Slut - Interference - Cover
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Slut Interference


  • Label: Sticksister/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Slut sind dem Indiefan spätestens seit dem „Bundesvision Song Contest“, der 2005 stattfand, ein Begriff. „Why Pourquoi“ wurde im Sommer auf diversen Festivals dementsprechend bejubelt, der Song lief einige Male auf den bekannten Musiksendern, wobei der im Clip singende Kinderchor daran wohl nicht unerheblichen Anteil hatte. Auch das Album zur Single „All We Need Is Silence“ fand Beachtung.

Mit „Lookbook“ konnten Slut ihren bisher größten Erfolg einfahren, die Single „Welcome 2“ wurde Teil des Soundtracks für den Film „Crazy“ mit Robert Stadtlober. „Lookbook“ist das experimentierfreudigste Album der fünf Ingolstädter und traf auf große Lobeshymnen von Seiten der Kritiker. Bei all dem Jubel um „Lookbook“ werden aber gerne die Vorgängeralben vergessen.

Nachdem 1996 das Debütalbum „For Exercise And Amusement“ veröffentlicht wurde, hatte sich Einiges getan. Slut waren sicherer geworden. Das Debüt kam noch etwas ruppig und unerfahren daher, konnte aber dennoch schon einige Perlen hervorbringen. („Cloudy day“) „Interference“ folgte im Jahr 1998 und wird nachhaltig gern das „Vorgängeralbum“ oder die „Einleitung“ von „Lookbook“ genannt.

Der gleichnamige Song zum Album bildet die Eröffnung, die kraftvoll und dennoch verletzlich klingt. Schon am ersten Lied lassen sich die Veränderungen zu „For Exercise And Amusement“ feststellen, laut und leise harmoniert nun mehr, das Schreien von Christian Neuburger wurde völlig abgelegt, die Musik fließt. Allerdings findet man auch hier noch ein paar Songs, denen man die Jugend der Songschreiber anhört. So füllt zum Beispiel die Zeile: „When will I see you, I wanna show you around, wanna show you around“ den kompletten Song „Soda“. Auch meint man hier und da noch Unsicherheiten in Neuburgers Stimme festzustellen, die der zum Teil verletzt klingenden Musik aber nur gut tun.

Wenn man „Interference“ nur mit einem Wort beschreiben sollte, wäre sensibel wohl am treffendsten („Think I know it’s much too late, I wish I wasn’t so afraid, going under slowly day by day.“ aus „Wishes“). In jedem Fall ist dieses Album Nummer zwei das ruhigste der insgesamt fünf bisher veröffentlichten CDs. Es zeigt sich deutlich: Slut ist nicht gleich Slut. Wer lieber härteren Stoff hört, wird wahrscheinlich nicht viel mit „Interference“, dafür aber mit „For Exercise And Amusement“ oder „Nothing Will Go Wrong“ anfangen können.

Auffällig ist, dass Slut auf ihren Konzerten sowohl alte, als auch neue Songs spielen, das „Interference“-Album wird jedoch meist völlig ausgelassen. Warum, das weiß wohl nur die Band selbst. „Sensation“ ist die rockigste Nummer auf der CD, aber auch sie wurde abgerundet, Ecken und Kanten sucht man vergeblich. Die Stimmung schwankt insgesamt zwischen entspannt, über verträumt, bis hin zu verletzt.

Noch interessanter wird „Interference“, wenn man die Nachfolger-CDs kennt, denn dann stellt man fest, dass es schon 1998 Vorlieben für den Aufbau eines Songs gab, die später wieder aufgenommen wurden. Bei „Bussova“ beispielsweise erfolgt ein Spannungsaufbau von leise zu laut, das Ende ist mächtig und entlässt den verblüfften Hörer, der mit so einem kraftvollen Ende nach einem so ruhigen Anfang gar nicht mehr rechnen konnte. Auf „Nothing Will Go Wrong“ findet man einen Song namens „No flowers please“, bei dem es dem Hörer genauso ergeht, nur, dass Slut bei „No flowers please“ in ihrer musikalischen Entwicklung hörbar fortgeschritten sind.

Mit einer sehr ruhigen, melancholischen Nummer, nämlich „Slip“, endet „Interference“ nach zehn Liedern und nicht mal vierzig Minuten Spielzeit. Aber warum sollte man auch ein Album unnötig verlängern, wenn alles in der Zeit gesagt werden kann?

Wer Slut mag, muss „Interference“ nicht automatisch lieben, aber man sollte dieses Album kennen, wenn man sich einen Slut-Fan nennt. Denn diese Seite gehört genau so zu den Jungs, wie die rockige und die experimentelle. „Interference“ ist zudem empfehlenswert für die Menschen, die melancholische Herbst- und Wintertage mögen und dazu noch den passenden Soundtrack suchen.

Anspieltipps

  • Soda
  • Postcard No. 17
  • Sensation
  • Slip
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