Matt Boroff - Ticket To Nowhere - Cover
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Matt Boroff Ticket To Nowhere


  • Label: Monkey Music/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Hey Leute, wir sind da!“ – Wenn Harvey Keitel diese Aussage tätigt, hätte er am besten seinen Wohnwagen wenden und möglichst weit von dem Ort wegfahren sollen, den er gerade ansteuert. Dummerweise blieb ihm keine andere Wahl, da George Clooney, als einer der blutrünstigen Gecko-Brüder, ihm mit seiner Waffe androht seine Familie nacheinander zu erschießen. Daher bleib ihm nichts anderes über als die cineastische Kultbar „Titty Twister“ zu betreten. Der Rest ist Filmgeschichte und trägt den Titel „From Dusk till Dawn“. Das Wichtige an diesem Exkurs ist allerdings die Tatsache, dass als musikalische Hintergrundbegleitung in der eben genannten Bar die Band „Tito & Tarantula“ ihren staubtrockenen Wüstenrock zum Besten gibt. Der ihnen, durch diesen Auftritt, daraufhin verliehene Status einer Kultband vervielfachte ihre Plattenverkäufe, doch nach dem 2002 erschienenen Werk „Andalucia“ wurde es still um sie. Nun mischt sich Matt Boroff ins Geschehen. Der aus New Jersey stammende Gitarrist, Sänger und Songschreiber gründet in jungen Jahren die Band Planet Dread, die am Höhepunkt ihrer Karriere als Vorgruppe zu Nirvanas „Nevermind“-Tour auftreten, sich aber kurze Zeit später auflösen. Danach beschließt er solo weiterzumachen und lernt seine große Liebe in Vorarlberg kennen. Kurze Zeit später zieht er nach Österreich um, macht Bekanntschaft mit dem Schlagzeuger Little Konzett und die beiden machen sich auf die Suche nach dem fehlenden Bassisten, den sie in dem Stuttgarter Rolf Kersting finden. Musikalisch orientieren sie sich, wie der aufmerksame Leser schon unschwer erahnen wird, an den lässigen, trockenen Klängen von Tito & Tarantula.

2004 erscheint ein namenloses Debüt, das in der Undergroundszene für gespitzte Ohren sorgt. Zwei Jahre später ist nun der als „Ticket to nowhere“ betitelte Nachfolger am Start und könnte eines der coolsten Alben des neuen Jahres werden. Cool deshalb, weil Matt Boroff in seinen Songs nicht versucht jemanden zu kopieren oder zu imitieren, sondern auf kraftvolle, leidenschaftliche Gitarren setzt, die, von einer mitreißenden Rhythmusabteilung begleitet, zusammen wie ein Zahnrad ins andere greifen und sich bereits während dem ersten Hördurchgang wie Termiten in die Gehörgänge fressen, dort nisten und zu Ohrwürmern mutieren. Wer „No meaning“, „Mosquito”, “Bomb”, “Broken clock” oder “Bad Actor” auf einer der Releasepartys vernehmen durfte, wird zustimmend mit dem Kopf nicken. Vom Tempo her gehören diese fünf Tracks zu den flotteren auf „Ticket to nowhere“, aber Herr Boroff liefert auch Stücke, die gut ins Ambiente eines durch Rauchschwaden bedecktes Südstaatenlokal passen würden. Die unangenehme Hitze, der Schweiß am Körper und das unaufhörliche Summen der Insekten, die auf der Suche nach dem nächsten Wirt sind - Inmitten diesem drückend heißen Ambiente erklingen die Stücke „Truth and superstition“, „Take off the bandages“ und der Titeltrack „Ticket to nowhere“.

Matt Boroff hat zehn Songs geschrieben, die nicht nur aus Text und Musik bestehen, sondern auch eine Atmosphäre transportieren, in die sich der Hörer nur allzu gern, angesichts der hervorragend ineinandergreifenden Rhythmen, öfter als einmal hineinversetzen möchte. Somit entsteht die neue Wüstenrock-Coolness nicht in den Vereinigten Staaten, sondern im Herzen der Alpen. Eine Fahrt ins Ungewisse wird mit dem Ticket ins Nichts garantiert nicht eingelöst, vielmehr wird ein musikalischer Trip durchlaufen, der spannender und zugleich entspannter nicht sein könnte.

Anspieltipps:

  • Bomb
  • No Meaning
  • Broken Clock
  • Instant Penetration
  • Take Off The Bandages
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