Marah - If You Didn´t Laugh You´d Cry - Cover
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Marah If You Didn´t Laugh You´d Cry


  • Label: Munich/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Juli 2005 konnten Marah ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Genau in diesem Jahr bringt diese Band ein Album heraus, das trotz des beträchtlichen Alters der Gruppe nicht an Frische verliert, im Gegenteil: Marah schaffen es mit „If You Didn't Laugh You'd Cry“ zu einem Rock’n’Roll-Album, das verschiedene Emotionen aus dem Alltagsleben der Songschreiber aufzeigt.

In der Geschichte der Band gab es 14 verschieden Mitglieder, das erklärt auch die widersprüchlichen Attribute, mit denen Marah über die Jahre hinweg beschrieben wurden, denn für manchen Hörer klingen Marah mächtig, ur-rockig, arrogant und für andere sind sie die romantischen, schüchternen Musiker aus Philadelphia, die man unbedingt live gesehen und gehört haben muss. Marahs aktuelle Struktur setzt sich zusammen aus Dave und Serge Bielanko, die beide Gitarre spielen und den Bereich Gesang abdecken, Adam Garbinski, einem weiteren Gitarristen, Kirk Henderson am Bass und Dave Peterson an den Drums.

Dass die Herren aus Amerika kommen, hört man ihrer Musik deutlich an. Sie touren gern und oft und fühlen sich stark dem Alkohol hingezogen. Seit ihrem 1998er Debütalbum “Let's Cut The Crap And Hook Up Later On Tonight” hat sich viel getan. Marah haben viel Lob bekommen, auch von musikalischen Größen wie Bruce Springsteen, der sogar schon einmal auf einem früheren Album im Backround gesungen hat. Bei diesem Album nahmen die Jungs live im Studio auf, damit wollten sie ihre Qualitäten als gute Liveband endgültig beweisen – und das tun sie auch. Songs wie „Fat boy“, „Sooner or later“ oder auch „The closer“ wurden nur einmal eingespielt und genau so auf das Album genommen. „The closer“ ist auch der Opener ihres fünften Werks. Ganz harmlos beginnt es, bis eine Stimme aus dem Hintergrund einzählt und damit den Startschuss für eine trotzige Rocknummer gibt. Verfeinert wird „The closer“ durch ein Telefonat, bei dem es – wie sollte es anders sein? – um Frauen und Alkohol geht.

Fast ohne merkliche Pause setzt der Gesang für „The hustle“ ein, vom Stil her wie sein Vorgänger einzuordnen. Mit „City of dreams“ werden ruhigere Töne angestimmt und auch der Text wechselt von frech auf ehrlich und etwas melancholisch. Nach mehrmaligem Hören entwickelt sich dieses Lied zu einem Ohrwurm, der zum leisen Mitsingen animiert. Das raue und abgehackte „Fat boy“ bildet dazu dann eine große Wende und lässt alle vorher eventuell aufgekommene Traurigkeit verschwinden. Diesmal lassen Gitarren und klatschende Hände im Hintergrund den Hörer beschwingt mitwippen. „Sooner or later“ ist dann nicht mehr ganz so forsch. Wenn man die Augen schließt, betritt man einen Saloon aus vergangenen Zeiten, in denen Männer noch Männer waren. Man sieht Cowboys ihren Whiskey schlürfen, während Marah auf einer dreckigen kleinen Bühne von der rauen Welt erzählen („Don't expect much these days buddy, a couple beers and life is so funny“).

Was folgt ist die herrlich kitschig wirkende Ballade „So what if we're outta tune“ („'Cause ooohhh lover, I only sing for you”). Ruhig und fließend zeigt dieser Song die Qualität der beiden Songwriter, die damit eine makellose Brücke zwischen laut und leise geschaffen haben. Bei „The demon of white sadness“ versteckt sich ein melancholisch angehauchter Text hinter einer neutralen mit Tendenz zum Fröhlichen spielenden Melodie („I don't know what I feel inside, now I don't feel like I wanna feel“).

„The dishwasher's dream“ ist dann wieder eine typische Countryhymne und wieder geht es um eine Frau, diesmal konkret um eine Frau namens Monique. Spätestens bei „Poor people“ wünscht man sich dann wieder mal eine Abwechslung, denn die Musiker fallen in eine gewisse Monotonie. „Walt Whitman bridge“ bringt dann die gewünschte Abwechslung, eingeführt von einer Mundharmonika. Inhaltlich erfährt der Hörer von einer gescheiterten Liebe, die langsam in Vergessenheit gerät und das in der kalten Winterzeit.

„The apartment“ bildet das offizielle Ende des Albums, die Stimmung in diesem Lied ist traurig, fast verzweifelt („I wanna see you tonight but I'm just so far from home“). Doch die CD ist noch nicht zu Ende. Es ertönt die Anfangsmelodie vom Einstiegssong „The closer“. Nach ca. 20 Sekunden verstummt diese wieder und es folgt eine kurze Pause bis ein weiteres Lied einsetzt, zunächst ruhig, dann flotter und heiterer. In ihm wechseln ruhige Töne mit den Lauteren und so endet IIf You Didn't Laugh You'd Cry“ mit einem unbetitelten Song, der das Album abrundet und zum endgültigen Ende führt.

Das Booklet dieser CD ist von David Bielanko entworfen und bis ins kleinste Detail mit Bleistift und etwas Rot hier und da durchzeichnet. Die Texte finden sich neben, über und auf den Illustrationen und sind ebenfalls von Hand geschrieben. Sogar einzelne Worte wurden mit Zeichnungen verziert. In jedem Fall ist es ein echter Hingucker und drückt dem Album noch mehr seine persönliche Note auf.

Marah haben mit ihrem fünften Longplayer bewiesen, dass sie eine Band mit eigenem Stil und als Liveband qualitativ hochwertig sind. Jedoch könnte dieses Album für Nicht-CountryrRock-Fans schnell langweilig werden. Die Bielanko Brüder beweisen mit ihren Balladen ja, dass sie vielseitig sein können, davon wünscht man sich aber auch mehr zu hören. Insgesamt ist „If You Didn't Laugh You'd Cry“ ein gelungenes Album, das zur Vorbereitung einer Freitagabend-Party aufgelegt werden kann und so Stimmung auf mehr macht.

Anspieltipps:

  • The Closer
  • City Of Dreams
  • Sooner Or Later
  • So What If We're Outta Time
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