Mauracher - Kissing My Grandma - Cover
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Mauracher Kissing My Grandma


  • Label: Fabrique Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wien ist die Hauptstadt von Österreich. Soviel ist schon mal sicher. Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten, die Wien zu bieten hat und denen es über die Kaffeehausmetropole hinaus nicht an Berühmtheit mangelt, sind das Riesenrad im Wiener Prater, der Stephansdom am Stephansplatz (in dem Verona Feldbusch zu einer Pooth wurde), Schloss Schönbrunn mit dem gleichnamigen Tiergarten und das prachtvolle Hundertwasserhaus. Die Besucherzahlen sprechen jedes Jahr für sich. Abgesehen davon gibt es noch viele andere Gründe, die jemanden dazu veranlassen von seinem Heimatort nach Wien zu kommen, sei es die vorherrschende Gemütlichkeit, die permanent in der Luft liegt, das barocke Flair oder die omnipräsenten Würstlbuden, bei denen der kleine Hunger zwischendurch bestens gestillt werden kann.

Hubert Mauracher ist einer dieser Menschen, die sich dafür entschieden haben für einen neuen Lebensabschnitt in die Hauptstadt des Alpenlandes zu ziehen. In seinem Falle war es allerdings nicht ein knurrender Magen, sondern mehr die Vielzahl an Möglichkeiten mit der man seine eigenen Vorstellungen von Musik umsetzen und vielen Menschen zugänglich machen kann. Schließlich ist Tirol nicht gerade dafür bekannt Lieferant hochwertiger Elektroproduktionen zu sein. Diese wollte der bekennende Schlagzeuger nämlich anfertigen und das gelang ihm bei seinem Label Fabrique Records und dem Debüt „29°“ (2003), laut nationaler und internationaler Presse, ausgesprochen gut. Der Verwertung von Samples und computergenerierten Klängen wurde er aber schnell überdrüssig und begann sich weg von offenen Strukturen zu einer Liedform zu bewegen, für die er zusätzlich selber Texte schreiben wollte. Begleiten und unterstützen sollten ihn dabei sein Drumkit, eine Gitarre, eine Flöte, ein Saxophon, ein Bass, ein Cello und mehrere Gastsänger, die seine selbstverfasste Lyrik vortragen und nicht zu vergessen, die nur mehr phasenweise, im Vergleich zum Debüt, eher spärlich eingesetzten Sounds aus dem Keyboard oder dem PC.

Das Resultat dieses Vorhabens liegt nun mit „Kissing My Grandma“ vor, in dem sowohl für Anhänger der alten, Lounge-Sound verwöhnten Klänge als auch für Alternative-Fraktionen einiges darunter ist. Den Auftakt macht „Going home“, bei dem sofort klar wird, dass sich Mauracher textlich auf kleine Stilleben des Alltags konzentriert hat, die zwischen ernst und witzig pendeln. „Kids are playing in a gap between 2 buildings / Pigeons are shitting from the roof / An old man is talking to himself / And lots of smells are tickling my nose“ erzählt Frenk Lebel als einer der Gäste in bester The Streets-Manier. Der „Underwater Buddha” mit Maja Racki hinterm Mikro ist dann sogleich der erste Höhepunkt, wenn die Samplewut von Mauracher doch nicht ganz zurückgenommen wurde und ein herrlich groovender und mitreißender Midtemposong erklingt. In „Kill me“ wird der Titel von einer Flöte, einem Schlagzeug und einem Saxophon allzu ernst genommen, die sich darum streiten wer denn nun wen „killen“ darf. Einigen können sie sich nicht, dafür heißt es Auftritt „Mr. Egon“, der zusammen mit „Watching you leave“ zu einem der etwas ruhigeren und leider auf der Stelle tretenden Tracks gehört.

Anschließend zeigt sich der gebürtige Tiroler wieder in Höchstform und feuert mit „Additional for you“, „His leg against him“ (mit herrlichem, von einem Kinderchor getragenem, Singalong-Refrain, der eine Eigendynamik entwickelt die den Hörer mitreißt) und „Hello“ ein Effektfeuerwerk der alternativen Art ab, das den Wunsch aufkommen lässt sie bei einigen Radiosendern auf Heavy Rotation setzen zu lassen um nicht einer kleinen Gruppe vorbehalten zu bleiben, denn alle drei Stücke sind perfekte Kandidaten für einen Ohrwurm und die Replay-Taste. Ein regelrecht rockiger Track wird uns mit „Song for losers“ vorgesetzt, der trotz des Titels ganz klar zu den Gewinnern auf „Kissing My Grandma“ zählt. Das französisch vorgetragene „Petite fleur“ wird von einer filigranen Pianomelodie verziert und ist entgegen des sanften Aufbaus das bewegendste Stück auf der Platte. Zum Abschluss gibt es noch einen kurzen Abstecher in die Wissenschaft, wenn in „What you make of it“ mit philosophischem Ansatz erklärt wird, was Musik bedeuten kann.

Bei „Kissing My Grandma“ handelt es sich keineswegs um ein kurzweiliges Werk für zwischendurch, sondern um ein liebevoll gestaltetes Album, dessen Faszination sich nicht sofort nach dem ersten Mal erschließen lässt, sondern mehrere Durchgänge, in diesem Fall könnte man von einem „Entfaltungsprozess“ sprechen, nötig hat. Die abwechselnd filigranen und präzisen Songstrukturen beherbergen einen gemeinsamen Nenner, nur das kräftig um sich schlagende „What you make of it“ fällt etwas aus dem Rahmen. Mit Melodien wird zwar nicht gerade um sich geworfen, aber die erklingenden sitzen perfekt und machen aus Maurachers zweiten Album nie eine langweilige Angelegenheit.

Anspieltipps:

  • Petite Fleur
  • Song For Losers
  • Additional For You
  • His Leg Against Me
  • Underwater Buddha
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