Scooter - Who´s Got The Last Laugh Now - Cover
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Scooter Who´s Got The Last Laugh Now


  • Label: Sheffield Tunes/EDEL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Man kann über die Art und Weise, wie H.P. Baxxter, Jay Frog (seit 2002 dabei) und Rick J. Jordan mit ihrer Musik Geld machen, sagen was man will. Wer auf die Meinung der Presse nichts gibt bzw. keine qualitativ hochwertige Musik produzieren will, würde wohl genauso handeln wie Scooter (oder Dieter Bohlen...) und das Schema seiner Songs nur minimal ändern, wenn sich damit, wie im vorliegenden Fall, locker zehn Millionen Tonträger absetzen lassen. Warum allerdings so viele Menschen Scooter Singles und Alben erwerben, ist für den neutralen Beobachter schlecht bis gar nicht nachvollziehbar und bleibt eines der großen Mysterien des Musikbusiness.

Doch wie lässt es sich sonst erklären, dass zwar niemand zugibt, Fan zu sein, aber neue Outputs binnen kürzester Zeit Topplatzierungen in den Charts erhalten und am Ende mehrere Tausend Einheiten abgesetzt werden? Eine Erklärung wäre vielleicht, dass sich die Fans für ihre Band in der Öffentlichkeit schämen (was ziemlich armselig wäre) und deswegen die Ansicht besteht, kein Mensch auf der Welt würde Scooter hören. Wie dem auch sei, die Anzahl der verkauften Tonträger gibt weitaus mehr Auskunft, als die möglicherweise stumme Stammhörerschaft.

Auch nach zehn Studioalben, drei „Greatest Hits“-Kopplungen und einer Live-Scheibe („Encore: Live And Direct“) scheint der Dreier nicht ans Aufhören zu denken. Ganz im Gegenteil! Das Trio ist noch selbstbewusster geworden. Dennoch mag sich der Hörer fragen, für was er beim Stück „Privileged to witness“ eigentlich privilegiert sei, da außer den üblichen Sirenengeräuschen, Keyboardklängen und stupiden Texten von H.P. Baxxter lediglich ein Sample des alten Scooter-Tracks „Move your ass!“ herhalten musste. Aber dieses Sinnfreie kennt man ja von Scooter, z.B. von der neuen Single „Hello! Good to be back“ – im übrigen ein Aussage, über die sich trefflich streiten ließe.

In dasselbe belanglose Fach gehören auch das durch „dab dab dab"-Gegröle an „Maria" erinnernde „Rock bottom" und die anschließenden Gehörschädigungen „The leading horse", das im Refrain mit einem Text aus „The four horsemen" von Aphrodite´s Child aufwartet, bei dem bewusst die Zeilen „The leading horse is white / The second horse is red / The third one is black / The last one is green" verwendet wurden um das Maß an Sinnentleertheit mit diesem aus dem Zusammenhang gegriffenen Exzerpt weiter zu steigern, sowie „Take me baby", das wohl noch nichts davon gehört hat, dass Progressive House in dieser Form niemanden mehr vom Hocker reißt. Ein zarter Lichtstrahl ist dagegen „Apache". Der Song hat zwar einen billigen Aufbau, dafür aber einen äußerst tanzbaren Beat. Trotzdem kündigt „Apache" keine Wende an. Schon in „See me, feel me" wird wieder diese grauenvolle Piepsstimme verwendet, die scheinbar mit jedem Album höher wird und in ein paar Jahren in einem Frequenzbereich ertönen dürfte, den nur mehr Hunde wahrnehmen können.

Mit „Unity without words: part 3“ und „Mesmerized“ folgen noch zwei passable Trancestücke. Den Gesamteindruck der Platte können aber auch sie nicht retten. So wird in „Seven bridges” Karats Klassiker „Über sieben Brücken musst du gehen“ sinn- und substanzlos gefoltert und über „Everlasting love“ sollte man nur noch den Mantel des Schweigens breiten. Es fällt allerdings auf, dass die instrumentalen Stücke immer um einige Klassen besser sind, als die mit H.P. Baxxters absolut sinnlosen Texten versehenen Tracks. Das soll jetzt allerdings keine Aufforderung sein, die Erzählungen von Thomas Bernhard, die der wasserstoffblonde Ostfriese für eine Hörbuch-Reihe lesen durfte, für zukünftige Scooter-Songs zu verbraten. Das wäre nämlich alles andere als „Hyper, hyper!“

Anspieltipps:

  • Apache
  • Mesmerized
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