Paris Hilton - Paris - Cover
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Paris Hilton Paris


  • Label: Heiress/WEA
  • Laufzeit: 40 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wird die eigentliche Absicht der Plattenfirma übersprungen, wieso das Debütalbum von Paris Hilton auf dem Schreibtisch angelangt ist (nämlich eben dieses zu rezensieren) und legt man zuallererst die beigefügte DVD in das dazugehörige Abspielgerät, so wird der Verdacht bestätigt, bei „Paris“ handelt es sich um ein reines Album, das die Millionenerbin einfach mal so machen wollte, weil Sängerin sein schon immer ihr größter Wunsch war. Abgesehen davon, dass die 25jährige sowieso schon in so ziemlich jedes Fettnäppchen getreten ist, in das man als Celebrity treten kann (Porno-Video, peinliche Fotos, dämliche Aussagen), nimmt sie mit einer Selbstverständlichkeit eine Platte auf, die eigentlich keiner wirklich gebrauchen kann und darf sich nun rühmen auch als mögliche Nachfolge von Kaugummipop-Prinzesschen Britney Spears, die zur Zeit versucht ihr zweites Kind auf die Welt und ihren umtriebigen Mann Kevin Federline zur Vernunft zu bringen, gescheitert ist.

Aber seien wir doch mal ehrlich: Haben wir wirklich etwas anderes erwartet? Alleine die Vorboten für einen Einstieg ins Musikgeschäft liefen für Miss Hilton alles andere als gelungen. Ihre erste Single sollte „Screwed“ werden und lief für ein paar Testläufe 2004 in einigen Clubs in Miami. Das Lied floppte, niemand war daran interessiert und letztendlich legte man das Unternehmen, Paris Hilton in die Charts zu bringen, auf Eis. 2 Jahre später verdichten sich jedoch die Gerüchte, ein Album der Amerikanerin würde auf den Markt kommen. Die erste Auskoppelung wurde „Stars are blind“, eine lahme, Reggae-angehauchte Popscheibe, die ganz offensichtlich bei UB40s „Kingston town“ abgeschaut hatte. Nicht gerade ein gelungener Einstand.

Auf dem kompletten Album tummeln sich nicht weniger skurrile Anspielungen und grauenvolle Neuinterpretationen. Da wäre zum einen das verwendete Sample in „I want you“, das von Franki Vallis Hymne zum Kultmusical „Grease“ aus den 70er Jahren entwendet und in ein Loop-verseuchtes Stück musikalische Zeitgeschichte gepresst wurde, das einem, von Hiltons austauschbarem Piepsstimmchen einmal abgesehen, schlecht wird. So zerstört man also eine Identifikationsebene einer ganzen Generation. Als komplette Coverversion gibt es zum Abschluss „Do ya think I´m sexy“ von Rod Stewart, das ebenfalls nicht mehr verdient als den Mantel des Schweigens. Abgesehen davon bemüht sich Paris als laszive R´n´B-Diva („Fightin´ over me“, „Turn it up“, „Turn you on“), zweite Gwen Stefani („Not leaving without you“), versucht durch häufige Aneinanderreihung von Silben wie „La la“ oder „Na na“ einen Ohrwurm herauf zu beschwören („Jealousy“, „Nothing in this world“) oder gibt sich verrucht und orgiastisch stöhnend Balladen hin („Heartbeat“).

Den einzigen Punkt, den man Paris Hilton wirklich zugute halten muss, ist die Produktion. Übliche Verdächtige wie Scott Storch (50 Cent, Beyoncé), J.R. Rotem (Rihanna) und Dr. Luke (Pink, Kelly Clarkson) waren für die richtige Richtung des Materials zuständig. Als Schreiberlinge wurde Kara DioGuardi (Gwen Stefani, Christina Aguilera, Ashlee Simpson), Billy Steinberg (Madonna, Cyndi Lauper, The Pretenders) und Sheppard Solomon (Natalie Imbruglia) zu Rate gezogen und für die Abmischung verpflichtete man Tony Maserati (Black-Eyed Peas, Beyonce) und Serban Ghenea (Kelly Clarkson, Justin Timberlake, Pink). Dass im Endeffekt dennoch nicht mehr als komplett austauschbarer Unsinn herausgekommen ist, der statt in bpm in spm (Stöhnen pro Minute) gemessen werden kann, ist ein Armutszeugnis, das Paris Hilton aufgrund ihres unerschöpflichen Selbstbewusstseins wohl gar nicht erst verkraften muss.

Anspieltipps:

  • I Want You
  • Stars Are Blind
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