Train - For Me It´s You - Cover
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Train For Me It´s You


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„For Me, It´s You“ hält für den Hörer 13 Songs bereit, die Train einen Schritt weiter weg vom Einheitsbrei der amerikanischen Popindustrie zeigen.

Inwiefern ist das Cover von Trains vierten Album zu verstehen? Auf dem Debüt, das schlicht auf „Train“ (1998) hörte, prangte groß ein Männlein mit einer Krone auf dem Kopf. Am Nachfolger „Drops of Jupiter“ (2001) zeigt der Bekronte dem Betrachter den Rücken und auf dem dritten Werk „My Private Nation“ (2003) war er plötzlich verschwunden, womöglich in der Woge des Erfolges ertrunken, die die Mannen rund um Sänger Patrick Monahan mit dem Überhit „Drops of Jupiter“ erzeugt hatten.

Auf „For Me, It´s You“ ist er nun zurückgekehrt, allerdings ohne Krone, die schwebt einige Zentimeter neben ihm. Was ist passiert? Werden die Cover paradigmatisch für den Verlauf der Band gesehen, könnte folgende These aufgestellt werden: Output Nummer eins zeigt sie von einer selbstsicheren Seite, daher groß und fett der Prinz als zentraler Punkt und Symbol für Ruhm und Glanz. Nach der Platin-Auszeichnung vom selbstbetiteltem Debüt muss sich Train erst mal erholen, der Prinz wendet sich ab (ob das auch mit den schwachen Songs darauf gleichzusetzen ist?). Der doppelte Platin-Erfolg des sukzessiven Werkes benötigt bei „My Private Nation“ kurzerhand gar keinen Menschen mit Krone am Cover, das Selbstbewusstsein ist zur Genüge gestärkt und durch die rückgängigen Verkäufe des Vorgängers ist sich die Band jetzt möglicherweise nicht mehr sicher ob dem Prinzen sofort wieder die Krone aufgesetzt werden sollte.

Ein weiser Entschluss, denn „For Me, It´s You“ legte in Amerika, wo das Album seit Ende Januar erhältlich ist, in den Billboard-Charts im direkten Vergleich zu „My Private Nation“ einen verhaltenen Start hin und schaffte als Spitzenplatz lediglich Position Nummer 10 und hält nach der vierten Woche nur mehr bei Rang 89. Ganz schlüssig ist dieses Desinteresse am neuen Werk allerdings nicht, denn die 13 Tracks zeigen die Band von einer experimentierfreudigen Seite, die in der Form wohl keiner vorhergesehen hätte. Da wäre, nachdem drei Train-typische Schmachtfetzen namens „All I ever wanted“, „Cab“ (die erste Singleauskoppelung, bei der Monahan zu Beginn seines Einsatzes das Bild eines Ryan Adams aufblitzen lässt), „Give myself to you“ sowie das geradeaus rockende „Get out“ verklungen sind, schon die erste Überraschung, die eine Mischung aus Country-Stampfer, Rock und Train-Lyrik darstellt und den ersten Höhepunkt liefert. Geschunkelt werden darf bei „If I can´t change your mind“ und der Ohrwurm „All I hear“ setzt zum Sprung in die erforderliche Muschel an. Bereits nach zwei Durchgängen ertappt man sich wie eifrig der Refrain und einige Textfetzen inbrünstig mitgesungen werden und das Zimmer im Takt des Schlagzeugs zur Hüpfburg umfunktioniert wird.

Eher unbeeindruckt zieht „Shelter me“ vorbei und leitet erst den wirklich starken Teil der Platte ein. „Explanation“ lebt und ernährt sich auf beeindruckende Art von der kleinen Geste der Gitarre, die sich jedes Mal nach der wiederkehrenden Frage „What´s your explanation“ kräftig in Szene setzt und wird genau deswegen zu einer wunderbar eingängigen Nummer. In „Always remember“ croont Monahan den Titel anfänglich derart elektrisierend, dass die Stimmenverzerr-Effekte in „I´m not waiting in line“ geradezu lächerlich wirken. Langsam und bedächtig beginnt „Skyscraper“, der Einsatz von Orchesterwerk oder zumindest einer Streicherpartie wird nach diversen Klischeeprinzipien fast erwartet, doch Train lässt diese und hetzt stattdessen ein Rudel wildgewordener Gitarren durch die Boxen. Den Abschluss bildet der Titeltrack, der leider durch einen „Na na na na“-Part an Individualität einbüsst, aber einen gelungenen Ausklang liefert.

Der Produzent für Album Nummer vier war abermals Brendan O’Brien (Pearl Jam, Bruce Springsteen The Offspring, Stone Temple Pilots, Limp Bizkit, Korn) und obwohl Train nach dem Ausstieg von Gründungsmitglied Rob Hotchkiss und Bassist Charlie Colin durch die Neuzugänge Johnny Colt (Bass) und Brandon Bush (Keyboard) mit Patrick Monahan (Gesang), Jimmy Stafford (Gitarre) und Scott Underwood (Schlagzeug) seit kurzem wieder zu fünft sind, wirken sie eingespielter denn je. Dadurch hält „For Me, It´s You“ für den Hörer 13 Songs bereit, die Train einen Schritt weiter weg vom Einheitsbrei der amerikanischen Popindustrie zeigen.

Anspieltipps:

  • All I Hear
  • Skyscraper
  • Explanation
  • Am I Reaching You Now
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