At The Drive-In - Vaya - Cover
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At The Drive-In Vaya


  • Label: Fearless Records/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 24 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Überall gefeiert und mit offen Armen empfangen wurden At the Drive-In spätestens seit ihrem zweiten Studiowerk „In/Casino/Out“, das Ende Sommer 1998 erschienen ist und im Gegensatz zum Debüt „Acrobatic tenement“ ihren unnachahmlichen eigenen Sound beinhaltete. Bis der immer größer werdenden Fangemeinde ein neues Studiowerk ins Haus stand, vergingen gut zwei Jahre, die durch das Erscheinen des Tracks „Doorman´s Placebo“, das ein Überbleibsel aus den Sessions zur vorigen Platte war, auf der „Aasee Lake“-Split-Cd und der 7-Track-EP „Vaya“ verkürzt wurde. Die Kurzplatte mit dem auffällig orangefarbenen Cover bestand aber nicht einfach aus schnell aufgenommenen Songs ohne Seele und Qualität, sondern zeigte die Fünf aus El Paso, Texas stammenden Musiker von einer neuen, unbändigen energiegeladenen Seite.

In den ersten Takten von „Rascuache“ spürt man förmlich wie der Strom durch die E-Gitarre fließt und es wird einem bewusst, dass die folgenden 24 Minuten nicht vergeudet sein werden. Die Gitarre heult auf, Cedric Bixler trägt die Zeile „Fenches with switches / Turn them on“ vor und eine Zehntel Sekunde danach fährt ein Klanggewitter auf den Hörer nieder. Das Ganze wiederholt sich noch einmal bis sich Afrokopf Bixler das Wort „Shimmering“ aus der Seele brüllt und mit Blitz und Donner zusammen den Refrain meistert. Besser kann man eine Platte nicht beginnen. Das dominante, metronomisch bediente Schlagzeug in „Proxima Centauri“ geht einem den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf und das wunderbare „Ursa Minor“ schon gar nicht. Krachend laut wird es in „Heliotrope“, das wieder Frequenzüberlagerungen benutzt um die Pausen zwischen den Textzeilen gekonnt zu verbinden.

Wenn Cedric Bixlers Stimme in „Metronome Arthritis“ und „300 MHz“ durch den Verzerrer gejagt wird, werden viele an The Mars Volta erinnert werden, doch die gibt es zu dieser Zeit noch gar nicht. Vielmehr zeichnet sich in dieser Phase von At the Drive-In ab, was für die Nachfolgebands Sparta und The Mars Volta verwendet wird und in den vereinten Zeiten ihren Ursprung nahm. Die Melancholie erreicht in „198d“ einen neuen Höhepunkt, wenn sowohl die Instrumente als auch der Gesang zwischen seufzend und jammernd pendeln und gelegentlich aufheulen und dem Schmerz freien Lauf gelassen wird.

Mit „Vaya“ handelt es sich unbestritten um ein Meisterwerk der besonderen Art. Nicht nur, dass diese hochemotionalen Songs einige Monate nach dem letzten Studioalbum aufgenommen wurden, sondern sie weisen zudem auch noch eine Steigerung auf, die die Vorfreude auf „Relationship of command“ ins Unermessliche steigen ließ. Hätten At the Drive-In den Song „Doorman´s Placebo“ und ein oder zwei weitere draufgepackt wäre „Vaya“ durchaus als komplettes Album durchgegangen und würde eine höhere Note verdienen. Die vorliegenden Tracks bieten zwar ausnahmslos hohe Qualität, aber da nach nicht ganz 24 Minuten Schluss ist bleibt eine Höchstwertung verwehrt.

Anspieltipps:

  • 198d
  • Rascuache
  • Heliotrope
  • Metronome Arthritis
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