Diverse - Aggro Ansage Nr. 5 - Cover
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Diverse Aggro Ansage Nr. 5


  • Label: Aggro Berlin/GROOVE ATTACK
  • Laufzeit: 69 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sind wir nicht alle ein bisschen Aggro? Na ja, zumindest muss man zugeben, dass in diesem Jahr kein Weg um das Berliner Independentlabel herum führte. Aggro Berlin wohin das Auge blickte und wohin das Ohr hörte. Egal ob Fler mit seinem Debütalbum „Neue Deutsche Welle“ samt zum Teil fragwürdigen Promotionaktionen die Medienmeute auf sich zog, Sido und Harris als „Deine Lieblingsrapper“ das Land unsicher machten oder fast alle Veröffentlichungen des Labels auf dem Index landeten: Fest steht, Aggro Berlin regiert zur Zeit die Deutsche HipHop- und Medienlandschaft. Nun steht mit dem Labelsampler „Aggro Ansage Nr. 5“ das nächste Album der Hauptstädter in den Läden.

Für mich persönlich ist dieser Sampler der erste dieser Reihe, der in meinem CD-Player rotiert. Allerdings klangen dagegen sowohl „Maske“ von Sido als auch „Dein Lieblingsalbum“ von Deine Lieblingsrapper in diesem Jahr schon des Öfteren aus meinen Boxen. Zwei Alben, die mir durchaus gefielen. Also dann, ran ans Werk und erst mal einen Blick auf das Cover geworfen. Fünf mehr oder weniger bekannte Herren mit Schlingen um den Hals schauen einem da entgegen. Auf diese Provokation dürfte sicherlich der ein oder andere wieder anspringen. Ich dagegen lege lieber erst mal die CD in den Player. Mit den ersten Tönen wird zeitgleich der beigelegte Pressetext studiert.

Auf „Aggro Ansage Nr. 5“ stehen diesmal B-Tight, Tony D und G-Hot im Mittelpunkt des Geschehens. Ersterer veröffentlichte bereits 2002 sein Soloalbum „Der Neger (In Mir)“ und bildet zusammen mit Sido das Duo „A.i.d.S“ (Alles ist die Sekte). Tony D haute erst im August dieses Jahres zusammen mit B-Tight das Album „Heisse Ware“ auf den Markt. Den Dritten im Bunde, G-Hot, dürften die meisten wohl aus DJ Tomekks „Jump, Jump“ oder Flers „Nach Eigenen Regeln“ kennen. Neben diesen drei Aggro-MCs, finden sich jedoch auch die beiden Berliner Zugpferde auf dem Sampler wieder. „Fler kommt von der linken Flanke mit der Neuen Deutschen Welle, Sido kommt von hinten mit dem Arschfick!“, schreibt dazu passender Weise die Presseabteilung des Labels.

Auch in punkto Gast-MCs braucht sich die „Aggro Ansage Nr. 5“ nicht zu verstecken. Neben Frauenarzt und MC Bogy von Berlin Crime, geben sich auch Harris, Shizoe, Alpa Gun, Die Sekte und Bass Sultan Hengzt auf dem Silberling das Mic in die Hand. An den Beats bastelten neben den Beathoavenz und DJ Desue diesmal Tai Jason, Paul NZA & Kilian sowie DJ Pete. Das Line-Up könnte also besser nicht sein. Neben der klassischen Version mit insgesamt 17 Tracks, gibt es erstmals auch eine „Premium Edition“ mit ganzen 26 Songs, 11 Bonustracks, 2 Videoclips und einer Demoversion des PC-Spiels „Fast Lane Carnage“.

Thematisch widmet sich der Labelsampler vor allem den Anschuldigungen und Anklagen der Medien und Politik. Die Berliner Rapper wehren sich gegen das Verbot ihrer Musik und der Beschuldigung, dass sie durch ihre Texte für gesellschaftliche Missstände verantwortlich sind. In der Tat ist das nicht verwunderlich, wurde doch 2005 auf nichts so eingeprügelt, wie auf die Berliner Rapszene. Egal ob Aggro Berlin, Ex-Schützling Bushido oder die anderen Underground-MCs: auf dem Index war immer genug Platz für den HipHop aus der Hauptstadt.

