Tic Tac Toe - Comeback - Cover
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Tic Tac Toe Comeback


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 55 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

1997 beendete eine legendäre Pressekonferenz die vielversprechende zweijährige Karriere der erfolgreichsten deutschen Mädchenband Tic Tac Toe. Fünf Millionen CDs ihrer beiden ersten Longplayer konnten die drei Ruhrgebietsmädels Liane Wiegelmann (Lee), Ricarda Wältken (Ricky) und Marlene Tackenberg (Jazzy) mit deutscher Rapmusik der frechen Sorte an ihre Fans verkaufen. Acht Jahre dauerte es, bis die drei Rapperinnen sich zu einer Reunion in Originalbesetzung entschlossen.

Treibende Kraft war seltsamerweise Kalle Schwensen, eine Hamburger Kiezgröße aus dem Rotlichtmilieu. Plattenfirmenriese Warner und RTL unterstützen das medienwirksame Projekt. Produziert und abgemischt haben die dreizehn Songs Tino Oac und Florian Sitzmann von den Söhnen Mannheims. Markus Born, aus dem Umfeld der Söhne Mannheims, komplettiert die professionelle Produzentenriege. Im Hintergrund singen die Metaphysics, die ebenfalls zu den erfolgreichen Söhnen dazugehören.

Was hat sich nun in acht Jahren geändert? Die Tracks sind in der erfolgreichen Tradition der Söhne Mannheims perfekt produziert. Der erste Song „Abgrund“ scheint Beweis für die gebetsmühlenartigen Verlautbarungen des „Tic Tac Toe“-Managements zu sein, dass DIE deutsche Girlieband der 90er jetzt erwachsen geworden ist. Ein sehr gesellschaftskritischer Text des Komponisten Oac wird von der Gruppe gut und mit Orchester im Hintergrund präsentiert. Auch der zweite Song hat einen guten Groove und der anfängliche Breitwandsound zieht sich auch hier durch. Nummer drei lässt erste Zweifel aufkommen, ob Tic Tac Toe doch nur noch Rap der Erwachsenenliga produzieren. Der selbstgeschriebene Text erinnert an die Aggro-Jungs Sido und Co., wobei es keine „unter die Gürtellinie“-Attacken gibt, sondern eher Selbstbeweihräucherung der langweiligen Art. Das klingt wirklich nicht gereift.

Die nun folgenden Stücke markieren den qualitativ schlechten Mittelteil des Werkes, der bis Song Nummer acht andauert. In diesem Teil wirkt das ganze aufgesetzt und unglaubwürdig, denn die Musik und die Texte zeigen starke Qualitätsunterschiede. Es wirkt eher kühl und nicht überzeugend, wenn die drei der lieben Oma einen „Brief“ schreiben und kurz danach über einen „One Night Stand“ rappen. Da scheinen sich die weitverbreiteten Vorurteile über die Band zu bestätigen, denn Bedeutungslosigkeit und Langeweile machen sich hier bemerkbar.

„Tanzkillah“ hat einen gewissen Witz, groovt wenigstens zeitweise und läutet den besseren Schluss der CD ein. Bis auf den deplacierten Partykracher und altbekannten Coverhit „Hit the Road Jack“, welcher wohl nur auf dem Album landete, um die bekannten Sangesqualitäten von Tino Oac zu beweisen, dürften die letzten drei Songs den Fan der Sprechgesangstrios überzeugen. Die erste Singleauskoppelung „Spiegel“ besitzt einen nachdenklich stimmenden und tragischen Text.Dieser Track ist zurecht erfolgreich. „Freunde fürs Leben“ klingt ein wenig nach Xavier Naidoo, weil trotz der Übersetzung in „Tic Tac Toe“-Sprache, vermutlich die persönlichen, religiös motivierten Gefühle beschrieben werden. „Keine Ahnung“ überzeugt durch einen eingängigen Refrain und hat den perfekten „Söhne Mannheims“- und Xavier-Naidoo-Sound – inklusive Backgroundchor – im Gepäck.

Wenn Tic Tac Toe den lächerlichen Medienschelte-Rap „Das ist Lee“ weglassen, werden sie trotz eines nur durchschnittlichen Longplayers sicher in Zukunft wieder den Fuß in die Erfolgstür bekommen, da sie zusammen mit einem guten Produzententeam ihre Daseinsberechtigung in der Kategorie „weiblicher Deutschrap“ auch durch die Unterstützung der gescholtenen Medien untermauert haben. Denn ohne diese legendäre Pressekonferenz, würde keiner mehr über Tic Tac Toe schreiben bzw. reden.

Anspieltipps:

  • Spiegel
  • Abgrund
  • Keine Ahnung
  • Freunde fürs Leben
  • Wenn der Vorhang fällt
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