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Diverse SZ Diskothek: 1996


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Alle paar Jahre macht ein neuer Hype die Runde. Oder zumindest wird ein neuer Begriff für einen eigentlich bekannten Sound erfunden. 1996 wurde das Wort „Postrock“ von dem Musikjournalisten Simon Reynolds aufgebracht. Mit Postrock verband man Bands wie Trans Am und Tortoise, die der Rockmusik während der sterbenden Grunge-Welle eine neue Ausdrucksweise verliehen. Während in England noch der BritPop tobte, versuchte man bereits den Postrock zu analisieren. Simon Reynolds beschrieb die Sound-Veränderung als Ablösung des herkömmlichen, horizontal ausgerichteten durch das vertikale Songwriting. Nicht mehr der Verlauf des Stückes mit seinen Strophen und Refrains stehe im Blickpunkt, sondern das Übereinanderlegen von Schichten, die ständige Variation eines einzelnen Teils. Alles klar?

Aus heutiger Sicht ist Postrock eine beinahe episodische Musikrichtung gewesen, obwohl sie viele Bands hervorbrachte. Dass die Musik selbst zu großen Teilen rasch wieder in den Hintergrund geriet, könnte damit zusammenhängen, dass es um diese häufig gar nicht in erster Linie ging. Die Kritik überkommener Ausdrucksweisen und Echtheitsmythen im Rock befand sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt und die Sperrigkeit vieler Postrockbands lieferte den passenden Soundtrack dazu. Im Abstand von zehn Jahren wirkt es so, als wären manche Alben allein als Illustration einer dekonstruktivistisch inspirierten Haltung zur Rockästhetik entstanden.

Was war sonst los in der Welt? Der Zigarettenerbe Jan Philipp Reemtsma wird von Entführern 33 Tage in einem Kellerversteck gefangen gehalten. Der Liedermacher Konstantin Wecker muss wegen des Besitzes von 1,8 Kilo (!) Kokain vor Gericht. Lady Diana wird nach langer Ehekrise von Prince Charles geschieden. Deutschland wird in England Fußball Europameister und in einem Institut bei Edinburgh wird das Klonschaf Dolly geboren. Kofi Annan wird neuer UN-Generalsekretär und von Belgien aus erschüttert der Fall des Kinderschänders Marc Detroux die Welt.

Das Fundstück dieser Ausgabe nennt sich „Chronik eines angekündigten Todes“ und behandelt den Mord an Rapper Tupac Shakur (2Pac) am 13. September 1996. Es ist ein Artikel aus „The Face“ vom November 1996. Musikalisch wird das Jahr u.a. abgedeckt durch die Backstreet Boys („Quit playing games“), Ash („Girl from Mars“), Fun Lovin’ Criminals („Scooby snacks“), 2Pac Feat. Dr. Dre („California love“), Khaled („Aicha”) und den Lassie Singers („Liebe wird oft überbewertet”).

Anspieltipps:

  • Trans Am – Firepoker
  • Baddiel & Skinner – Three lions
  • Nuyorican Soul – I am the black gold of the sun
  • Belle & Sebastian – Judy and the dream of horses
  • Nick Cave & Kylie Minogue – Where the wild roses grow
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