Letzte Instanz - Ins Licht - Cover
Große Ansicht

Letzte Instanz Ins Licht


  • Label: Drakkar/SonyBMG
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Gut und beachtlich bestätigt die Letzte Instanz ihre Stellung als Nonkonformist im weiten Feld der Mittelalter-Rockbands.

Mittelalterliche Texte und Klänge fanden in den Neunzigern mit Bands wie In Extremo und Subway To Sally ein großes Publikum. Mittelaltermärkte wurden, eingerahmt von Auftritten besagter Bands, zu einer wahren Anlaufstelle für Independent/Gothic-Hörer. Die Letzte Instanz brach jedoch etwas aus dem allgemeinen Schema aus und bot von Anfang an elektronischen Elementen viel Platz. Diese integrierten sich perfekt in eingängige Songs und harmonierten mit Violine sowie den Texten aus längst vergessener Zeit, ohne das Leben im Hier und Jetzt auszulassen. Experimente mit modernen Sounds und einer gewissen Härte mit Rammstein-Nähe taten der schnell eingefahrenen Musiksparte gut und sicherten der Letzten Instanz eine bis heute andauernde, wenn nicht sogar erhöhte, Aufmerksamkeit seitens der Fans. Alben wie „Kalter Glanz“ (2001) und „Götter Auf Abruf“ (2003) offenbarten dunkle, melodiöse Töne ohne Scheuklappen und mit einem Wiedererkennungswert, der stets mit einem Bein im Crossover aus Mittelalter sowie Moderne stand und gerade deswegen das Hinhören forcierte. Mittlerweile sind die sieben Musiker nach drei Umbesetzungen bei Album Nr. 5 angelangt und starten mit dem neuen Sänger Holly dynamisch und unverkennbar „Ins Licht“.

Wuchtige Drums, der romantische Klang der Violine und Hollys dunkle Stimme lassen den Opener „Sonne“ glanzvoll erklingen und machen gleich klar, dass die Umbesetzungen im Bandgefüge nur als Vorteil für die Letzte Instanz zu werten sind. Druckvolle Gitarren und eine rhythmisch erhabene Eingängigkeit bestechen voller Energie und sorgen für gehörigen Wohlklang. Den Schwung behalten die Sieben bei und glänzen bei „Ohne Dich“ mit straighten Drums, traumhaften Breaks in Form von Synthie- sowie Violinenklängen und einem mächtigen Ausstoß von Adrenalin. Leider findet der Song schneller als gewünscht ein Ende und bringt uns mit „Nimm Mich!“ die erste Ballade. Spärlich instrumentiert überlässt der Track Sänger Holly die Führung, der sogleich seinen guten Einstand untermauert und rau dunkle Gedanken voller Willensstärke vorträgt. Tiefe, brachiale Gitarrensounds gehen mit einer euphorischen Violine eine schmerzlich süße Liebschaft ein, die auch gleichzeitig im Text thematisiert wird und einen deutlichen Abgesang auf heuchlerische Menschen bereithält. Zielstrebig schafft es die Letzte Instanz, nicht in ausgetretene Textpfade zu treten und ernstzunehmend Verachtung zu äußern, die nicht aufgesetzt wirkt.

Voller Schönheit und ganz ohne Verachtung kommt „Sandmann“ aus. Die Lyrics hat Holly für seine Tochter geschrieben, die voller Zuwendung mit einem balladesken Wiegenlied bedacht wird. Dem Außenstehenden schenkt man einen rührenden Text, der von solider Musik eingerahmt wird, ohne nachdrücklich zu verzaubern. Ein wahres Who-Is-Who der Gothic/Mittelalter-Szene hilft der Letzten Instanz bei den Vocals von „Das Stimmlein“ aus. So geben sich Eric Fish (Subway To Sally), Sven Friedrich (Zeraphine) und Thomas Lindner (Schandmaul) gegenseitig das Mikro in die Hände. Hymnisch und mit einem leicht bizarren Glockenspiel versehen wird der Track allein schon aufgrund des Staraufgebotes bei den Fans spielerisch leicht punkten. Doch lediglich Eric Fish ist deutlich als Gastsänger zu vernehmen, während die beiden anderen Gastvokalisten sich zurückhalten.

Zum Ende hin nimmt die Qualität der Songs langsam, doch merklich, ab. Die Stärke der ersten Hälfe, die besonders durch Dynamik und mitreißende Arrangements bestach, fällt balladesken Tönen zum Opfer und verliert sich mitunter in übermäßig melancholischen Tracks, denen doch etwas die Luft ausgeht. Auch „Traumschwere“, welches mit netten Riffs und direkten Drums zum finalen Hechtsprung ansetzt, wirkt stockend. So verblasst die Überdurchschnittlichkeit mit andauernder Spieldauer, was dennoch die Fans und Interessierten nicht abhalten soll, „Ins Licht“ mehrmaligen Hördurchgängen zu unterziehen. Gut und beachtlich bestätigt die Letzte Instanz ihre Stellung als Nonkonformist im weiten Feld der Mittelalter-Rockbands.

Anspieltipps:

  • Tanz
  • Sonne
  • Ohne Dich
  • Das Stimmlein
Neue Kritiken im Genre „Gothic-Rock“
5/10

MTV Unplugged: Unter Dampf - Ohne Strom
  • 2015    
Diskutiere über „Letzte Instanz“
comments powered by Disqus