Matchbook Romance - Voices - Cover
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Matchbook Romance Voices


  • Label: Epitaph/SPV
  • Laufzeit: 61 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Deutschland, sperr die Ohren auf! Heute sind Matchbook Romance noch eher ein unbeschriebenes Blatt – das könnte sich aber morgen schon ändern. Hatten die vier Musiker aus Poughkeepsie/New York mit ihrem ersten Longplayer „Stories & Alibies“ (2003), der in den Staaten immerhin über 250.000 Mal verkauft wurde, die Emo- und Screamo-Szene kräftig durchgeschüttelt, so könnte das amerikanische Quintett mit seinem neuen Werk „Voices“ ein ganz dickes Ei gelegt haben. Nämlich eine Scheibe abseits alles Trends und Erwartungen.

War das Debüt des New Yorker Quartetts noch in der Emo-Ecke angesiedelt, ist „Voices“ weit davon entfernt, in die Schublade mit dem bösen E-Wort gesteckt zu werden. Denn diese Platte ist ein Beweis dafür, dass der „Call it Emo and get famous“-Zug abgefahren ist und sich die Bands etwas Neues einfallen lassen müssen. Und Matchbook Romance demonstrieren dies auf eine sehr imposante Weise: Detailverliebte, gar wahnwitzige Gitarrenarbeit, Soundwände breit und massiv, aber dennoch scharf wie Rasierklingen. Klassische und moderne Musikbausteine wie Streicher, Piano und Elektrosounds, intelligent verpackt und mit einem Sänger gesegnet, der nicht reifer klingen könnte.

Hält das neue Werk komplexe Songstrukturen, verschrobene Klänge und auch besinnliche Momente bereit, so gibt es in Sachen lyrischer Inhalte eher weniger Überraschungen. Klar geht es auch auf „Voices“ um das andere Geschlecht, den Kummer und die Probleme, die es so mit sich bringt. Der Unterschied: Es klingt einfach erwachsener und bedachter, als noch auf „Stories & Alibies“, das schon durch Titel wie „My eyes burn“ oder „Tiger Lily“ verriet, dass man die Taschentücher bereitlegen durfte. Stupides Geschrei sucht man auf „Voices“ ebenso vergeblich. Hier weht im Vergleich zu den grölenden Label- und Genrekollegen eine frische Brise.

Aber thematische Engstirnigkeit hin oder her. Warum sollen sich die Tracks nicht mit Liebeskummer und Trennungsschmerz beschäftigen!? Mit Songs wie das an Muse erinnernde „Surrender“ oder der bombastischen Single „Monsters“, einer düsteren Nummer mit Latino-Flair, zeigen Matchbook Romance musikalisch die geballte Faust. Auf keinen Fall möchte man so eingängig und gewöhnlich klingen, wie das einmal der Fall gewesen ist. „Voices“ macht ganz klar den Eindruck, als wollten die Jungs ihre Grenzen ausreizen, Experimentierfreude beweisen und der Hörerschaft zeigen: „Schaut her, wir können mehr als traurig schauen und solide Emo-Hits schreiben“.

„Voices“ ist ein Album auf den Spuren ganz großer Namen wie Muse, System Of A Down oder My Chemical Romance. Matchbook Romance machen sich gekonnt die Einflüsse hochkarätiger Bands zu Nutze und wissen diese beeindruckend mit ihrem eigenen Stil zu verschmelzen, ohne jedoch wie eine billige Kopie zu klingen. Kurz gesagt: Das neue Werk des amerikanischen Quartetts ist einfach eine Platte, die man mehrmals, ohne Voreingenommenheit, hören muss, um sie zu verstehen. Eine Single wie „Monsters“ zündet eben erst nach einigen Durchläufen und jeder, der Matchbook Romance noch als die Band hinter „Stories & Alibies“ kennt, wird garantiert ein wenig verwirrt sein. Trotzdem ist „Voices“ eine Stunde feinster Rockmusik, die zu unterhalten und auch zu überraschen weiß. Mag sein, dass den Jungs noch nicht der ganz große Coup gelungen ist, aber sie befinden sich mit ihren jungen Jahren schon auf einem Niveau, das andere Bands nie erreichen werden.

Anspieltipps:

  • Fiction
  • Monsters
  • Surrender
  • My Mannequin can dance
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