Raptile - Mozez: The Black Edition - Cover
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Raptile Mozez: The Black Edition


  • Label: Subword/SonyBMG
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Fan rennt natürlich sofort in den Laden, wenn eine neue CD seines Lieblingskünstlers erscheint. Er weiß: Mit den Abverkäufen in den ersten Wochen nach der Veröffentlichung hilft er persönlich mit, das Album hoch in die Charts zu puschen. Doch um die Chartplatzierung zu stützen, erscheint nur wenige Monate später eine Neuauflage besagten Albums, die natürlich mit jeder Menge Bonusmaterial wuchert. Der Fan ist sauer und guckt „zur Belohnung“ in die Röhre – es sei denn, er kauft sich die gleiche CD noch mal. Ein böses Spiel, das sich quer durch alle Genres zieht und auch von Raptiles Plattenfirma angewendet wird.

Raptiles Karriere begann so richtig im Sommer letzten Jahres mit dem Top-10-Album „Classic Material“. Mit der Single „Make ya’ll bounce“ (Feat. Xzibit) belagerte er für ein Vierteljahr die Top 40 der Media Control Charts. Quasi über Nacht ging der Stern eines neuen Rapstars aus Deutschland auf und die Konkurrenz staunte nicht schlecht, als sie die Gästeliste seines Debütalbums sah: Xzibit, Redman, Rah Digga, Looptroop’s Promoe, Wordsworth, Young Zee, Necro und Reggae-Superstar Wayne Wonder zählten zu den Kollaborateuren des Rappers aus München.

Für sein Album „Mozez“ verschanzte sich Raptile für einige Zeit in Florida, wo er den Tracks den letzten Schliff verpasste. Neben Raptile selbst produzierten der New Yorker Mercury aka X (Megahertz), der schon P. Diddy’s „Bad boy 4 life“ zum Welthit machte und der aus Atlanta, Kanada stammende Lt-Moe (Ludacris, Stat Quo), der auch sehr eng mit Shady/Aftermath (Eminem, 50 Cent, D-12, The Game) zusammenarbeitet, das dritte Album des Münchners.

Die Urversion erschien am 12. September 2005. Doch bevor die geplante US-Version der CD auf den Markt kommt, kommt im Dezember 2005 mit „Mozez: The Black Edition“ ein weiteres Upgrade mit Bonus Tracks, Videoclips, Wallpapers und einem Making Of von „Mozez“ heraus. Ansonsten unterscheiden sich die „Mozez“-Versionen nicht voneinander. So wird auch die „Black Edition“ vom furiosen „Fight back“ eröffnet, das mit treibenden HipHop-Beats des Ruff Ryder Inhouse Producers Mr. Devine (Jadakiss, DMX, The Lox, Cassidy) und messerscharfen Lyrics mit der Konkurrenz abrechnet („Bushido, I know u luv my style. Fuck u, I hate your style…“).

Raptile scheut sich also nicht, Battles mit den vermeintlich Großen des Biz anzufangen. Er wehrt sich gegen seine Kritiker und teilt ordentlich aus, lässt dabei aber nicht die Hitparaden aus dem Auge. So ist der Track „Da symphony (Olé, Olé)“ – die zweite Singleauskopplung – gewiss ein kleines Zugeständnis an den Kommerz, wenn Raptile Chöre und Streicher mit Breitwand-Beats kombiniert. Dazu Raptile: „Nach einem härteren Motivationssong wie ’Fight back’ wollte ich einen Partysong veröffentlichen, der den Leuten eine gute Zeit gibt und den Alltagsstress vergessen lässt.“ Dafür macht er in Songs wie „Smack dat bitch“ wieder ernst und wandelt auf den zwiespältigen Pfaden gewisser MCs, die wie wild „Explicit Lyrics“ um sich schmeißen, weil sie sonst nichts zu bieten haben. So übel ist es im Fall Raptile zum Glück nicht. Belegt wird dies zum Beispiel durch gelungene Slowjams der Marke „My girl“ (Feat. Keon Bryce).

Addis Mussa (Raptile) hat musikalisch und dichterisch mehr Niveau als Paul Würdig alias Siegmund Gold (Sido), Patrick Decker (Fler) oder Anis Ferchichi (Bushido), die ganz bewusst provozieren wollen, weil sie nur auf diese Weise den Kids das Geld aus den Taschen ziehen können. Ihre Beats alleine taugen dazu nur bedingt. Bushido ist zum Beispiel ein ganz braver Junge mit Abitur, Berufsausbildung und Ehefrau, der erkannt hat, dass er als Bad Boy reich werden kann. Da fragt man sich nur, was schlimmer ist: den bösen Buben tatsächlich leben oder den Kids eine Rolle vorspielen.

Sei’s drum. Selbst wenn Raptile unterm Strich auch „nur“ ein deutscher Gangsta Rapper mit gutbürgerlichem Background ist, legt er mit „Mozez“ eine Produktion vor, die sich vor der US-Konkurrenz nicht verstecken muss und so manchen Flach-Beat-Bastler aus Deutschland beschämt über die eigene Leistung zu Boden schauen lässt.

Anspieltipps:

  • Darrio
  • Fight back
  • Handz up 2005
  • Da symphony RMX
  • Y’all make me laugh
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