke verfliegt schneller, als einem lieb ist. Um genau zu sein, schon ab dem dritten Song auf „Arial View“. Ob nun „Couldn't care less“ oder andere Tracks auf der Scheibe, ein Gedanke zieht sich durch das ganze Album; und zwar, dass die Jungs wohl etwas uninspiriert ins Studio gegangen sind. Man hat den Eindruck, als hätten die Fünf gerade mal ein oder zwei Riffs geschrieben, würden diese dann einfach ein wenig verändern, mit Posaunen oder Männerchören schmücken, schnell einen anderen Namen verpassen und das Ganze als neues Stück auf Platte stellen.

Vergebens wartet der Hörer auf die epischen Hymnen alter Tage. Wo früher jeder Song ein kleiner Alternative-Hit war, herrscht nun gähnende Leere und eine Single wie „Moonpigs“ ist einfach zu schwach, um verwöhnte Ohren aus den Socken zu hauen. Blackmail standen bis dato immer für intelligentes Songwriting, Experimentierfreude und mitreißende Musik. Bis dato! Fakt ist, „Arial View“ reißt nicht mit, sondern ist schlicht und ergreifend langweilig. Da gibt es nichts schön zu reden. Nach dem tollen „Friend Or Foe“-Album durfte man einfach etwas mehr erwarten, als den kalkulierten Stillstand. Woran es liegt, ist schwer zu sagen. Vielleicht wollten die Jungs einfach mal Musik fernab jeglicher Verkaufszwänge machen? Vielleicht sind den Indie-Heroen auch nur die Ideen ausgegangen.

Anspieltipps:

  • Moonpigs
  • Couldn't care less
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