Fuzzman - Fuzzman - Cover
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Fuzzman Fuzzman


  • Label: Wohnzimmer Records/SonyBMG
  • Laufzeit: 59 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit der Klagenfurter Band Naked Lunch war er kurz davor richtig groß rauszukommen. Das Schicksal wollte es jedoch anders und so präsentiert Fuzzman alias Herwig Zamernik als Einzelgänger statt Bassspieler sein erstes Soloalbum, bevor es endgültig verstaubt, denn laut eigenen Angaben ist es schon eine ganze Weile fertig. Nachdem er zusammen mit den Kollegen seiner Stammband zuletzt Mitte 2004 ein neues Werk mit dem treffenden Titel „Songs for the exhausted“ präsentierte, war es still geworden. Konzerte werden zwar vereinzelt in Deutschland und Österreich gegeben, aber die Zeiten eines „Superstardom“ (1997) sind vorbei. Nach Vertragskündigung und damit verbundener jahrelanger Labelsuche machte sich eine gewisse Frustration breit, die meisten Bandmitglieder waren erschöpft. In diesen dunklen, unbeständigen Tagen scheint die vorliegende Platte entstanden zu sein.

Zurückhaltender Gesang und reduzierte Instrumentalisierung zeugen von Ernüchterung und Depression. Hätte sich Fuzzman entschieden den Silberling vor 5 Monaten unter die Leute zu bringen, es wäre definitiv der falsche Zeitpunkt gewesen. Von dieser Seite aus war alles gut durchdacht, nur der richtige Moment für eine Veröffentlichung macht noch kein gutes Album, wie anhand dieses Beispiels verdeutlicht werden kann. Über die gesamte Länge der CD geht Zamernik ausgesprochen spärlich mit Melodien in den einzelnen Stücken um und der Verdacht drängt sich auf, es mit einem unfertigen Album zu tun zu haben. Angesichts von 18 Songs, von denen zwei unter einer Minute halt machen („Singing fuzzy“, „Even if“), einer Gesamtspieldauer von knapp einer Stunde und keinerlei Veröffentlichungsstress muss es sich wohl um etwas anderes handeln.

Oder ist das womöglich der Grund wieso das selbstbetitelte Debüt lieber eingesperrt bleiben sollte, als es an die Öffentlichkeit zu bringen, weil Zamernik es einfach nicht für wert befunden hat manche Tracks zu überarbeiten? In ihrer jetzigen, ausgefransten Form werden sie nämlich eher auf Kopfschütteln als auf Begeisterung stoßen, denn selbst wenn Fuzzman in einigen glorreichen Momenten mehrere Klänge und Melodien übereinander legt und zu einem feinen Webteppich aus verschiedenster Eindrücke werden lässt, dann retten diese seltenen Momente die fragmentarisch angelegten restlichen Stücke nicht und selbst mit einem rockigen Song wie „No need“ wird höchstens der Massentauglichkeit gehuldigt.

Der Gesamteindruck der Platte lässt nur den Schluss zu, dass manche Dinge besser hinter Schloss und Riegel bleiben sollten, als auf gut Glück auf CD gepresst zu werden, wenn eine Überarbeitung von selbst angezweifeltem Material nicht in Frage kommt. Falls es einen tieferen Sinn der Collage, die das Booklet ziert, gibt oder sie einfach nur als Belustigung für den Hörer dienen soll, kann an dieser Stelle nicht begründet werden. Eine Vermutung lässt sich allerdings abgeben: Setzt man die Fotoschnipsel und die erklingende Musik in Bezug zueinander, handelt es sich um das Produkt eines Freigeistes, dessen Werk möglicherweise nur für Freigeister konzipiert wurde.

Anspieltipps:

  • Morningshow
  • U-Turn
  • Wrong
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