Prince - 3121 - Cover
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Prince 3121


  • Label: NPG Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit seinem erbitterten Streit mit Warner Bros. sind Plattenfirmen ein rotes Tuch für Prince Rogers Nelson. Dennoch feierte das kleine Genie aus Minneapolis vor zwei Jahren sein Major-Comeback bei Columbia Records (Sony Music), mit dem phasenweise sehr gelungenen Album „Musicology“. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war, dass er die Rechte an den Songs behalten durfte und nicht wie sonst üblich für viele Jahre an die Plattenfirma abtreten musste. Zudem konnte der Major für eine weltweite Vermarktung der CD garantieren, was dem kleinen Prinzen im Eigenvertrieb auf Konzerten und über seinen Internet-Shop nur sehr mühevoll gelungen war.

Für die Vermarktung seines neuen Albums „3121“ (der kryptische Titel bezieht sich angeblich auf eine Hausnummer, die Prince im Vorbeifahren erspähte und toll fand) ist auch wieder ein Major-Label zuständig. Diesmal hat sich der 47-Jährige für Universal Records entschieden, die sich genauso enthusiastisch wie Sony Music vor zwei Jahren auf die Promotion der CD stürzen. So wurden bereits im Februar 2006 ausgesuchte Pressevertreter auf das Prince-Anwesen in den Bergen von Los Angeles zu einer äußerst skurrilen „Listening Party” eingeladen, wo der Meister selbst sein ca. 30. Album (inkl. aller Nebenprojekte) vorstellte.

Noch immer ist ein neues Prince-Album ein Medienereignis erster Güte, auch wenn der Gute Herr Nelson in den letzten zehn Jahren jede Menge belangloses Zeug auf den Markt geschmissen hat. Denn zwischen all den uninspirierten bzw. überambitionierten Momenten und der überholt wirkenden Selbstdarstellung als Sexgott und Musikgenie, versteckten sich immer wieder zauberhafte Perlen jenseits des Mainstreams. Nichtsdestotrotz war die Musikwelt etwas verwirrt, als zehn Tage vor Weihnachten 2005 der Song „Te amo corazón“ als Vorbote des Albums veröffentlicht wurde. Die Ballade (auf „3121“ an dritter Stelle angeordnet) klingt dermaßen dünn und unbeseelt, dass man sich schlagartig an Prince’ orientierungslose Phase Mitte der 90er Jahre erinnert fühlt.

Prince geht mit „3121“ einen Schritt zurück und taucht soundmäßig ganz tief in die Achtziger ein. Stilistisch streift er dabei sein eigenes Schaffen, lässt die E-Gitarren aber meistens außen vor und verlagert die Songs dafür mehr in Richtung Funk und R&B. Aber so richtig doll ist das Ganze nicht. Prince bemüht sich zwar um musikalischen Biss und amtlich groovende Bässe, aber die Genialität eines (beispielsweise) „Diamonds And Pearls“-Albums (1991) geht den Stücken größtenteils ab. So gesellen sich zu langweiligen Klischee-Texten ein paar schwachbrüstige Synthieklänge („Lolita“), altbackene Funk-Groover („Black sweat“) und ein schwülstiges Duett mit Prince’ neuer Lieblingssängerin Támar, die im Mai 2006 ihr neues Album veröffentlicht („Incense and candles“). Das Tanzbein wird auf diese Weise nur selten in Aufruhr versetzt. Und wenn Stücke wie „Love“ auch noch auf dasselbe Sample wie DJ Tomekk (!!) zurückgreifen, wird es ganz bitter. Dabei zählt das Stück noch zu den besseren auf „3121“.

Die gelungensten Lieder hören auf die Namen „Satisfied“ (ein treibender Gitarren-Groover), „Fury“ (ein mit betörenden Bläserriffs befeuerter Midtempotrack), „3121“ (ein abgefahren futuristischer Dancefloorfiller) und der sechsminütige Rausschmeißer „Get on the boat“, in dem alle Register des Funk gezogen werden. Insgesamt kann „3121“ aber nicht überzeugen. Technisch ist Meister Prince zwar absolut unangreifbar, aber wenn das Album eines Genies mit nur vier bis fünf starken Songs, aber ohne einen echten Höhepunkt auskommen soll, ist das eine schwache Leistung! Stünde nicht der Name Prince auf der CD – kein Mensch würde ein großes Aufheben um das Album machen.

Anspieltipps:

  • Love
  • Fury
  • The word
  • Get on the boat
  • Beautiful, loved and blessed
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