PeterLicht - Lieder Vom Ende Des Kapitalismus - Cover
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PeterLicht Lieder Vom Ende Des Kapitalismus


  • Label: Motor/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Pseudophilosophische Musik, die nur allzu gern die Nerven anderer Leute strapaziert.

Eine Kritik zu einem Album von Peter Licht alias Meinrad Jungblut ohne die Erwähnung seines größten Hits „Sonnendeck“ zu beginnen, wäre entgegen der bisherigen Tradition. Die vorliegende Promo-CD seiner neuen Plattenfirma Motor Music, zu der Licht von Modul (ein Sublabel des Majors SonyBMG) gewechselt ist, birgt allerdings einen dermaßen nervigen Nebeneffekt, dass die Scheibe am liebsten aus dem Abspielgerät gefeuert werden will.

Ohne jeglichen Sinn, außer dass die Verbreitung einer Raubkopie im Internet erschwert wird, die sich schätzungsweise sowieso nicht vermeiden lässt, wurde zweimal pro Track ein stumpfsinniges „Hallo hier ist PeterLicht und ihr hört mein neues Album ´Lieder vom Ende des Kapitalismus´“ eingestreut. Da die verrückte Welt des Herrn Licht, der früher weder ausgedehnte (wenn überhaupt) Interviews gab noch auf Hochglanzporträts zu sehen ist (als Pressefoto musste schon einmal ein Kartoffelmännchen herhalten) allerdings weitestgehend bekannt ist, könnte man fast meinen, es wäre ein gewollter (wenn auch ziemlich schlechter) Scherz des Künstlers, was auch manch dümmlich, neckische Frage wie „Was soll ich denn nun draufsprechen?“ erklären würde.

Abgesehen von diesem Dilemma, die Songs nicht in ihrer vollen Länge auf sich wirken lassen zu können, macht sich auch Unverständnis über die neuen lyrischen Auswüchse auf „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ breit, wenn Licht über den „Vogel, der aus dem runden Loch der Nacht sang“ sinniert oder seinen „Kopf zwischen die Sterne“ legt. „Übertreibung als Stilmittel ist eine tolle Sache. Ich arbeite mit ungerechten Übertreibungen und Verallgemeinerungen oder auch Gleichsetzungen. Wenn ich singe: „Wer saufen kann, der kann auch ausschlafen“, dann ist das die Wahrheit. Ich schreibe Lieder unter dem strengen Gesichtspunkt, dass ich die Wahrheit schreibe. Wenn ich einen Text oder auch nur eine Zeile geschrieben habe, stelle ich mir immer und immer wieder die eine Frage: Ist es wirklich, wirklich wahr, was ich da gerade behauptet habe? Das ist der Test, vor dem jedes Wort zittert. Erst wenn ich diese Frage positiv beantworten kann, erst wenn ich die absolute Wahrheit erzähle, arbeite ich auch mit einem Text. Schließlich darf man nicht vergessen: Auch die Sonne kocht nur mit Wasser“ meint der Urheber der anscheinend sinnentleerten Phrasen dazu.

Selbst durch nette, eingängige Popsongs wie „Wir werden siegen“ und „Wettentspannen“ oder den herzhaft melancholischen Stücken namens „Es bleibt uns der Wind“ und „Unsere Zeit“ wird der Gesamteindruck im Endeffekt durch mehrere ärgerlich simple Melodien und hoffnungslos überzüchtete, bedeutungsschwangere Texte geschmälert. Vielleicht trägt der Zorn über die mit Unterbrechungen verschandelte CD zur schlechten Wertung bei, obwohl, nach mehreren Durchgängen bleibt einfach der Eindruck bestehen, PeterLicht sei ein zum größten Teil pseudophilosophischer Musiker, der nur allzu gern die Nerven anderer Leute strapaziert. Hate it or love it.

Anspieltipps:

  • Unsere Zeit
  • Der böse Mann
  • Wir werden siegen
  • Es bleibt uns der Wind
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