Pink Floyd - London 1966 1967 - Cover
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Pink Floyd London 1966 1967


  • Label: Snapper Music/SPV
  • Laufzeit: 30 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach einer DVD-Auswertung des Materials, erscheint dieses nochmals als fast identische CD.

Was haben Die Ärzte, Guru Guru, Archive, Porcupine Tree, Tool, Air, Kyuss, The Dandy Warhols und Radiohead gemeinsam? Genau! Sie wurden alle von Pink Floyd beeinflusst und geben die in ihrer Anfangszeit aus Syd Barrett (Gitarre, Gesang), Nick Mason (Schlagzeug), Roger Waters (Bass, Gesang) und Rick Wright (Keyboard, Gesang) bestehende Combo als Idole ihrer Jugend an. Barrett, der aus seinen Lieblingsbluesmusikern Pink Anderson und Floyd Council die Band zuerst „The Pink Floyd Sound“ und erst in späterer Folge schlicht „Pink Floyd“ nannte, wurde 1968 wegen Drogenkonsums und interner Streitereien aus der Band gekickt und durch David Gilmour ersetzt. Sie perfektionierten den Art-, Progressive- und Psychedelic-Rock und wurden dadurch zu einer der wichtigsten Bands ihrer Zeit bis heute.

Als „Atom Heart Mother“ 1970 den ersten Platz der englischen Charts enterte, hielt auch der kommerzielle Erfolg Einzug. Mit „Dark Side Of The Moon“ (1973) ist ihnen sogar das einmalige Kunststück gelungen, 740 Wochen (!!) in den Billboard Charts zu verweilen. Das nächste Opus „Wish You Were Here“ (1975) war Syd Barrett gewidmet und wird von der Band als ihr bestes Werk bezeichnet. Nach dem Konzeptalbum „The Wall“ (1979) erschien mit „The Final Cut“ (1983) das vorläufig letzte Album und so hieß es für Pink Floyd, dass der letzte Vorhang gefallen war. Waters und Gilmours Differenzen ließen sich nicht regeln und man löste sich 1985 auf. Nur zwei Jahre später folgte durch David Gilmour die Reunion (ohne Roger Waters) und die Alben „A Momentary Lapse Of Reason“ (1987) und „The Division Bell“ (1994) wurden veröffentlicht. Seitdem wurde nichts mehr Neues außer Live-Alben und dem Best-Of „Echoes“ (2001) auf den Markt gebracht.

Mit „London 1966-1967“ wird nun ein historisches Zeitzeugnis abgelegt, dass vor die Zeit ihres ersten Plattenvertrages bei EMI geht. Der Filmemacher Peter Whitehead wollte einen Film über die Swinging Sixties machen, in dem er darstellte, was alles, vor allem nachts, in Englands Hauptstadt abging. Als musikalische Untermalung für „Tonite Let´s All Make Love In London“ war er auf der Suche nach einem Sound, der weder poplastig noch rockig war, also schieden die Beatles, die zu dieser Zeit den Gipfel ihres Schaffens erklommen hatten, aus. Er wurde auf die damals noch unbekannte Formation „The Pink Floyd“, die hauptsächlich Psychedelic Rock spielten, aufmerksam und fragte ob sie denn nicht für seinen Film ihre Musik einspielen wollten. Daraus wurde am 11. und 12. Januar 1967 die erste Aufnahmesession in ihrer Geschichte.

Es wurden zwei instrumentale Stücke eingespielt: das knapp 17-minütige „Interstellar overdrive“, das für das erste Album „The Piper At The Gates Of Dawn“ verwendet wurde und der bisher unbekannte 12-Minuten-Track „Nick´s Boogie“.

Die Symbiose untereinander funktioniert perfekt. Man hat nicht das Gefühl, dass hier vier Männer am Werk sind, sondern vielmehr ein einzelner der gleichzeitig die Instrumente selbst bedient, so harmonisch geht das Quartett ans Werk.

Um besonders grelle und spannende Sounds zu erzeugen wird schon mal auf die Gitarre geklopft oder die Saiten mit der ganzen Hand gespielt. Effekt- und Verzerrungsgeräte sind sowieso immer an, die technische Raffinesse kulminiert in Klangausbrüchen und flächigen Samples, die live durchgemischt werden. Es ist nicht verwunderlich, dass hin und wieder einer der Musiker die Augen schließt, wenn er sein Instrument bedient, denn auch sie lassen sich treiben vom Spiel der anderen. Am Ende jedes Songs wird man wieder in die Realität zurückgeholt und trägt ein Lächeln auf dem Gesicht, so entspannend war das Dargebotene, wenn man sich dafür auch angemessen begeistern konnte.

„London 1966-1967“ ist nicht nur ein historisches Zeugnis über die Anfänge einer Band, die Musikgeschichte geschrieben hat, sondern ein Beweis dafür, wie in sich verflochten und zusammenhängend man mit seinen Instrumenten untereinander kommunizieren kann, ohne avantgardistische Züge anzunehmen.

Nach einer DVD-Auswertung des Materials, erscheint dieses nun nochmals als fast identische CD. Auch hierauf findet sich u.a. ein Interview Regisseur Peter Whitehead und der "Interstellar Overdrive"-Film in voller Länge. Brauchen tut diese doppelte Ausgabe allerdings niemand. Eine Version (egal ob CD oder DVD) reicht vollkommen aus.

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