Blumfeld - Verbotene Früchte - Cover
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Blumfeld Verbotene Früchte


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 63 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Jahr 1990 gegründet, dauert es nicht lange bis die Hamburger Band um Cheflyriker Jochen Distelmeyer nach dem viel beachteten Erstling „Ich-Maschine“ (1992) mit der Indie-Größe Pavement auf Tour geht und dort ihr heute noch als Referenz dienendes Werk „L´Etat Et Moi“ (1994) mit einer bissigen Mischung aus Punk sowie leiseren Tönen und unterschwellig anklagenden Texten präsentieren. Ganze fünf Jahre vergehen, in denen der Punkgedanke im Sound der nach einem Franz Kafka-Roman benannten Band zurückgedrängt wird und Romantik die Oberhand gewinnt. „Old Nobody“ wird der Langspieler genannt, welcher mit der Single „Tausend Tränen Tief“ zum ersten Mal eine größere Masse anspricht und die Fangemeinde spaltet.

Die beiden letzten Alben „Testament Der Angst“ und „Jenseits Von Jedem“ gehen den eingeschlagenen, sanft schwelgenden Weg weiter, ohne bis auf wenige Ausnahmen in den Songs nachhaltig im Gehör zu verweilen. Zu unprätentiös und glatt ist es vor allem die Enttäuschung, welche sich in den Köpfen festsetzt. Nach dem Weggang von Michael Mühlhaus ist es nun an der Zeit, das schwache Vorgängeralbum in der Besetzung aus Jochen Distelmeyer (Gesang, Gitarre), Andre Rattay (Schlagzeug), Vredeber Albrecht (Tasteninstrumente) und Lars Precht (Bass) mit dem zur Interpretation freigegebenen Titel „Verbotene Früchte“ auszugleichen und positive Überraschungen zu offerieren.

Überraschungen gibt es keine, denn Blumfeld machen, ergänzt um die Gäste Frank Wulff (Sitar), Iris Kramer (Flügelhorn) sowie Leoni Wulff und Peta Devlin (Chor) dort weiter, wo sie mit „Jenseits Von Jedem“ aufgehört haben: Folkiger, gutmütiger Pop mit lyrischen Eigenarten. Doch sind neben der wohlbekannten Stilsicherheit auch echte Hinhörer vertreten, die sich schnell in den Ohren festsaugen und musikalisch sowie textlich herausragend sind. Jochen Distelmeyers Stimme ist gefestigt und wagt sich in theatralische Gefilde, die gar den Entertainer in ihm herauskitzeln.

„Der Sich Dachte“ verliert trotz einer Dauer von mehr als acht Minuten nie die Dynamik aus den Augen und erinnert in seiner wortgewandten Endlos-Poesie beispielsweise an „Der Wind“ vom „Testament Der Angst“-Longplayer, während „Ich Fliege Mit Raben“ zum Endorphin fördernden Musizieren einlädt und Arrangements voller Ideenreichtum den Blues in poppige Gefilde lenken. Über eine Stunde zeigen Blumfeld, wie man Durchschnittlichkeit umschifft, ohne verkopft im Rechenzentrum für schwer zugängliche Denkermusik zu landen. Beginnend mit „Heiß Die Segel!“, an dem auch durch die Sitar beeindruckenden „Schmetterlings Gang“ vorbei und von der unnachgiebig eingängigen Single „Tics“ aufgelockert ist es ein starker Mittelteil, der ein solides Album in Richtung lang anhaltendes Vergnügen bugsiert.

Anspieltipps:

  • Heiß Die Segel!
  • Schmetterlings Gang
  • Tics
  • Der Sich Dachte
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