Farin Urlaub - Livealbum Of Death - Cover
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Farin Urlaub Livealbum Of Death


  • Label: Völker hört die Tonträger
  • Laufzeit: 88 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Livealbum of death“ ist weit mehr als nur ein reines Andenken, das in das Regal gestellt werden darf.

Mitglied der göttlichen Dreifaltigkeit BelaFarinRod (auch bekannt als Die Ärzte), Gute-Laune-Verbreiter, strahlendes Honigkuchenpferd, passionierter Musiker und ein mehr als nur durchschnittlicher Songschreiber – das ist Jan Ulrich Max Vetter. Nach dem zappelnden und gut gelaunten Solodebüt „Endlich Urlaub“ Ende 2001 und der darauffolgenden schwermütigen und düsteren Reise „Am Ende der Sonne“ Anfang letzten Jahres legt der 42-jährige Blondschopf mit „Livealbum of death“ einen fast 90-minütigen Konzertmitschnitt seiner „Sonnenblumen of death“-Tour vor. Darauf enthalten sind Aufzeichnungen aus Leipzig, Dresden, Berlin, Hamburg und Bremen, wo Urlaub mit seinem Racing Team (insgesamt eine 12-köpfige Truppe bestehend aus zwei Saxophonisten, einem Trompeter, einem Posaunisten, einer Schlagzeugerin (wie interessant das MS Word dieses Wort gar nicht im Sprachgebrauch hat), einer Gitarristin, einer Bassistin und vier Sängerinnen, die zudem auch noch für Perkussion und Keyboard zuständig sind) zwischen dem 30.Mai und 22. Juni 2005 Station gemacht hat.

Die Trackliste legt einen eindeutigen Schwerpunkt auf das letzte Werk, das mit elf Songs vertreten ist, „Endlich Urlaub“ schlägt mit sieben Zählern zu Buche und „Petze“, „Der ziemlich okaye Popsong“, „Zehn“ und „“Wo ist das Problem?“, wobei letzterer eher eine Vorstellung der einzelnen Musiker an das Publikum darstellt, dürfen als neue Tracks angesehen werden und sind somit der Kaufanreiz für Unentschlossene. Für die Hardcore Die Ärzte und Farin Urlaub-Fans wird es so eine Überlegung gar nicht erst geben, da ohnehin alles bedingungslos gekauft wird, was von den Idolen auf den Markt kommt. Daher stellt auch die Singleauskoppelung „Zehn“ mit den nicht auf dem Livealbum enthaltenen Stücken „Ich gehöre nicht dazu“ und „1000 Jahre schlechten Sex“ eine obligatorische Anschaffung dar. Doch „Livealbum of death“ ist weit mehr als nur ein reines Andenken, das in das Regal gestellt werden darf, sondern legt in beeindruckender Weise davon Zeugnis ab, wie treibend und druckvoll ein Konzert aus den Boxen dröhnen kann.

Den Auftakt macht die schon für „Am Ende der Sonne“ verwendete Einleitung „Mehr“, das gleich vorführt in welchem Rahmen sich die nächsten 90 Minuten erstrecken werden und wenn der Beginn von „Am Strand“ mit dem gleichen Fade-Out von den Fans wiedergegeben wird wie im Original, ist einem klar, dass hier Profi-Animateur Urlaub am Werk ist. Nach dem selbstironischen „Wie ich den Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb verlor“, in dem typischerweise einige Textpassagen spontan abgeändert und somit aus den 60-ern plötzlich die 40-er werden, dem headbangenden „Glücklich“, dem neuen Song „Petze“ (mit herrlichem Refrain: „Du wählst 110 bestellst die Polizei / Du sagst es wär zu laut / Und ich schätze / Du fühlst dich gut dabei du Petze“), den beiden Ska-Stampfern „Noch einmal“ (das auf „Am Ende der Sonne“ durch Zurückspulen des ersten Liedes vernommen werden kann) und „Dermitder“ und dem schwarzhumorigem „Wunderbar“ wird es beim beschaulichen „Phänomenal egal“ Zeit seine Feuerzeuge zu zücken und gen Himmel zu strecken.

Der Song leitet außerdem den ernsteren Teil der Platte mit „Sonne“, „Apocalypse wann anders“, „Lieber Staat“ und „Porzellan“ ein. Jäh unterbrochen wird diese nachdenkliche Phase durch den 1A-Party- und Feelgoodtrack schlechthin: „Zehn“. Es verwundert nicht, dass hunderte Fans auf der Homepage des Farin U. voller Euphorie nach dem Titel dieses Punkmonsters fragten und eine Kopie dessen verlangten. Gegen Ende werden die bekannteren Auskoppelungen „Ok“ und „Dusche“ dargeboten, die durch die Rockballade „Immer noch“ und „Unter Wasser“ unterbrochen werden, bis nach „Wo ist das Problem?“ auch schon das „Abschiedslied“ erklingt.

Das „Livealbum of Death” ist wie erwartet ein Endorphine versprühendes Zeugnis eines Mannes, der zusammen mit einem Ska-Punk-Ensemble die Massen zum Moshen, Bangen und Luftgitarre zücken bringt ohne dass spieltechnisches Niveau oder qualitative Ansprüche hinten an gestellt werden müssen. Einzig und allein die stimmliche Unterstützung durch die vier Sängerinnen und die Gewissheit, dass das Ganze live noch um einige Male besser funktioniert trüben den Gesamteindruck. Wer will kann sich ein paar Freunde einladen und zuhause abfeiern – sofern der Nachbar nicht sofort 110 anruft.

Anspieltipps:

  • Petze
  • Glücklich
  • Dermitder
  • Am Strand
  • Wie ich den Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb verlor
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7/10

Moskau '77
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