Bauchklang - Many People - Cover
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Bauchklang Many People


  • Label: Klein Records/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 60 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer sie nicht kennt, der muss sie kennen lernen. Wieso das so ist? Weil bei Bauchklang, wie auf der Rückseite des zweiten Albums der Niederösterreicher versehen, „all sounds based on human vocals“ sind. Humbug? Nein, ganz und gar nicht! Die Österreicher mit ihrem Genremix aus Dub, Reggae, Drum´n´bass, Big Beat, HipHop und ein bisserl Jazz haben für ihre eigenwillige und beinahe einzigartige Art Musik zu machen schon mehrere Preise eingeheimst und international berühmte Nachahmer gefunden wie z.B. Björks „Medulla“ preisgibt. Ihre erste LP „Jamzero“ aus dem Jahre 2001 hat also bekanntlich weitgehend Wellen geschlagen und nach Auftritten bei renommierten Festivals wie dem Transmusicales (Frankreich), dem Roskilde Festival (Dänemark) oder dem Jazzfestival von Montreal (Kanada) ist es nach vier Jahren endlich soweit und „Many People“ erscheint. Unter dem Untertitel „Vocal Groove Project“ haben sich Andreas Fränzl (Gesang, Sounds), Gerald Huber (Beatbox, Sounds), Karl Schrumpf (Mundperkussion, Bass), Alex Böck (Bass), Pollard Berrier (Sounds, Background Gesang) und Philipp Sageder (Sounds, Background Gesang) aufgemacht um ihre unterschiedliche musikalische Herkunft wieder auf einem neuen Output zu vereinen.

Eine Stunde lang präsentieren sich die Fünf von ihrer besten Seite und der Hörer fragt sich unablässig wie so etwas nur mit dem menschlichen Körper zustande kommen kann? Derer Paradebeispiele gibt es viele, am herausragendsten ist wohl das flotte „Navigator“, das in ähnlicher Weise auch auf einem Chemical Brothers oder Fatboy Slim Album zu finden wäre, aber gerade durch die Umsetzung durch Stimme, Beatbox, präzisen Einsatz von Kehlkopf, Zunge und Mundhöhle das Erstaunen auf der Seite des Konsumenten in fallende Kinnladen ausartet lässt. Und wer dass schon beeindruckend genug findet, sollte sich die Herren sowieso so schnell wie möglich live zu Gemüte führen, da vor Publikum der Faszinationseffekt noch um einiges intensiver verstärkt wird als durch Cd. Vor allem Stücke wie „Rhythm of time“, „Good you do“, „Record”, „Every day” oder „Paleo” schüren das Bedürfnis zu sehen, wie das Ganze in der Realität überhaupt praktikabel ist und ausgeführt wird ohne zusätzliche Geräte hinzuzuziehen oder etwa gar zu schummeln.

Die Zweifler werden aber genauso schnell entkräftet werden, wie die Faszinierten bestärkt, denn beide Lager werden trotz der unterschiedlichen Meinung von der Darbietung des Quintetts mitgerissen. Mit einigen Einschränkungen, da bei ein paar Stücken ein Funken mehr Abwechslung angebracht gewesen wäre, reicht dazu schon „Many People“, denn schließlich sind die dargebotenen Songs alleine überzeugend genug und das ganze Album daher von beachtlichem Niveau. Um den Spannungsbogen 17 Songs lang aufrechtzuerhalten benötigt es dann eben vier Jahre bevor neues Material erscheint, da müssen sich Bauchklang doch nicht gleich mit einem Song dafür entschuldigen („Sorry for delay“), denn lieber zwei gute Alben in der Diskographie als vier durchschnittliche. Zum Glück haben sie das aber gar nicht nötig!

Anspieltipps:

  • Paleo
  • Navigator
  • Every Day
  • Good You Do
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