At The Drive-In - Relationship Of Command - Cover
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At The Drive-In Relationship Of Command


  • Label: Grand Royal/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es sollte wieder (wie nach dem Bankrott von Flipside vor der Veröffentlichung von „In/Casino/Out“) ein Bangen und Hoffen werden, bis von At the Drive-In, den Post Hardcore-Helden aus El Paso, Texas ihre Genrereferenz namens „Relationship of command“ in den Plattenläden erscheinen konnte. Nach der mehr als gelungenen EP „Vaya“ und dem Wechsel von Fearless zu Den Records begannen wieder ausgiebiges Tourneen. Rage Against The Machine und andere Bands klopften bei Cedric Bixler (Gesang), Jim Ward (Gitarre, Gesang), Omar Rodriguez (Gitarre), Paul Hinojos (Bass) und Tony Hajjar (Schlagzeug) an, um sie als Support Act auftreten zu lassen. Geehrt wurden diese Angebote nicht abgeschlagen, auch wenn sich der Fünfer auf den großen Bühnen dieser Welt eher schwer tat, waren sie doch Konzerte mit einer Beteiligung um die 500 Leute gewohnt.

Nach dem Ende der Touren und der Veröffentlichung des Songs „Catacombs“ auf der „Burning Airlines“ Split-CD und der zwei Tracks „Autorelocator“ und „Extracurricular“ auf der „Sunshine“ Split-CD wurden eifrige Vorbereitungen für die Aufnahmen des nächsten Studioalbums genommen. Dummerweise wird Den Records von Virgin übernommen, doch durch Zufall landen At the Drive-In bei Grand Royal, das unter der Leitung vom Beastie Boy Mike D. steht. Die Turbulenzen sind beiseite gelegt und das Album wird in den Indigo Ranch Studios in Malibu, Kalifornien eingespielt. Ähnlich wie beim letzten Output „Vaya“, eröffnet „Relationship of command“ ein Song das Album, der als Opener wie gemacht scheint: „Arcarsenal“ – Die Virtuosität ist am Maximum angelangt, jede einzelne Note sitzt, die Texte könnten lyrischer nicht sein, die gesangliche Umsetzung ist vielseitiger und beeindruckender denn je und das komplette Werk hindurch bekommt der Hörer eine Qualität geliefert die seinesgleichen sucht. Keine Minute wird vergeudet, kein ruhiger Moment erscheint zu lang – At the Drive-In haben sich selbst übertroffen!

Die Fünf scheuen sich auch nicht ihre aussagekräftigen, teils politischen Songs mit dramatischen Videos zu versehen, wie jenes zu „Invalid litter Dept.“, das wohl eines der beklemmendsten Zeitzeugnisse des letzten Jahrzehnts ablegt. Mit der Textzeile „Dancing on the corpses ashes“ wird den scharenweise verschwundenen, mexikanischen Frauen gedacht, deren wirkliche Todesziffer bis heute von der Regierung in Mexiko verschwiegen wird und somit ein herber Vorwurf an deren Politik ist. Wer den Clip dazu einmal auf einem der Musiksender gesehen hat, konnte, aufgrund der schier unbegreiflichen Realität der Ereignisse, emotional nicht unbeteiligt bleiben. Vor allem wenn Cedric Bixler all seine Wut und seinen Zorn in eine unkontrollierte Schreiorgie gegen Ende des Tracks verpackt, ist man selbst nur als Zuhörer ergriffen. Auch in den hektischeren Tracks „Pattern against user“, „One armed scissor“, „Sleepwalk capsules“, „Rolodex propaganda“ und „Cosmonaut“ ist die Verzweiflung über soziale, politische und persönliche Umstände zu spüren und wird sowohl textlich als auch musikalisch verarbeitet. „Enfilade“ wird durch Iggy Pop eingeleitet, dass als lyrische Grundlage ein Entführungsszenario bebildert und durch elektronischen Ballast und verstörenden Aufbau eine weitere dramatische Ebene aufbaut. Das von düsteren Gitarren getragene „Quarantined“ und das mit einer wehklagenden Pianomelodie versetzte „Non-Zero possibility“ ist durch den elegischen Gesang von Cedric Bixler durchsetzt und liefern dem Begriff „Schwermut“ tieftraurige Beispiele. Auf der neuen Ausgabe, die von Fearless neu aufgelegt wurde, sind zusätzlich die zwei Tracks „Extracurricular“ und „Catacombs“ enthalten, die bislang nur auf den zwei Split-CDs „Sunshine“ und „Burning Airlines“ erschienen sind.

„Relationship of command“ ist ein Album, das in seiner Dichte an melodischer Versiertheit und abwechslungsreicher Vielfalt in diesem Genre bis heute unerreicht bleibt und somit die Referenz bildet. Hätten sich At the Drive-In nicht aufgrund von Differenzen über die Entstehung des nächsten Werkes (ein Teil wollte in Richtung Weezer gehen, der andere das Album „Piper at the gates of dawn“ von Pink Floyd als Ansporn nehmen) und der zunehmenden kommerzialisierten Fangemeinde Ende September 2001 aufgelöst, so wären mit ziemlicher Sicherheit ähnliche Meisterwerke wie „Relationship of command“ entstanden. So hat man die Wahl zwischen Sparta und The Mars Volta, die für den eingefleischten At the Drive-In Veteran sich leider jeweils einer anderen Herangehensweise bedienen.

Anspieltipps:

  • Enfilade
  • Arcarsenal
  • Quarantined
  • Invalid Litter Dept.
  • One Armed Scissor
  • Pattern Against User
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