Silbermond - Verschwende Deine Zeit - Cover
Große Ansicht

Silbermond Verschwende Deine Zeit


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 55 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Was am Schluss übrig bleibt, ist die Gewissheit, dass Silbermond zu dem stehen was sie machen, auch wenn das Gehörte nicht unbedingt vor Wortwitz und Innovation sprüht.

Grandios! Da veröffentlichen Wir sind Helden im Sommer 2003 ihr Debüt „Die Reklamation“ und katapultieren sich binnen weniger Monate mit sowohl qualitativ als auch quantitativ hochwertigen Texten mit ausgefuchster musikalischer Begleitung an die Spitze der Charts und werden als die Hoffnung der deutschen Popmusik gefeiert und anstatt der Band um die charismatische Sängerin und Texterin Judith Holofernes ihre Originalität und Frische einzugestehen, tauchen kurze Zeit später (laut dem durchaus objektivem Promopressezettel) die neuen Helden auf, die sich natürlich ohne weiteres mit dem hoch gelobten Original messen können, wenn nicht sogar besser sind. Diese ganz und gar nicht als billige Kopie abzustempelnde Gruppe Silbermond, besteht nur aus reinem Zufall aus ebenfalls drei Burschen und einem Madl, die bürgerlich als Stefanie Kloß (Gesang), Johannes Stolle (Bass), Thomas Stolle (Gitarre) und Andreas Nowak (Schlagzeug) bekannt sind. Preise haben sie auch schon eine ganze Menge bekommen, wie z.B. den ersten Platz beim „Beat 2000“, bester „Music Act 2001“ oder den silbernen „Lucky Star 2003“. Wer da noch Zweifel hat! Als krönenden Abschluss muss noch der Plattenvertrag mit BMG erwähnt werden und die gar nicht so schweinisch gedachte erste Single „Mach´s dir selbst“, die ungeduldig auf das nun vorliegende Debüt „Verschwende deine Zeit“ warten ließ, angesichts der offensichtlich weit hergeholten Vorschusslorbeeren.

Bei einem Blick auf die Trackliste könnte einem allerdings etwas mulmig werden: „Du und Ich“, „An Dich“, „Ohne Dich“ – zeugt nicht gerade von umwerfender Intelligenz und tiefsinnigen Texten, aber wen interessieren schon Titel oder Inhalt? Schließlich sind die Vier dem Aussehen nach ganz ordentliche Punks mit Nietengürtel, lässig gebundener Krawatte und zerrissenen Jeans und als Punk kümmern einen solche Dinge eben nicht. Deswegen dürfen ihnen gelegentliche Kinderreime wie „1,2,3 jetzt sind nur noch wir zwei / 4,5,6 ey du hast mich verhext“ oder „Na, na, nanananana“ und „Heeeeyeah“-Passagen nicht angekreidet werden. Silbermond sind eben die schroffe, ungezügelte und „Wir tun was wir wollen“-Seite der Helden. Da mit Juli aber schon der nächste Anwärter auf den Posten wartet muss natürlich Gas gegeben werden und Stücke wie „Immer am Limit“ sind dafür einfach „Passend gemacht“, denn die „Wissen was wird aus dem Morgen / Wissen was wird aus dir und mir“ und die wissen auch das Herz-Schmerz-Balladen bei der potentiellen Zielgruppe gut ankommen, deswegen sind auch gleich ein ganzer Haufen auf „Verschwende deine Zeit“ enthalten. Doch abgesehen von diesem allzu konstruiert wirkenden Unterbau, hat die Sängerin einige Charismapunkte auf der Haben-Seite, denn Fräulein Kloß legt sich nicht nur mächtig ins Zeug und versucht alles zu geben, sondern es muss ihr auch ein gewisses Maß an Wiedererkennungswert zugesprochen werden und davon sind manche künstliche Plastikpüppchen wie Banaroo, Chipz und Konsorten weit entfernt. Die sonstige musikalische Darbietung pendelt zwischen passabel, durchschnittlich und Einheitsbrei.

Was am Schluss übrig bleibt, ist die Gewissheit, dass Silbermond zu dem stehen was sie machen, auch wenn das Gehörte nicht unbedingt vor Wortwitz und Innovation sprüht wie bei den Kollegen von Wir sind Helden. Bemüht ist in dem Fall wohl das richtige Wort, auch wenn Holofernes & Co. immer in einer anderen Liga spielen werden, aber sie haben schließlich nicht mit den Vergleichen angefangen. „Allen Freunden des unkontrollierten Kopierens sei gesagt, dass wir gern ein zweites Album machen würden!“ steht in Großbuchstaben im Booklet. Ja, wenn beim nächsten Mal die Texte etwas mehr Tiefgang bekommen und sich die Burschen an ihrer Frontfrau ein Beispiel nehmen, dann habt ihr meinen Segen!

Anspieltipps:

  • Immer am Limit
  • Durch die Nacht
  • Mach´s dir selbst
  • A Stückl heile Welt
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
7.5/10

Colors
  • 2017    
Diskutiere über „Silbermond“
comments powered by Disqus