Belle And Sebastian - The Life Pursuit - Cover
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Belle And Sebastian The Life Pursuit


  • Label: Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Sonne blinzelt aus dem Wolkenteppich hervor.

Nachdem Belle And Sebastian 1996 durch Stuart Murdoch und Stuart David gegründet wurden und das Debüt „Tigermilk“ in einer Auflage von 1000 Stück (1999 wurde es wiederveröffentlicht.) das Licht der Welt erblickte, wird die Band vom Indielabel Jeepster unter Vertrag genommen und startet einen kleinen Triumphzug durch die Independent-Gemeinde. Man liebt die Mystik und das Märchenhafte in den Songs von Belle And Sebastian, deren wahre Identität immer wieder gekonnt verschleiert wird. Medienscheu und dem Publikum eng verbunden erarbeitet man sich den Erfolg, der spätestens mit dem 98´er Werk „The Boy With The Arab Strap“ ungeahnte Höhenregionen erreicht. Auch nachdem Gründungsmitglied Stuart Davis ausscheidet, um sich seiner Band Looper zuzuwenden, verzaubern Stuart Murdoch und sein Künstlerkollektiv beständig mit ihrem sensiblen, feingeistigen Popentwurf.

Es scheint fast so, als hätte auch der Ausstieg von Isobel Campbell, ehemals Engelsstimme bei den Glasgowern und nun solo aktiv, die Mannen um Stuart Murdoch eher befreit, denn das darauf folgende Album „Dear Catastrophe Waitress“ aus dem Jahr 2003 lässt die Musik leichter, beschwingter klingen und legte die niemals enden wollende Schwermütigkeit zum Teil ab. Ähnlich verhält es sich mit dem von Tony Hoffer (Beck, Air, Supergrass, Turin Brakes) in L.A. produziertem, neuen Werk „The Life Pursuit“. Die Vorzüge des Lebens auskostend und sogar mit leichten Rocktendenzen daherkommend, klingt es gleichermaßen vertraut und man höre und staune – an manchen Stellen ausgelassen fröhlich.

Besonnen erfolgt dann folgerichtig auch der Auftakt in Form von „Act Of The Apostle“, in dem das Piano tröpfelt, die Drums schmachtend den Rhythmus klopfen und Stuart Murdoch stimmlich herausragend in höchsten Höhen brilliert. Die Produktion im sonnigen L.A. macht sich auch weiterhin bemerkbar, wenn im Folgesong „Another Sunny Day“ das Tempo angehoben wird und man sich von einer Minute auf die nächste nach dem Sommerurlaub sehnt. Wunderschöne Backing Vocals unterstützen Stuart Murdoch, während die Gitarre gar countryesk agiert und in den Vordergrund gemischt deutlich in Richtung leichtfüßiger Hördurchlauf weist.

Dass diese neue Lockerheit in Belle And Sebastians Repertoire in keiner Weise oberflächlich oder nichtssagend auf die Songs einwirkt, spricht für die omnipräsente Klasse der Band aus Glasgow. Auch wenn die Herren und die Dame eine Lightversion von Bluesrock im hübsch betitelten „The Blues Are Still Blue“ arrangieren, bleibt es hochklassig. Die Gitarre lädt zum Solo, während Kuhglocken den Rock´n´Roll-Faktor komplettieren. Man kann durchaus von Rock sprechen, obwohl der Kontext selbstredend im Pop geerdet ist und das unterschwellige Understatement natürlich auch auf diesem Longplayer beibehalten wird. Einmalige Stimmungsaufheller aus der großen Popschublade wie „We Are The Sleepyheads“ oder „For The Price Of A Cup Of Tea“ machen locker den nicht ganz ausgefeilten Versuch wett, bei „Song For Sunshine“ Funk mit sakralem Unterton auf die Herzen loszulassen.

War ein Großteil des Backkataloges von Belle And Sebastian stimmungsmäßig noch von grauen Straßen und niemals endenden Regenfällen geprägt, so blinzelt seit „Dear Catastrophe Waitress“ die Sonne immer öfter aus dem Wolkenteppich hervor und seit „The Life Pursuit“ strahlt sie, wärmt sie flächendeckend und lässt uns selbst den härtesten Winter mit einem Lächeln überstehen. Für die nötige Wärme ist auf dem neuen Album ausreichend und mit nachhallendem Glanz gesorgt.

Anspieltipps:

  • Funny Little Frog
  • Another Sunny Day
  • We Are The Sleepyheads
  • For The Price Of A Cup Of Tea
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