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Diverse SZ Diskothek: 1956


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Pazifik explodieren die Atombomben. In Amerika explodiert Elvis. Innerhalb eines wahnwitzigen halben Jahres und mit dem Glanz von hundert Sonnen erhellte der King of Rock sein Land, befreite die Teenager und schuf im Hinterzimmer des „Heartbreak Hotel“ (der erste Song in der Musikgeschichte, der sich mehr als eine Million Mal verkaufte) die Popkultur, wie wir sie seitdem kennen.

1956 wurde die Musik beerdigt und die Popmusik erfunden. Elvis schüttelte Hits wie „Hound dog“, „Don’t be cruel“ und „Love me tender“ aus dem Ärmel, drehte seinen ersten Film. In diesem Zusammenhang wurde auch der kreischende, heulende, jaulende, von Schmerzen, Sehnsucht, wilder Lust und Liebe geschüttelte Teenager erfunden, der das Atmen vergaß und vorüberkippte. Der Teenager, der aus purer Begeisterung randalierte und der Teenager, der auf Elvis’ Cadillac Liebesbotschaften und Telefonnummern mit Lippenstift schmierte. Es war der Urschrei des Rock.

Elvis war es, und zwar er praktisch im Alleingang, der die Welt des Pop in Amerika etablierte und auf die drei heiligen Säulen stellte, auf denen bis heute jede Gesellschaft der westlichen Welt steht: Jugend, Energie, sexuelle Attraktivität. Wer es heute zu etwas bringen will, ganz gleich ob Anwalt, Politiker, Modemacher oder Rockstar, muss es im Grunde genommen in diesen drei Disziplinen bringen. Mit Elvis sah eine ganze Kultur alt aus: Männer mit Bäuchen (Bill Haley), Hüten (Dean Martin, Frank Sinatra), Swingorchester (Ray Conniff) und ohne Hüften (Pat Boone). Für einige Herren muss es sehr bitter gewesen sein. Frank Sinatra zog über Elvis her. Er nannte seine Musik „bedauernswert, ein einziges schmutziges, brutales, degeneriertes, gemeines Aphrodisiakum...“ Dennoch: Der Lärm griff durch, Sex griff durch, Pop griff durch die Massen und zum Jahresende war der Teenager, der sein Taschengeld für Musik und eine Menge Blödsinn wie Bluejeans, Pomade und Milchshakes ausgab, als Wirtschaftsfaktor etabliert.

Kaum zu glauben: Selbst in der DDR gibt es jetzt neue Fernseher. Arthur Miller heiratet Marilyn Monroe. Deutschlands Tankstellen rüsten sich für den Ansturm der Wirtschaftswunder-Autos. Deutsche Männer dürfen endlich wieder Uniform tragen. Entweder in der Bundeswehr oder der NVA. Fürst Rainier von Monaco führt Grace Kelly zum Altar und im Fundstück dieser Ausgabe wird der deutsche Elvis, Peter Kraus, von der Abendzeitung interviewt. Musikalisch gibt es ebenfalls Peter Kraus auf die Ohren („Die Straße der Vergessenen“). Dazu gesellen sich u.a. Wanda Jackson („Baby loves him“), Elvis Presley („Don’t be cruel“), Johnny Cash („I walk the line“), Gene Vincent („Be-bop-a-lula“), James Brown („Please, please, please) und Carl Perkins („Blue suede shoes”).

Anspieltipps:

  • Little Richard – Rip it up
  • Roy Orbison – Ooby dooby
  • Ray Charles – Lonely avenue
  • Bo Diddley – Who do you love?
  • Doris Day – Whatever will be, will be (Que sera, sera)
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