Wohl auch aus diesem Grund, wurde die „Aggro Ansage Nr. 5“ mit einem dicken „Verbraucher Hinweis“ versehen, der vor den harten Texten warnt. Zudem wird erklärt, dass man mit Spot, Hohn, Verzerrung sowie Überspitzung und der damit verbundenen Provokation gesellschaftliche Missstände thematisieren will. „Die Künstler gebrauchen hierfür die Umgangssprache des Umfelds aus dem sie stammen.“ Da fallen mir dann passender Weise auch die Textzeilen aus dem Song „Gangsta Rap“ von Curse wieder ein: „Ich hab nichts gegen Gangsta Rap / ich hab nichts gegen Gangster die rappen / im Gegenteil, man, ich lieb den Scheiß / doch zu viele von den Jungs glorifizieren den Scheiß!“

Es sollte halt alles nicht so heiß gegessen werden, wie man es kocht. Wenn man dies berücksichtigt, ist dem Ganzen durchaus auch etwas Positives abzugewinnen – auch dann, wenn man nicht aus dem tiefsten Ghetto kommt. Das jedoch bei weitem nicht alles glänzt ist verständlich, und so finden sich auch auf der „Aggro Ansage Nr. 5“ Tracks wieder, die nicht hätten sein müssen. Im Gegenzug dazu gibt es aber auch einige wirklich gelungene Stücke zur Wiedergutmachung. Vor allem sind dabei die Stücke „Keine Angst“ von A.i.d.S. und „Das Ist Krieg“ von Die Sekte zu nennen. Mit Fler werde ich mich hingegen in diesem Leben wohl nicht mehr anfreunden können. Weder die Texte noch die Art der Präsentation stoßen bei mir auf Gefallen. Der Song „Bad Boy“ macht dies mal wieder verdammt deutlich – sei’s drum. Auch Tony D (der sich in irgendeiner Weise anhört, wie Kermit der Frosch) und G-Hot gehören eher zu den schwächeren MCs auf der Platte. Allzweckwaffe Sido dagegen, macht seinen Job wie immer souverän und auch seine bessere Hälfte B-Tight kann sich hören lassen. Frauenarzt und Bass Sultan Hengzt überzeugen ebenfalls durch gewohnte Qualität. Ein kleiner Geheimtipp sind zudem die Skits von Fadi – sehr amüsant!

Letztendlich ist die „Aggro Ansage Nr. 5“ ein durchaus gelungener Labelsampler für alle Fans der Berliner sowie für Leute, die nicht alles auf die Goldwaage legen und auch über deftigeres schmunzeln können. All diejenigen, die noch nie etwas mit dem Berliner Label anfangen konnten, werden auch durch die fünfte „Aggro Ansage“ nicht bekehrt. Spannend bleibt hingegen, wie die Politik und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den neuen Silberling reagiert. Reichlich Giftpfeile in deren Richtung gibt es auf der Platte ja durchaus. „Ich denke, jeder von denen braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Die machen halt jetzt ihre Erfahrungen mit Aussagen und Texten, und in ein paar Jahren wandelt sich das wieder. Dann werden die vielleicht politisch und gesellschaftskritisch“, sagte Xavier Naidoo erst kürzlich in einem Interview mit dem Spiegel über die Jungs aus Berlin. Ob Monika Griefahn und ihre Polit-Possie das Ganze genauso sieht, bleibt abzuwarten. Dem Erfolg wird es so oder so keinen Abbruch tun.

Anspieltipps:

  • Keine Angst
  • Das Ist Krieg
  • Ein Schritt Voraus
  • Tony Damager
  • Aggro Berlin Zeit
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