Trans-Siberian Orchestra - Christmas Eve And Other Stories And The Christmas Attic - Cover
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Trans-Siberian Orchestra Christmas Eve And Other Stories And The Christmas Attic


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 137 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wem es nach innovativer Weihnachtsmusik abseits ausgelatschter Pfade, gesäumt vom „Oh Tannenbaum“, verlangt, wäre gut beraten, sich von diesem Doppelalbum verzaubern zu lassen.

Besinnlichkeit erhält in diesen Tagen wieder Einzug in deutsche Wohnzimmer. Während der Schnee im Freien leise vor sich hin flockt und in der beheizten Stube die Geschenke unterm funkelnden Christbaum verteilt werden, herrscht für kurze Zeit Wärme, Freude und Harmonie in dieser sozialkalten Querulanten-Gesellschaft, bevor spätestens mit der letzten verpufften Silvesterrakete im neuen Jahr Merkel-Deutschland wieder die unerbittliche Realität in Beschlag nimmt. Aber verschwenden wir in Zeiten des Weihnachtsrausches an solche unromantischen Zustände keine Gedanken, sondern rufen uns wiederholt das Bild fröhlicher Kinder, die, mit den hoffentlich den Erwartungen entsprechenden Geschenken in der Hand, in die zufriedenen Gesichter ihrer stolzen Eltern schauen, ins Gedächtnis.

In traditionsbewussten Familienhäusern ist es üblich, dass dieses Advents- und Weihnachtszeremoniell durch ansprechende Beschallung untermalt wird. Der familieninterne DJ könnte jetzt zu den bewährten Klängen von „Jingle Bells“ über „Oh Tannenbaum“ bis zu dem unvermeidlichen „Last Christmas“ greifen. Er könnte die Tradition aber auch durchbrechen und mit dieser Doppel-CD neue Wege beschreiten, um die lethargische Stimmung, die die gewohnte Musik hervorruft, ein wenig aufzulockern.

Das Trans-Siberian Orchestra war ursprünglich ein Nebenprojekt der Prog-Metal-Band Savatage, ist dieser in Sachen Popularität aber inzwischen um Einiges voraus. Datieren kann man den Entstehungszeitpunkt auf das Jahr 1995, als Savatage mit „Dead Winter Dead“ ihr zehntes offizielles Studioalbum veröffentlichten, auf dem mit „Christmas eve“ ein überaus erfolgreicher Track vertreten war, der bereits die Merkmale der Musik des späteren Orchesters aufwies. Den Faden von „Dead Winter Dead“ nahm man folglich auf, tat sich mit Produzent Paul O’Neill (Aerosmith, AC/DC) und Tastenvirtuose Robert Kinkel, der eine klassische Komponistenausbildung genoss, zusammen, und veröffentlichte 1996 mit „Christmas Eve And Other Stories“ ein ausgesprochen erfolgreiches Debütalbum, das in den USA einschlug wie eine Bombe.

Die nicht minder erfolgreiche Fortsetzung „The Christmas Attic“ (1998) setzte die eingeschlagene Richtung konsequent fort und bescherte der Band landesweit eine ungekannte Berühmtheit, wodurch das Engagement bei Savatage zunehmend in den Hintergrund rückte, da sich die Mannen um Jon Oliva primär auf ihre Musicalarbeit stürzen wollten. Eine DVD („The Ghost Of Christmas Eve“, 2001) und die zweite Fortsetzung „Lost Christmas Eve“ (2004), die hierzulande vorerst nur als Importversion erhältlich ist, sowie das Komplettpaket „Christmas Trilogy“ (2004), bestehend aus allein drei Weihnachtsteilen inklusive einer DVD, folgten auf den Fuß. Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem der dritte Streich, der allerdings ausnahmsweise nichts mit Weihnachten zu tun hat, sondern sich ganz auf die tragische Person Ludwig van Beethovens konzentriert. „Beethoven’s Last Night“ (2000) sollten Leute, die ein Faible für wagnerische Musik mit Rockzutaten haben, ebenfalls ihrer Sammlung hinzufügen.

Die Rockanteile halten sich beim vorliegenden Bundle aus „Christmas Eve And Other Stories“ und „The Christmas Attic“ übrigens angenehm zurück. Zwar sorgt der Musicalcharakter für einige pompöse Momente, aber insgesamt bleibt die Musik weihnachtlich besinnlich, so dass Oma und Opa nicht vor Schreck vom Stuhl fallen müssen. Insbesondere dann, wenn Robert Kinkel die Tasten streichelt, werden sich Hörer aller Altersgruppen der Magie dieser Töne nur noch schwer entziehen können, zumal der Wiedererkennungswert aufgrund altbekannter, aber neu akzentuierter, Melodien renommierter Komponisten enorm hoch ist, und genügen Abwechslung in Form von Gospel- und Blueseinlagen ohne Weiteres gegeben ist.

Wem es nach innovativer Weihnachtsmusik abseits ausgelatschter Pfade, gesäumt vom „Oh Tannenbaum“, verlangt, wäre gut beraten, sich von diesem Doppelalbum verzaubern zu lassen. Denn mit dem Trans-Siberian Orchestra gerät die Bescherung glatt zur Nebensache!

Anspieltipps:

  • An angel came down
  • The prince of peace
  • Good king joy
  • An angel returned
  • Midnight christmas eve
  • The three kings and I (what really happened)
  • Music box blues
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