Soundtrack - The Chronicles Of Narnia - Cover
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Soundtrack The Chronicles Of Narnia


  • Label: Disney/EMI
  • Laufzeit: 71 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
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Aufmerksamen Cineasten ist es schon länger aufgefallen und spätestens seit der Ankündigung, dass Clive Staples Lewis Fantasyepos „Die Chroniken von Narnia“ dank der fortgeschrittenen Special-Effects-Schmieden (z.B. George Lucas „Industrial Light & Magic“ oder dem im Film verwendeten neuseeländischen WETA-Team) endlich verfilmbar sei, wird einem bewusst, dass ein Zeitpunkt erreicht ist, wo sich große Produktionen nur mehr auf bereits kommerziell erfolgreiche Buch-, Comic- oder Filmvorlagen stützen, statt eine komplett neue Geschichte in einem fiktivem Universum zu erfinden, dass einer Trilogie oder mehreren Fortsetzungen würdig wäre.

Nachdem der Boom der Comicverfilmungen mit teilweise grottenschlechten Umsetzungen hoffentlich bald ein Ende nimmt, sind nun mehrteilige Fantasyepen an der Reihe. Den Anfang machte John Ronald Reuel Tolkiens Meisterwerk „Der Herr der Ringe“, dem sich der bärtige Peter Jackson annahm und grundsätzlich alles richtig machte, angefangen von der Gesamtlänge als auch vom Handlungsverlauf und der Einführung und Entwicklung der einzelnen Charaktere. Zur gleichen Zeit setzte der Zauberlehrling Harry Potter der englischen Schriftstellerin Joanne Kathleen Rowling (früher Sozialhilfeempfängerin, heute mit Harry & Co. reicher als die Queen) als Gegenpol mit eher kindergerechter Unterhaltung zum Sprung in die Kinos dieser Welt (mit bis dato drei verschiedenen Regisseuren) an. Im Herbst diesen Jahres schwappte sogar die russische Science-Fiction-Trilogie „Nochnoy Dozor“ (Wächter der Nacht) zu uns herüber, die aber mehr verwirrte als verzauberte.

Nun ist das von der Weißen Hexe (Tilda Swinton) vereiste Land Narnia an der Reihe, das von den Geschwistern Peter (William Moseley), Susan (Anna Popplewell), Edmund (Skandar Keynes) und Lucy (Georgie Henley) von dieser befreit werden soll. Als Unterstützung gibt es allerlei sprechendes Getier, allen voran der Löwe Aslan, dem Liam Neeson seine Stimme leiht. Als kindergerecht mit einer Altersfreigabe von 6 Jahren getarnt, gibt es im ersten Teil der Chronik allerdings nicht die gewohnte Disney-Kost zu sehen, die man von anderen Filmen des Maus-Imperiums gewohnt ist. Eine Begleitperson bei jungen Besuchern sollte auf jeden Fall hinzugezogen werden, da versucht wurde dem blutigen und düsteren Stil eines Herr der Ringe etwas nachzueifern. Genauso bombastisch und ruhig zugleich wurde auch die Filmmusik von Harry Gregson-Williams (Königreich der Himmel, Shrek, Armageddon) am Vorbild des musikalischen Unterbaus von Howard Shore der Tolkien-Saga inszeniert. Gleich zu Beginn fegt mit „The Blitz, 1940“ eine orchestrale Dampfwalze durch die Boxen, die am ruhiger angelegten „Evacuating London“, das gegen Ende durch Enya-ähnlichen Gesang begleitet wird, aufläuft.

Bis zum einschließlich zehnten Stück „Knighting Peter“ zieht Gregson-Williams alle Register seines bisherigen Schaffens und beeindruckt durch eine gelungene Berg- und Talfahrt durch sanfte Klavier- und Streicherteppiche, rasante Perkussion, versetzt mit einigem elektronischem Beiwerk und beeindruckendem Dynamikwechsel, der sich der jeweiligen Szenerie auf der Leinwand anpasst. Wer zu Hause über eine Heimkinoanlage verfügt kann sich zumindest schon mal im Kopf vorstellen, wie die vier Kinder durch die schneeweißen Täler und Wälder gejagt werden. Bei den zwei längsten Stücken „The stone table“ und „The battle“, die hauptsächlich das letzte Drittel und somit das Finale des Films einleiten, sind dem ehrenwerten Filmmusikschreiber dann wohl die Noten ausgegangen und es wird kurzerhand die Musik zu „Gladiator“ von Hans Zimmer, „Planet der Affen“ von Danny Elfman (besonders auffällig, da das Hauptthema des Films nur leicht abgeändert erklingt) oder „The Rock“, den er selber komponiert hat, zitiert. Das ist insofern schade, weil die vorhergehenden Stücke noch kein auffällig herauskristallisiertes Thema enthalten haben, das man in Zukunft mit dem Film in Verbindung bringen könnte.

Ebenfalls auf der CD enthalten sind vier Titel, die eigens für den Film von unterschiedlichen Künstlern geschrieben und vorgetragen werden. Da wäre zum einen das schwebende und leichtfüßig arrangierte „Can´t take it in“ von Imogen Heap, das „Wunderkind“ von Alanis Morissette, die sich nach „Uninvited“ für den „City of angels“-Soundtrack wieder als solide aber nicht umwerfende Songschreiberin für einen Film erweist, das balladeske, von einer Klaviermelodie getragene „Winter light“ von Tim Finn und das als Bonustrack ausgewiesene, mit einer Länge von nicht ganz zwei Minuten, recht unauffällige „Where“ von Lisbeth Scott.

Unterm Strich wäre die Filmmusik zum ersten Teil zu „Die Chroniken von Narnia“ in Ordnung, würde nicht das Fehlen eines ausdrucksstarken Themas und ein Mangel an Eigenständigkeit, der durch Anleihen bei der eigenen Arbeit von Harry Gregson-Williams oder der anderer Komponisten entsteht, den Gesamteindruck trüben. Mit dem Auftreten von Morissette und Co. werden zusätzlich die Chancen auf den Oscar für die „Beste Filmmusik“ optimiert, womit ein bitterer Beigeschmack, angesichts dieses doch entbehrlichen Materials, zurückbleibt.

Anspieltipps:

  • Imogen Heap - Can´t Take It In
  • The Blitz, 1940
  • Knigting Peter
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