Maritime - We, The Vehicles - Cover
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Maritime We, The Vehicles


  • Label: Grand Hotel Van Cleef
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Maritime dürfen weitermachen wie geplant. Wem es nicht gefällt, kann ja weghören.

Ein kurzes Intro, das von einer TV-Serie aufgenommen sein könnte, unterbrochen durch den Duktus einer Melodie, gespielt von Gitarre und Schlagzeug, begleitet von den Zeilen „Ballads laugh at everyone / Worse than silence is their song / And you are too far away too love / Shortened by the blasphemy / When the sun would warm the sea / The Canary Islands are chasing me / We are powerful despite our injuries“ einer allzu bekannten Stimme und es fühlt sich an, als wäre „Glass Floor“ erst letzten Monat veröffentlicht worden, so nahtlos reiht sich der Opener „Calm“ von „We, The Vehicles“, nach nur einem Song in das Gesamtbild ein.

Der Vorgänger hatte einiges an poppigen und verträumten Melodien zu bieten und das bunt gestaltete Cover des Nachfolgers lässt auf eine ähnliche Dichte an bezaubernden Klängen schließen. Die einzig schlechte Nachricht ist: Die Herrschaften Davey von Bohlen (Gesang, Gitarre), Dan Didier (Schlagzeug) und Eric Axelson (Bass), die sich nach dem Split der Bands „The Promise Ring“ und „Dismemberment Plan“ gefunden haben, bieten keine besondere Weiterentwicklung, sondern verharren in ihrem, man muss schon fast sagen, eigenen Klanguniversum und betrachten dort weiterhin die Sterne als Basis für den weiteren kreativen Songwritingprozess.

Das klingt anfangs hart, hat aber durchaus seine Berechtigung. Maritime klingen wie eine Band, die genau weiß, was sie will und weiß, wie sie ihr Ziel erreicht. Wenn es sein muss, dann auch mit dem nötigen Nachdruck, der in einem hohen Wiedererkennungs- und Eigenständigkeitswert resultiert. Dadurch wird beim Hörer sofort eine wohlige Wärme erzeugt, wenn Davey von Bohlen, die sich hauptsächlich reimenden Textzeilen mit einer derart herzlichen Kaltschnäuzigkeit von sich gibt, als wären sie zusammenhanglose Wortketten. Dazu noch die mosaikartig herausgearbeiteten und punktgenau ins Szene gesetzten Details des Gitarren- und Schlagzeugspiels, die die jeweiligen Songs durchlaufen und zusammengefügt zu kleinen Perlen werden lassen.

Selbst wenn Sänger von Bohlen meint, „das Problem bei unserem ersten Album war, dass es eigentlich gar kein Album war. Die Songs begannen alle beim gleichen emotionalen Ausgangspunkt, drifteten dann aber in verschiedenste Richtungen auseinander. Bei der neuen Platte haben wir versucht, genau das Gegenteil zu machen“, so ist eine Beständigkeit im bisherigen Schaffen nicht von der Hand zu weisen und genau das ist, so komisch es auch klingen mag, bei dieser Band genau richtig. Sicherlich würde etwas Mut zur Veränderung die Songs der drei Herrschaften möglicherweise auf ein anderes großartiges Hörerlebnis hieven und andere Anhänger und Bewunderer finden.

Da kleine Meisterwerke wie „Parade of the Punk Rock T-shirts“, „Don´t say you don´t“, „German engineering“ oder „Twins“ dann aber schmerzlich vermisst werden würden und ein allzu herber Stilbruch, der mit abwandernder Fangemeinschaft ohne nennenswerten Zuwachs nach einem solchen Stilwechsel, schon so manche Band zur Auflösung getrieben hat, belassen wir es lieber beim gewohnten Material, das trotz oder gerade wegen des Fast-Stillstands locker und unverkrampft aus den Boxen kommt. Schließlich wollen wir später nichts bereuen und genau aus diesem Grund dürfen Maritime weitermachen wie geplant. Wem es nicht gefällt, kann ja weghören.

Anspieltipps:

  • Parade Of Punk Rock T-Shirts
  • German Engineering
  • People, The Vehicles
  • Don´t Say You Don´t
  • Twins
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