Coloma - Dovetail - Cover
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Coloma Dovetail


  • Label: Klein Records/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei Assoziationen mit der Musik von Alex Paulick und Rob Taylor müssen irgendwann die Begriffe Klanglandschaft, atmosphärisch oder verträumt fallen. Ihre Stücke sind aber auch melancholisch, emotional und verstörend zugleich. Man führe sich nur einmal das zweite Stück ihres dritten, nicht aus eigener Tasche bezahlten, Albums „Dovetail“ (zu Deutsch: Schwalbenschanz – die stärkste Holzverbindung im Zimmerhandwerk) mit Namen „Motorway Stray“ zu Gehör. Beginnend mit nicht mehr als einer Stimme und kurzen Pausen zwischen den ersten drei Zeilen keimt das Gefühl von Distanz und Minimalismus auf. Eine Trommel gesellt sich mit militärischem Rhythmus dazu und ein Piano und eine Trompete lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Dennoch klingt das Ganze nicht besonders stimmig, vor allem weil jedes Instrument eine Melodie für sich zu spielen scheint. Dann ist wieder alles vorbei, die Stimme bleibt und ein Synthesizer mischt sich ins Geschehen. Kurz darauf ist wieder die Trommel dabei, ein Chor ertönt. Einige Momente später erlischt der gesungene Text – von einem Klanggewitter erschlagen. Trotzdem mischt sich die vertraute Stimme nach einiger Zeit wieder darunter. In weiterer Folge klingt Blitz und Donner ab und der Song endet mit vorher erklungener, spärlicher Synthiemelodie und Klavier. Keine Angst, dieser Track nimmt beinahe eine Ausnahmeposition auf „Dovetail“ ein. Ein vergleichbares experimentelles Stück gibt es sonst nicht mehr zu hören und dennoch bleibt auch das dritte Album von Coloma ein Ohrenschmaus, auch wenn es mit letzterem Meisterwerk „Finery“ nicht ganz mithalten kann.

Zuerst aber der Reihe nach. Die beiden Globetrotter Paulick und Taylor treffen sich das erste Mal in Paris. Einige Länder später sind sie in ihrer Wahlheimat Köln angelangt, in der etliche Jahre später Techno-Produzent Matthias Schaffhäuser auf Robs Stimme aufmerksam wird und die beiden auf seinem eigenen Label „Ware“ unterschreiben lässt. Darauf entstehen die zwei exquisiten Alben „Silverware“ und „Finery“, die seitens der Medien und der Fans positiv aufgenommen werden. Um sich einem breiteren Publikum zugänglich machen zu können ist man nun bei Klein Records eingestiegen und kann äußerst prominente Komponenten für das neueste Werk auf der Haben-Seite verbuchen. Da wäre zum einen Tobias Levin (Kante, Tocotronic), der mit den Jungs das Album aufnahm, Christoph Clöser (Bohren und der Club of Gore) an Klavier und E-Piano oder Thomas Klein (Kreidler) am Schlagzeug. So überproduziert das nun klingen mag, das ist es beim besten Willen nicht. Vielmehr ist dadurch ein weiteres großes Album entstanden, dass sich nur durch die stellenweise zähe Behäbigkeit mancher Tracks („To love you“, „Rainfall and sirens“) von den vorhergehenden Platten unterscheidet. Dass auf „Dovetail“ aber auch zeitlose musikalische Stilleben wie das anfänglich ruhige „Talent for leaving“, das am Schluss so richtig aus sich heraus geht, das jazzig-rockende „Happiness is deafening“ oder eine instrumentale Momentaufnahme wie „A-Roads and sunsets“ enthalten sind, macht gerade das neueste Werk zu einem herausragenden Beispiel wie man Popmusik mit elektronischen Einflüssen abseits von Bombast und Kommerzorientiertheit erschaffen kann.

Anspieltipps:

  • Motorway Stray
  • Talent For Leaving
  • A-Roads And Sunsets
  • Happiness Is Deafening
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