Architecture In Helsinki - In Case We Die - Cover
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Architecture In Helsinki In Case We Die


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das gibt ein Kop-an-Kopf-Rennen: Die achtköpfige Rasselbande von Architecture In Helsinki liegt neben Clap Your Hands Say Yeah ziemlich gut im Rennen, wenn es um den ersten Durchstarter im noch frischen Jahr geht. Ihr zweites Album „In Case We Die“, seit Monaten in Internet-Foren hochgejubelt, ist wirr, abgefahren und saugut.

Architecture In Helsinki sind weder Finnen noch mit Bauzeichnung und Statik vertraut. Es handelt sich viel mehr um acht mehr oder minder durchgeknallte Australier. Wenn sie gerade mal nicht als Vorband für Belle & Sebastian, The Polyphonic Spree oder David Byrne auftreten, dann trifft sich die achtköpfige Horde daheim in Melbourne, um in ihrem Studio, das sie liebevoll „Super Melody World“ getauft haben, an ihrer ganz eigenen Vorstellung von Pop zu werkeln. Erste Regel im Universum der Pseudo-Architekten: Geht nicht, gibt es nicht! Architecture In Helsinki haben ihre helle Freude daran, mindestens drei Songs in einen Titel zu packen.

Zweitens: Die Anzahl der eingesetzten Instrumente muss sich mit dem ausufernden Ideenreichtum der Band die Waage halten. Nicht weniger als 41 Instrumente, die fein säuberlich im Booklet aufgelistet sind, haben die Australier für ihren Zweitling benutzt. Bestes Beispiel für das Tischfeuerwerk aus frechen Popeffekten und ausuferndem Instrumenten-Marathon ist der Album-Opener. „Nevereverdid“ startet wie eine Mischung aus Horrorfilm-Soundtrack und Beerdigungsmarsch und endet als Gassenhauer-Polka mit Stakkato-Drums und Kreisch-Gesang.

In diesem Tempo geht es fröhlich weiter: Hinter jeder Ecke lauert eine Überraschung oder eine neue entzückende Melodie. Lieber ein Einfall und einen Tempowechsel zu viel verbraten, als sich vorwerfen zu lassen, vier Minuten lang nur den gleichen Stiefel runter zu spielen. Man sieht die acht förmlich im Studio stehen: Ein Sack Flöhe voller unterschiedlicher Ideen und musikalischer Vorlieben. Hier ein bisschen Marschmusik mit Pferdegalopp, dort ein paar nicht zu sparsam eingestreute Dschungel-Beats mit Disko-Trompete und zwischendurch immer wieder ein zuckersüßer Popsong. Cameron Bird, Kopf der Band und so etwas wie der Dompteur in diesem Flohzirkus, sorgt dafür, dass sich die einzelnen Songs nicht im kunterbunten Drunter und Drüber verlieren. Und das gelingt bestens, auch wenn nicht alle Tracks so prächtig zünden wie das groovige „Do the Whirlwind“.

Die anderen Titel springen einen nicht sofort an, verraten ihre vertrackte Schönheit erst nach mehrmaligem Hören. Kein Wunder, bei all den Umwegen und Ehrenrunden, die der chaotische Australien-Achter sich und seinen Songs gönnt. Dennoch: „In Case We Die“ ist herrlich verspielt und unbekümmert, immer ein bisschen hysterisch, dafür aber keinen Moment gewöhnlich.

Anspieltipps:

  • It´5
  • Wishbone
  • Do the Whirlwind
  • In Case We Die (Parts 1-4)
  • What´s In Store?
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