Erasure - Union Street - Cover
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Erasure Union Street


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach diesem Longplayer wünscht man sich nichts lieber als jede Menge Akustikversionen kommender Erasure-Songs.

Seit mehr als 20 Jahren fabrizieren die Engländer Andy Bell (Vocals) und Depeche Mode-Mitbegründer Vince Clarke (Programming) hochwertigen Synthie-Pop, haben unzählige Bands beeinflusst und tauchen darüber hinaus stets in den Hitlisten nahezu sämtlicher Länder auf. Ihr letztjähriges Album „Nightbird“ macht da keine Ausnahme und so spielt das Duo auf der darauf folgenden Tour in ausverkauften Hallen und hält sich wacker in den Media Control-Charts.

Trotz Andys HIV-Erkrankung übersteht er die Konzertaktivitäten in bestem gesundheitlichen Zustand und präsentiert eine unnachahmliche Energie, welche auf der DVD „The Erasure Show - Live In Cologne“ in Verbindung mit dem unterkühlten, nur sehr selten lächelnden Elektropionier Vince Clarke für die Nachwelt festgehalten ist. Jetzt ist jedoch vorerst Schluss mit flirrenden Synthesizern, hypnotischen Sounds und luftig leichten Beats. Erasure konzentrieren sich auf Steel-Gitarre, zurückhaltende Percussions und den dadurch an Dominanz gewinnenden Gesang von Andy Bell.

Besinnlich instrumentiert und dadurch der Version vom „Wild!“-Album relativ nah erklingt der „Piano Song“, der statt der melancholischen Synthie-Sounds ebensolche Akustikgitarren enthält und von aufflackernden Steel-Gitarrenausläufern geprägt Americana in Bestform das Ohr erklimmen lässt. Deutliche Unterschiede finden sich dagegen im folgenden „Stay With Me“ wieder. Wo auf der „Erasure“-Version noch dicht gewobene Synthesizer die Stimmung übernehmen und Andys Gesang umhüllen, sind es hier eine der Welt entfliehende Flöte und spanisch anmutende Rhythmen. Wie auf dem gesamten Werk bildet stets die gefühlvolle, markante Intonation von Mr. Bell das Hauptaugenmerk, die von einer angenehm unaufdringlichen, doch hochklassigen Instrumentierung begleitet über den folkigen Errungenschaften im Erasure-Land thront.

Neben dem betörenden, einzigartig in Szene gesetzten „Home“ gewinnt das Album im Mittelteil vor allem durch „Tenderest Moments“, einer B-Seite der „Run To The Sun“-Single. Es benötigt Zeit, sich in die umarrangierten, countryesken Versionen hineinzuhören, doch gerade diese beiden Tracks machen es verzichtbar, die alten Werke herauszukramen und ertönen voller Glanz und in tiefgreifender Musikalität, als wenn es für Erasure nichts natürlicheres gibt, als synthetische Pop-Perlen in der Region um Nashville wiederzubeleben und ihnen neues, aufregendes Leben einzuhauchen.

So verselbstständigt sich das einstige Wagnis mit jedem Song in eine prachtvolle Liebeserklärung an lange Sonnenuntergänge und endlose Prärien. Melancholischer, auch mal spielerisch tänzelnder Folk scheint einen festen Platz im Pop der Briten gefunden zu haben. Denn nach diesem Longplayer wünscht man sich nichts lieber als jede Menge Akustikversionen kommender Erasure-Songs. Bis dahin steht man zweifelnd vor diversen Platten des Duos und fragt sich, warum es nicht schon viel eher diesen Weg gegangen ist.

Anspieltipps:

  • Boy
  • Home
  • Tenderest Moments
  • How Many Times?
  • Rock Me Gently
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