Rosenstolz - Das Große Leben - Cover
Große Ansicht

Rosenstolz Das Große Leben


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 72 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn die richtigen Singles ausgekoppelt werden, dürfte dem kommerziellen Erfolg nichts im Wege stehen.

15 Jahre und acht Alben gibt es das Berliner Duo AnNA R. (Rosenbaum) und Peter Plate alias Rosenstolz schon. 2005 nahmen sie nach dem Doppelplatinerfolg ihrer letzten CD „Herz“ und dem enormen Medieninteresse eine Auszeit.

Die Musik von Rosenstolz zu kategorisieren ist kompliziert: sie können Gefühle hervorragend mit ihren deutschen Texten ausdrücken und mit den Zutaten der heutigen Popmusik untermalen. Bei diesem Longplayer legten die Produzenten Peter Plate, Plates Lebensgefährte Ulf Leo Sommer und Daniel Faust, die auch schon für 2Raumwohnung arbeiteten, Wert auf die akustisch-klassische Instrumentierung, sprich Piano, Schlagzeug, Gitarre, Streicher und Keyboards. Es passte auch wunderbar zu den bekannten Themen wie Liebe, Verlust und Selbstzweifel, die kaum eine deutschsprachige Band so gut vertont. Sängerin AnNa R. stand bei elf von den insgesamt zwölf Songs am Mikro. Ihre Stimme glänzte bisher durch Ausdrucksstärke mit hohem Wiedererkennungswert. Eindringlich und gefühlvoll legte sie ihr Können in die Waagschale, wobei die Berlinerin auch an den Texten und der Komposition mitfeilte.

Die erste Single „Ich bin ich“ hat eine sehr hohe Erwartung auf das erste Album nach dem kommerziellen Durchbruch geschürt. Denn mit fast rockiger Tonart zeigen Rosenstolz ihre bekannten Stärke, die richtigen Worte und die passende Musik zu kombinieren. Die ersten vier Tracks der CD halten diesen hohen Qualitätsstandard des Popduos. Vor allem „Anders als geplant“ besticht durch eine mitreißende Komposition, denn immer mehr Instrumente setzen ein und steigern den Song zu einer wahren Popperle. Aber nun folgt mit „Ein Wunder für mich“ die einzige gesangliche Darbietung von Peter Plate. Von Gesang zu sprechen, würde alle Sänger beleidigen, daher sollte man den Mantel des Schweigens über diese textliche wie musikalische Untat des sonst so guten Komponisten legen.

Der Mittelteil begeistert leider dann nicht mehr so sehr. Wenig Abwechselung und teilweise auch sehr bemühte, fast unverständliche Lyrik zeigen echte Schwächen im Songwriting, die man so von Rosenstolz nicht kennt. Es plätschert viel zu ruhig vor sich hin und es bleibt nichts – anders als beim sehr guten Beginn des Longplayers – im Gedächtnis haften. Das mit orchestralen Sound veredelte „Etwas zerstört“ ist noch mal ein kleiner Lichtblick, aber es ändert nichts an der Enttäuschung, die bei der Bewertung des Werkes überwiegt. Auch die Sängerin Anna knüpft leider nur zeitweise an ihre bekannte Gesangskunst an und hört sich in einigen Stücken eher weinerlich statt eindringlich und gefühlvoll an.

Dennoch: Wenn die richtigen Singles ausgekoppelt werden, dürfte dem kommerziellen Erfolg nichts im Wege stehen, denn Rosenstolz können es, nur haben sie vielleicht zuviel Herzschmerz hineingelegt. So paradox das klingt, aber sie sollten ihr zweifellos vorhandenes Potenzial nicht durch Durchschnittssongs abwerten.

Anspieltipps:

  • Nichts von alledem
  • Ich bin Ich
  • Anders als geplant
  • Ich geh in Flammen auf
  • Etwas zerstört
Neue Kritiken im Genre „Pop“
7.5/10

In Winter (Special Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Rosenstolz“
comments powered by Disqus