De|Vision - Subkutan - Cover
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De|Vision Subkutan


  • Label: Drakkar/SonyBMG
  • Laufzeit: 66 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

De/Vision haben kalkulatorischen Überlegungen etwas zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.

17 Jahre liegen nun schon hinter De/Vision, die beim anfänglich klassischen Synthie-Pop deutlich mit den Sounds der Achtziger anbandelten, zwischenzeitlich mit „Void“ ein von Gitarren und experimentellen Frickeleien geprägtes Album herausbrachten und den Ausstieg von Gründungsmitglied Markus Ganssert. kompensieren mussten. Ebenso die Wechsel von Strange Ways zur WEA und schließlich zu Drakkar/E-Wave konnte das jetzige Duo Thomas Adam und Steffen Keth nicht von ihrem Weg abbringen, um schließlich immer mehr ihren eigenen Sound zu formen. Die Grundsteine aus elektronischem Pop, gefühlvollem Songwriting und modernen Soundscapes begleiten die Beiden, während ihnen eine treue Fanschar folgt und Touren von einer Live-Band in organische Gefilde gelenkt werden. „Two“, der Longplayer nach dem Weggang von Markus und treffend betitelt, eröffnete eine neue Ära in der Zeitrechnung von De/Vision. Die Songs bewegten sich in Richtung stilübergreifender Popmusik und behielten stets das gewisse Etwas im Auge. So komplettierten die Alben „Devolution“ (2003) sowie „6 Feet Underground“ (2004) den bisherigen Backkatalog der Band und bekommen dieser Tage ihren Nachfolger in Form von „Subkutan“.

Relativ unglücklich ist der Start in diesen Longplayer ausgefallen. Ein Semi-Instrumental mit sich wiederholenden, wenigen Textpassagen als Opener dürfte den Zugang zu einer ansonsten einprägsamen Platte erschweren. Besonders unpässlich ist dieser Umstand daher, dass mit „The End“ ein genialer Popsong mit mehr als genügend Hitcharakter folgt und dieser Track als Eröffnung nahezu unschlagbar gewesen wäre. Doch nehmen wir die Dinge so wie sie sind und erfreuen uns an besagtem Song, der mit Breakbeats, sich geschickt aufbauender Spannung und zarten, eindringlichen Melodiebögen mit Charme galant in die Ohren wandert. Mystisch wird es bei „Star-Crossed Lovers“, welches sich von fragilen Passagen zu einem antreibenden Song verwandelt und im Refrain bedrohliche Verzerrungen der Synthesizer zum Vorschein bringt, um kurz danach wieder der gehauchten Romantik und spärlichen Synthie-Flächen entgegenzutreten. So langsam hat einen das Album deutlich im Griff und man kommt kaum umhin, Verzückung und die Vorfreude auf die nächste Electro-Perle zu spüren. „Addict“ und „Obey Your Heart“ sind immer noch überdurchschnittlich, doch harmonische Sequencer-Sounds und einprägsame, melodisch orientierte Beats sind mit Steffens Gesang zwar gut gelungen, müssen jedoch ohne euphorisch aufgenommene Wohlfühlmomente auskommen. Doch die bedingungslose Herzeroberung lässt sich erneut blicken und schenkt uns das träumerische, an Ambient angelehnte „No Tomorrow“ mit der Lizenz zum Lebensretter.

Nach langer Zeit erstrahlt durch „In Dir“ wieder ein deutschsprachiger Song in der Historie des Berliner Duos. Zurückgelehnte Beats und sanfte Spielereien aus dem synthetischen Kosmos prägen einen Track, der größtenteils unspektakulär ist und sich des Pathos etwas zu viel gönnt. Über der gesamten Länge dieses Stücks steht die Erinnerung an Wolfsheims „Kein Zurück“. Man erinnert sich an den damit verbundenen großen Erfolg der musikalisch Gleichgesinnten und fragt sich ganz leise, ob De/Vision kalkulatorischen Überlegungen etwas zu viel Aufmerksamkeit geschenkt haben. Doch zum Glück wischt „E-Shock“ schnell diese bösen Gedanken weg und erfreut uns mit einem Manifest an tanzbarer, durch anregende Vocals verfeinerte, Dynamik aus dem Oberhaus elektronischer Musik. Das abschließende „Summer Sun“ trägt nicht nur den Sommer im Titel, sondern auch im Herzen und streift uns wie ein erhoffter, kühler Hauch. Dieser ist auch auf einige andere Songs des Albums, jedoch im negativen Sinne, zu beziehen. Wirklich großartige Momente verblassen durch einfach nicht zünden wollende Passagen mit spärlich vorhandenem Charakter. Allerdings ist das Fazit positiv und lässt grandiose Songs wie z.B. „The End“, „No Tomorrow“ oder „Still Unknown“ deutlich vor der Gesamtwertung in das Ziel gelangen.

Anspieltipps:

  • The End
  • No Tomorrow
  • Still Unknown
  • E-Shock
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