Gracia - Passion - Cover
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Gracia Passion


  • Label: Bros Music/SPV
  • Laufzeit: 50 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Passion bedeutet Leidenschaft, aber auch Leidensweg. Und diesen ist Gracia Baur wohl für ihre Musik gegangen. Aber der Reihe nach: Nachdem die Münchnerin als fünfte in der ersten Staffel von „Deutschland Sucht Den Superstar“ ausschied, veröffentlichte sie kurz nach Ende der Casting-Show 2003 ihre Solosingle „I don´t think so“, welche in den Charts Rang 3 entern konnte und danach ihr Album „Intoxicated“, welches mühelos die Top 10 erreichte. Obwohl die zweite Auskopplung „I believe in miracles“ immerhin auf Platz 15 kam, wurde es erstaunlich schnell ruhig um sie und sie verschwand in der Versenkung. Erst Anfang 2005 ließ sie musikalisch wieder von sich hören, indem sie ihre Pop/Rock-Single „Run & Hide“ herausbrachte – mit neuem Team und „Vanilla Ninja“-Produzenten David Brandes.

Ihr Comeback klappte wie am Schnürchen: Auf Anhieb landete Gracia Baur in den Top 20 der deutschen Singlecharts und war sichtlich glücklich über ihren Erfolg. Sogar den Vorentscheid zum Eurovision Songcontest 2005 gewann sie gegen die zweitplatzierten Nicole Süßmilch (bekannt aus DSDS I) und Marco Mathias (bekannt aus Die Deutsche Stimme) und der dritten Mia Aegerter. Es schien alles perfekt zu gehen, bis zu dem Zeitpunkt, als die Sat-1 Reporter von „Akte 05“ ans Tageslicht brachten, dass Gracias Produzent David Brandes viele CDs seiner Acts selbst aufkaufen ließ, damit ein besseres Chartergebnis erreicht wird, was zur Folge hatte, dass nun wirklich mehr CDs durch diese Aufmerksamkeit verkauft werden. Kurz und Gut: Media Control verbannte die Acts von David Brandes, zu denen auch Gracia zählte, aus den Charts, und weitere Proteste wurden laut, dass Gracia mit „Run & Hide“ nicht mehr am Eurovision Songcontest antreten dürfe. Sie tat es trotzdem und scheiterte mit dem spektakulären letzten Platz und magersten drei Trostpunkten. Ihre Karriere schien beendet, aber sie hielt daran fest, ein Album mit David Brandes zu produzieren, welches im Herbst erscheinen sollte. Am 25. November wurde nach der Herzschmerzballade „When the last tear´s been dried“ nun endgültig ihr zweites Soloalbum veröffentlicht.

Der Opener „Passion“ besticht sofort durch einen einschüchternden Refrain und klirrende E-Gitarren, was auch bei „Never been“ nicht anders ist. Die Sängerin schreit an einigen Stellen, was sich auch nicht unbedingt positiv anmerken lässt. Es folgt „When the last tear´s been Dried“ – eine Ballade mit wenig Belang und tausendfach gehörter Melodie, die bei jeder Schlagerparty gut ankommen würde. Aber auch auf einem Pop/Rock-Album? Etwas besser ist „Sacrifice me“ mit spannendem Intro und aggressiven Lyrics. Allerdings ist auch hier ein billiger Gitarrenschocker inklusive. Den Tränen nahe bei „Wish you were here“, denn auch wenn Gracias kraftvolle Stimme hier Anerkennung finden muss: Innovation und Authentizität sind hier keineswegs vorzufinden.

Obwohl ihre Skandalsingle „Run & Hide“ auf Dauer beim Refrain die Nerven stark belastet, kristallisiert sich das powergeladene Stück noch zum Highlight des Albums heraus. „Charlene“ erinnert wie mehrere Stücke leicht an die End-80er, bzw. Früh-90er und plätschert lustlos vor sich hin. Andere balladeskere Stücke wie „The last goodbye“ oder das etwas härtere „Pray“ sind im Gesamteindruck etwas überzeugender, wenn auch nicht lobenswert. Einerseits ist das Ende das Albums schon fast eine Freude, allerdings sollte man durch den guten Track „The man with the scissors“ melancholisch gestimmt werden.

Alles in allem ist „Passion“ ein Leidensweg für den Hörer, der orientierungslos zwischen belangslosen Balladen oder furchteinflössenden Pop/Rock-Schockern hin und hergerissen wird. Musikalisch knüpft Gracia nicht an ihr Debütalbum an. Von einer persönlichen Entwicklung lässt sich auch kaum sprechen: Die Haare sind schwarz, der Blick düsterer. Ein Blick in die Zukunft?

Anspieltipps :

  • Run & Hide
  • The Last Goodbye
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