Velvet Revolver - Libertad - Cover
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Velvet Revolver Libertad


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ja, ja, ja, Axl Rose ist mit seinem Guns-’N-Roses-Phantomalbum „Chinese Democracy“ noch immer nicht zu Potte gekommen und seine Ex-Kollegen Slash (Gitarre), Duff McKagan (Bass) und Matt Sorum (Drums), verstärkt um Scott Weiland (Gesang) und Dave Kushner (Gitarre), haben bereits Studioalbum Nummer zwei am Start. Doch ist das wirklich ein heraushebenswerter Verdienst? Bis jetzt eher nicht. Denn vor drei Jahren, als das Velvet-Revolver-Debüt „Contraband“ erschien, konnte der Hörer noch zu dem Schluss kommen, dass es wohl besser ist, weiter auf den durchgeknallten Axel und seine gesichtslosen Mietmusiker zu warten, als mit dem halbgaren Werk einer Altherrenmannschaft Vorlieb zu nehmen.

Nichtsdestotrotz wurden von „Contraband“ weltweit mehr als drei Millionen Einheiten abgesetzt. Das Interesse an der Supergruppe Velvet Revolver ist also nachweislich vorhanden und das ist Legitimation genug für ein zweites Album, das aber bitte mehr als nur drei, vier herausragende Songs zu bieten hat. Sonst verblasst nämlich die Musik hinter herrlichen Schlagabtauschen zwischen Axel Rose und Scott Weiland (Ex-„Stone Temple Pilots“-Sänger), der seinen Quasi-Vorgänger (denn Velvet Revolver sind im Prinzip nichts anderes als Guns ’N Roses minus Axel) als „fetten Idioten“ bezeichnete, „der eine Perücke trägt und sein Gesicht mit Botox aufspritzen lassen hat“. Solche Statements sitzen, müssen aber definitiv Taten folgen lassen, sonst ist am Ende nicht mehr klar, wer wirklich der Idiot ist.

Zusammen mit Produzent Brendan O´Brien (Pearl Jam, Audioslave, Bruce Springsteen, Incubus), der den eigentlich vorgesehenen Rick Rubin (Johnny Cash, Linkin Park, Red Hot Chili Peppers) aus dem Rennen warf, nachdem dieser die Band schier endlos Songs schreiben ließ, aber nicht zur Tat, sprich: zu den Aufnahmen schreiten wollte, hat das Quintett in Los Angeles 13 Tracks eingespielt, die für die seit gut fünf Jahren zusammen spielenden Herren eine „Re-Evolution“ darstellen – also nicht nur eine notwendige Weiterentwicklung, sondern auch einen Neuanfang. Doch danach sieht es zumindest am Anfang rein gar nicht aus. Befeuert von unoriginellen Riffs und Grooves schrubben sich Velvet Revolver durch gewöhnliche Songs ohne Pfiff, die zwar durch Slashs’ geniale Soli auffallen, ansonsten aber keine Widerhaken ins Gedächtnis rammen. Das ist zwar handwerklich alles nicht schlecht, kann aber wie beim Debütalbum die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen.

So muss sich der Hörer schon mit kleinen Höhepunkten zufrieden geben, etwa mit den endlich mal das Tempo variierenden „The last fight“ und „Pills, demons & etc.“, dem Jeff-Lynne-Cover „Can’t get it out of my head“ oder dem wunderbar rumpelnden „Mary, Mary“. Hier zeigen die alten Recken, dass sie mehr können als in die Jetztzeit transportierten L.A. Sleazerock runterzureißen, bei dem das Publikum vor Langeweile einschläft oder sich über die überwiegend belanglosen Texte amüsiert (eine der wenigen Ausnahmen ist das Stück „For a brother“, das den Brüdern von Matt Sorum und Scott Weiland gewidmet ist, die beide an einer Überdosis Drogen gestorben sind).

Am Ende kann der Rezensent sich nur wiederholen: Wenn Musiker eine Band gründen, die für Meisterwerke wie „Core“ (Stone Temple Pilots) und „Appetite For Destruction“ (Guns ’N Roses) mitverantwortlich sind, schnellen die Erwartungen derart in die Höhe, dass eine Band daran zerbrechen kann. Velvet Revolver sind dagegen von sich und ihrer Musik überzeugt und finden damit sogar ein (im Vergleich zu früher recht überschaubares) Publikum, das ebenfalls auf den simplen Rock der Veteranen abfährt. Das ist schön. Aber mehr als solide sind Alben wie „Contraband“ (2004) und „Libertad“ nun mal nicht.

Anspieltipps:

  • Gravedancer
  • Mary, Mary
  • The last fight
  • She builds quick machines
  • Can’t get it out of my head
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