Hinder - Extreme Behavior - Cover
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Hinder Extreme Behavior


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Extreme Behaviour“ ist für alle, denen Nickelback zu vorhersehbar ist und bei Wörtern wie „Stoned“ nicht gleich die Sittenpolizei kontaktieren.

Bei Neuerscheinungen schaut der Musikbegeisterte meistens zuerst, ob seine Lieblingsbands- und Künstler etwas veröffentlichen und schaut erst dann danach, was es sonst noch gibt. Reingehört wird dann in die Alben, deren Cover ansprechend wirkt oder wenn der Name irgendwo einmal aufgeschnappt wurde. Schließlich ist es langweilig, fünf Lieblingsbands zu haben und sich nur hin und wieder auf Anraten von Freunden interessanten Acts und Newcomern zu widmen.

Durch die Einführung von Newslettern der Plattenlabel kann einem der Selektionsprozess zusätzlich erleichtert werden, da zum Teil wichtige Infos oder Hinweise zur CD gegeben werden. Im Falle der Band Hinder sticht einem (Mann) natürlich sofort das Cover ins Auge, also kann es nicht schaden, den kurzen Absatz, den die Plattenfirma daneben angefügt hat, auch zu lesen: „Nachdem Songs von Hinder schon bei einigen amerikanischen Radio-Stationen seit Sommer auf Rotation sind, erscheint nun ihr Album auch endlich europaweit. Starke Rocksongs a la Nickelback & Co.!” Nickelback & Co.? Der Sache ist es anscheinend wert, nachzugehen, vor allem, weil genannte Band für Ohrwürmer wie „How you remind me“ und „Leader of men“ verantwortlich ist.

Die ersten Sekunden von „Extreme Behaviour“ erinnern an „Blow him back into my arms“ von Moneybrother, doch ab dem Einsatz der Stimme ist klar, dass es sich nicht um Anders Wendin handelt, sondern um die verrauchte Stimme von Austin Winkler, seines Zeichens Sänger von Hinder. Die Klangfarbe hat zwar Ähnlichkeiten mit Chad Kroeger, ist aber um einiges dreckiger und rauer und einen Song wie „Get stoned“ würde der Dauerwellenfetischist wohl nie zum Besten geben. Umso besser, dass es mit Hinder eine Band gibt, die nicht nur von Grunge angehauchte Rocksongs spielt um die Fans zu befriedigen, sondern auch das Gefühl vermittelt hinter der Sache zu stehen, die sie machen. Und wenn Winkler singt „Let´s go home and get stoned / We could end up makin´ love instead of misery / Go home and get stoned / Cause the sex is so much better when you´re mad at me”, dann ist eindeutig, der meint das so! Der zweite Track „How long” beherbergt einen starken Refrain, der sofort ins Ohr geht. „By the way“ schleppt sich etwas durch seine vier Minuten, dafür beginnen „Nothin´ good about goodbye“ und „Homecoming queen“ mit Intros, die seit den 80ern nicht mehr in Mode waren.

Je näher man dem letzten Lied kommt, desto klarer wird einem, was die Intention hinter „Extreme Behaviour“ ist. Joe Garvey (Gitarre), Mark King (Gitarre, Klavier), Mike Rodden (Bass), Cody Hanson (Schlagzeug) und Austin Winkler versuchen das alte „Sex, Drugs & Rock´n´Roll-Feeling“ wiederzubeleben, nur musikalisch der Zeit angepasst und eben ohne den „Roll“. Das unterstreichen die Saufgelagefotos und abgefuckten Outfits der einzelnen Bandmitglieder zusätzlich. Repräsentiert Nickelback aalglatte Büroarbeiter, ist es bei Hinder die schlecht frisierte Mittel- und Unterschicht, die sich keinen Kamm leisten will, um den Chef zu ärgern. Das vermittelt die Musik des Quintetts ebenfalls. Daher gibt es mit „Better than me“ auch eine kraftvoll gesungene Powerballade, die Chad Kroeger nicht einmal annähernd mit dieser Emotion, die Winkler hervorbringt, singen könnte. Das letzte Stück „Shoulda“ könnte sogar von einer Nu-Metal-Band stammen und zeugt vom Facettenreichtum des Fünfers.

Fazit: „Extreme Behaviour“ ist für alle, denen Nickelback zu vorhersehbar ist und bei Wörtern wie „Stoned“ nicht gleich die Sittenpolizei kontaktieren. Die ausgezeichnete Leistung des Sängers und der trotz einiger Längen nicht abfallende Spannungsbogen machen diese Platte zu einem Muss für alle Rocker, die mit alten Werten und Ehrlichkeit noch etwas anfangen können.

Anspieltipps:

  • Get Stoned
  • How Long
  • Better Than Me
  • Lips Of An Angel
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