Miss Kittin - Live At Sonar - Cover
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Miss Kittin Live At Sonar


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit bürgerlichem Namen heißt sie Caroline Hervé, stammt aus Frankreich und wurde durch die Leihgabe ihrer Stimme für Felix Da Housecat („Shower Scene“), Golden Boy („Rippin Kittin“), Sven Väth („Je T´Aime“) und T. Raumschmiere („The Game Is Not Over“) bekannt. Viele Jahre schuf sie mit ihrem Kollegen The Hacker (Michel Amato) individuelle Klangskonstruktionen aus dem weiten Feld der Techno-, Dance- sowie Housemusik und platzierte sie auf Vinyl. Miss Kittins erste Soloscheibe „I Com“ sorgte besonders dank der Singles „Requiem For A Hit“ (mit L.A. Williams) sowie „Professional Distortion“ für positive Meinungen und gut gefüllte Tanzflächen, auf denen es sich um ausgetüftelte Electrohymnen dreht. Ihre Affinität zu den Achtzigern machte Miss Kittin zwangsläufig zu einer Mitbegründerin des Electroclash-Stils. Doch Genres verschwimmen genauso auf dem Soloalbum, wie auf den Kollaborationen mit The Hacker und bei den schweißtreibenden DJ-Performances der Wahlberlinerin. Nun hat sie den letztjährigen Auftritt beim legendären Sonar Festival in Barcelona mitschneiden lassen und bringt ihn nach kurzer Zeit unter das Volk.

Die Stimmung der Tanzhungrigen ist bestens eingefangen und überträgt sich bis in das heimische Wohnzimmer, wenn Miss Kittin neben einigen selbst verfassten Tracks auch zu Songs ehrenwerter Kollegen greift und auf ganzer Spiellänge anpeitscht und auch Ambient tadellos zwischen Broken Beats und Ohrwurmtendenz zentriert. Recht bedrohlich rückt das Intro in Form von Tim Heckers „Azure Azure“ in die Nähe von sakralen Ergüssen und mündet dramaturgisch gekonnt in Miss Kittins „Happy Violentine“ im Mr. G Remix. Von einem reinen DJ-Set kann man definitiv nicht sprechen, denn Caroline Hervé steuert ihre lasziven, charmanten Vocals bei und lässt das Publikum an ihrem Wortwitz und an ihrer zeitweiligen Unsicherheit teilhaben. So streikt bei „Stock Exchange“ der Plattenspieler, was zur Folge hat, dass ihr Begleiter The Hacker und sie nach Selbstsicherheit und den richtigen Worten ringend direkt zu „1982“ gleiten und galant ein größeres Malheur verhindern.

Wie Miss Kittin später sagte, war ab diesem Moment der Abend für sie größtenteils gelaufen und die Aufnahme für eine Liveplatte in Frage gestellt. Doch das Publikum merkt kaum etwas von Unstimmigkeiten und erfreut sich an erfrischenden Sounds, die trotz professioneller Herangehensweise verspielt und niemals eingefahren den Hörer elektrisieren. Richard D. James (Aphex Twin) fügt sich mit dem Hit „Window Licker“ ohne Probleme und mit Wiedererkennungswert in den Mix aus dem Interessantesten, was die elektronische Welt in Sachen Nonkonformität und Pop-Appeal derzeit zu bieten hat. The MFA tendieren harmonisch gen Trance, während das folgende „Traumvogel“ von The Orb verträumt und höchstgradig entspannend den erschöpften Massen beim Sonar Festival eine geschmackvoll garnierte Ruhe gönnt.

Neigen Mix-CD´s eher dazu, das eigene Können des Künstlers zu schmälern und zu viele Fremdkompositionen zuzulassen, ist das vorliegende Werk ein echter Qualitätsbeweis der umtriebigen Französin. Zwischen Extase, begründet durch variantenreiche Songs mit Groove sowie Herz, legt sich Gelassenheit und das Wissen um eine wunderbare CD, der man rasant verfallen kann und einen doch auch ein wenig traurig stimmt, nicht vor Ort gewesen zu sein.

Anspieltipps:

  • Madame Hollywood
  • Requiem For A Hit
  • Window Licker
  • Traumvogel
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