Thrice - Vheissu - Cover
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Thrice Vheissu


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Um eines gleich vornweg zu nehmen: wer die Härte der alten Thrice-Alben erwartet, wird bei „Vheissu“ ein wenig enttäuscht werden. Von der genreüblichen Banalitäten im Sinne krachender Riffs und darauffolgenden Wohlfühl-Refrains, ist auf dem neuen Longplayer nichts mehr zu hören. Thrice haben die Skateboards in die Ecke gepfeffert, die trendy Cowboyhemdchen ausgezogen und zeigen dem Ich-muss-Screamo-machen-Wahn die kalte Schulter. Thrice sind gereift und musikalisch einen Schritt nach vorne gegangen. Sie haben ihr Songwriting verfeinert und versüßen ihr brillantes Gewumme mit einem Schuss atemberaubender Melancholie und emotionaler Wucht. Kenner werden zwar sagen, dass ein Reifeprozess auch auf jedem anderem Thrice-Album zu hören war, doch in welcher Pracht man eben jenen auf „Vheissu“ serviert bekommt, konnte wirklich niemand ahnen.

„Vheissu“, der Titel wurde übrigens von Thomas Pynchon's erster Novelle „V“ inspiriert, strotz nur so vor Ideenreichtum und Abwechslung, ohne jedoch zu verkopft und sperrig zu sein. Für jeden ist was Schmackhaftes dabei. Der Hörer darf sich auf Gospel-Chöre, zerbrechliche Pianoparts, gesangliche Wutausbrüche und technische Perfektion freuen. Mit Songs wie „Red sky“ oder auch „Of dust and nations“ möchte man sich an kalten Wintertagen am liebsten zudecken und für den Rest des Tages in sich selbst versinken. Songs wie „Image of the invisible“ oder „ Hold fast hope“ verleiten dazu, sich einfach mal den Frust der letzten Tage aus dem Leib zu schreien und „Like moths to flame“ haut einem ein Mörderriff nach dem anderen um die Ohren. Die grandiosen Melodien, die zerbrechlichen Momente und die stets angebrachte Härte sind wie schön eingepackte Geschenke an Weihnachten, die man am liebsten gleich auspacken mag und dann doch traurig ist, weil die ganze Spannung schon vorbei ist. Aber jeglicher Widerstand ist zwecklos, ehrlich.

Dennoch, trotz aller Euphorie ist Obacht geboten. Im Gegensatz zum Vorgänger „The Artist In The Ambulance“, der kommerziell sehr erfolgreich war, macht es „Vheissu“ dem Hörer nicht leicht. Auf keinen Fall sollte man das Album nach ein- oder zweimaligem Hören bewerten. Denn „Vheissu“ ist komplett anders als das, was wir bis dato von den vier Jungs aus Orange County kannten. „Vheissu“ benötigt einfach Zeit, vielleicht auch etwas zu Viel, aber die Investition lohnt sich in jeglicher Hinsicht. Hat man erst mal die Voreingenommenheit überwunden und sich durch die atmosphärische Dichte und das emotionale Bollwerk gekämpft hat, wird der Hörer eins mit der besonderen Atmosphäre, die Thrice mit ihrem neuen Werk versprühen.

„Vheissu“ ist ein echter Leckerbissen für Liebhaber emotionaler, harter Musik und das nicht nur für die Melancholiker unter den Schleckermäulern. „Das ist die vielversprechendste Musik, die wir je geschrieben haben“, sagt Vokalist Dustin Kensrue. Recht haste' mein Guter! Kaum jemand hätte Thrice solch einen Quantensprung zugetraut. Nicht nur aus diesem Grund bekommen Thrice an dieser Stelle 8 von 10 Punkten, sondern auch, weil Thrice zu jenen jungen Bands gehören, die man eigentlich nur mit sich selbst aufwiegen kann und in diesem Selbstvergleich zu überzeugen wissen.

Anspieltipps:

  • Red Sky
  • For Miles
  • Of Dust and Nations
  • Image Of The Invisible
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