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Maintain Reveal Our Disguise To An Infinite Abyss


  • Label: Swell Creek/SOULFOOD
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

So einfach kann es gehen: Eine Anleitung zur Bandgründung: Sollten sich alle Mitglieder schon gefunden haben (bevorzugt sind Gitarre, Schlagzeug und natürlich, wenn es nicht gerade instrumental sein soll, ein Sänger) und dennoch, keiner weiß, wie man sich nennen soll, da der eigene Name nicht aussagekräftig genug ist und der Eindruck einer Gruppe erhalten bleiben soll, einfach das Englisch/Deutsch-Wörterbuch zur Hand nehmen, die Seite für Zeitwörter aufschlagen und eines heraussuchen, von dem die Mitglieder denken, es klingt passabel. Schließlich soll keine „The“-Band entstehen und auch kein Retro-Rock gespielt werden, sondern das angepeilte Genre sich eher im Metal/Hardcore-Bereich aufhalten, da dieser Sektor mit wirklich guten Acts noch nicht hoffnungslos überrannt ist.

Nachdem die Wahl des Namens auf z.B. „Maintain“ gefallen ist, da dieser zwar cool klingt, aber nicht mehr als „behaupten“ oder „unterhalten“ bedeutet, sollten auch schon die ersten Proben angesetzt werden, um danach in vielen kleinen Clubs aufzutreten, um in der Szene bekannt zu werden und sich einen Namen zu machen. Ist diesem Vorhaben Erfolg beschieden, ist der nächste Schritt, ein Demo aufzunehmen mit dem die großen Plattenbosse und Labelvorsteher angesprochen werden, um für seine Gruppe den bestmöglichsten Vertrag auszuhandeln, sofern überhaupt jemand daran interessiert ist.

Sollte das nicht der Fall sein, besteht schließlich noch immer die Möglichkeit seine bereits existente Fangemeinde um ein paar Jünger mehr aufzufrischen – vielleicht ist einmal ein Mitarbeiter eines Labels dabei. Gesetzt den Fall, dass sich auch nach dem dritten Demo niemand gefunden hat, der die Band unterzeichnen lässt, muss ein Schritt zurück gegangen und an einem Longplayer gearbeitet werden, der auf einem kleinen Independentlabel veröffentlicht wird. Dem fertigen Werk gibt man dann einen überlangen Titel, damit sich seine Gruppe auch schnell in die Hirne der Käufer festsetzt, damit diese in den nächsten Musikladen gehen können um die Platte zu verlangen, die einen Titel trägt, der nicht genannt werden kann, weil er zu lang ist. Ein gutes Beispiel wäre hierfür „Reveal Our Disguise To An Infinite Abyss“ – merkt sich keiner, bleibt aber trotzdem hängen. Und sollte das Geschäft die CD nicht auf Lager oder der Verkäufer keine Ahnung haben was der Kunde will, kann dieser noch immer in einen anderen Laden gehen oder den stutzenden Verkäufer angrölen, den so in etwa hat der geneigte Käufer das Gehörte in Erinnerung.

Hält die Band nun ein Exemplar seines musikalischen Schaffens in der Hand, muss sie nur noch einen letzten Schritt tun, bevor sich die einzelnen Mitglieder zurücklehnen und beobachten können, wie das Produkt Absatz findet: Die Presse muss mit der LP bemustert werden, denn dann ist letztendlich das größtmögliche Maß an Marketing und Publicity erreicht, das einem mit geringem Budget zur Verfügung steht. Die fertigen Rezensionen werden auf die bandeigene Homepage gestellt, um Unentschlossene mit den Lobhudeleien der Journalisten zu überzeugen. In diesen Kritiken wird dann die technische Versiertheit begutachtet, Referenzen an genreähnliche Bands hergestellt und über den Gesamteindruck der Platte resümiert.

Einige werden feststellen, dass das vorliegende Debüt äußert heftig aus den Boxen knüppelt und keine Gefangenen macht. Andere wiederum werden die kleinen stillen Intermezzos bewundern, die zumeist in akustischer Ausführung ihren Platz auf dem Longplayer einnehmen. Der Gesamttenor wird aber sein, dass die Band noch viel vor sich hat, ein beeindruckendes Debüt hingelegt hat und man noch einiges von ihnen hören wird, vor allem weil es sich um eine deutsche Band handelt, die schon mit amerikanischen Metalcore-Fraktionen auf der Bühne stand und ihr dadurch großer Erfolg beschieden sein wird. Und wer sich die neun hammerharten Bretter und die zwei stillen Wasser dazwischen zu Gemüte führt wird feststellen, dass dieser kleine Leitfaden nicht mal so unrecht hat.

Anspieltipps:

  • This Dying Earth
  • Scars Of Tomorrow
  • Lord´s Prayer
  • The Ashes Fall
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