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Reen Der Letzte Marokkaner


  • Label: Street Tape/Groove Attack
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Deutschrap-Urgestein, Freestyle-König, Most-Hatest-MC oder kurz Reen. Nach dreijähriger Schaffenspause haute der Braunschweiger Rapper der ersten Stunde Anfang Dezember sein neues Album namens „Der Letzte Marokkaner“ auf den Markt. Nach der EP „Reens Welt/Die Enthüllung“, das erst zweite Release auf seinem eigenen, neu gegründeten Label „Marracash Music“.

Bereits 1991 rockte Reen, damals noch unter dem Namen MC Rene, die ersten HipHop-Jams in Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Berlin und Itzehoe. Als er 1993 in der „HipHop Horray“-Sendung (Lost in Music) zum ersten Mal einem breiteren Publikum bekannt wurde, galt er in der Szene schnell als die ganz große Hoffnung. So entspannt und fließend hatte bisher noch niemand auf Deutsch gefreestyled – und das mit gerade einmal 15 Jahren. 1994 unterschrieb Rene seinen ersten Künstlervertrag bei MZEE Records und veröffentlichte dort ein Jahr später sein Debütalbum „Renevolution“, nachdem er in den Jahren zuvor schon mit Acts wie Advanced Chemistry, Absolute Beginner oder Main Concept auf Tour unterwegs war.

Nach reichlich Ärger mit MZEE Records, wurde der Braunschweiger Mitte 1999 von BMG Modul freigekauft und erhielt bei No Limits einen neuen Vertrag. Fast ein komplettes Jahr war er zu diesem Zeitpunkt durch MZEE mit einer Künstlersperre belegt worden und musste daher unter anderem als Straßenvertreter oder Fließbandarbeiter sein Geld verdienen. Im selben Jahr chartete auch die Single „Rhymes Galore“ von DJ Tomekk, auf der neben Flavour Flav und Afrob auch Rene gefeatured wurde. Wieder back in the scene, veröffentlichte er 2000 sein zweites Album „Ein Album Namens Bernd“. MZEE Records haute zudem den Longplayer „Reneflektion“ auf den Markt, eine Zusammenstellung von älteren Songs und unveröffentlichtem Material.

2001 wechselte Rene von No Limits zu Improversum und veröffentlichte dort ein Jahr später sein drittes Werk „Scheiß Auf Euren HipHop“, welches sich aus dem Stand 20.000 Mal verkaufte. 2003 trennte sich (von nun an) Reen von Produzent Django und Improversum und zog sich mit seinem neuen Knöpfchendreher Isy b ins Studio zurück. Wiederum ein Jahr später, wurde zusammen mit seinem Partner Yousef Hammoudah der Grundstein für das Label Marracash Music gelegt, auf dem 2005 sowohl die EP „Reens Welt/Die Enthüllung“, als auch das Album „Der Letzte Marrokaner“ erschien.

Wie zu seinen besten Zeiten betreibt der Wahlberliner darauf Storytelling vom feinsten und stellt gleich im Opener „Kamikaze“ selbstbewusst klar: „Reen! Und alle kleinen Versager / Verbrennen wie in Lava / Weil ich noch nie so stark war“. Der zweite Song „Der Tag“ ist ein klares Bekenntnis zu seinem Erstlingswerk „Renevolution“ von 1995 und in „Mach Dein Ding“, „Es Ist Vorbei“ sowie „Chill Mit Dem Beat“ philosophiert Reen über das Leben und rät dazu, nie sein Ziel aus den Augen zu verlieren, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren und sein Vorhaben kompromisslos durchzuziehen. „Promi Promi“ ist eine Art Abrechnung mit der verlogenen, erfolgs- und geldgeilen Musiklandschaft in Deutschland. Ebenfalls sehr gelungen sind die Songs „Mc Donalds Rapper“, in der die fiktive Geschichte eines Gangsta-Rappers geschildert wird, und „Weststadt“ – nicht nur eine Hommage an seine Heimatstadt Braunschweig, sondern auch an die „gute, alte Zeit“, in der in Deutschland der HipHop gerade Laufen lernte.

„Der Letzte Marokkaner“ ist somit unterm Strich ein wirklich gelungenes Streetalbum, zu einem mehr als ordentlichen Preis (9,99€). Hater, die noch immer auf seine von vielen kritisierte Arbeit beim Fernsehen („Mixery Raw Deluxe“, „Alles Pocher, …oder was?“) herumreiten oder einfach nur anderen MCs wie Kool Savas, Eko Fresh oder Azad nach dem Mund reden: Zurücktreten! All diejenigen, die ein wenig den Spirit der Good Ol’Days samt qualitativem Storytelling verspüren möchten: Zugreifen!

Anspieltipps:

  • Es Ist Vorbei
  • Promi Promi
  • Mc Donalds Rapper
  • Weststadt
  • Der Tag
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