Die Sterne - Räuber Und Gedärm - Cover
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Die Sterne Räuber Und Gedärm


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Geschichte der Sterne beginnt auf dem Lande. Noch relativ weit entfernt von der Elbmetropole Hamburg, die später namensgebend eine nie gewollte Bewegung der „Hamburger Schule“ u. a. mit den Protagonisten Tocotronic, Blumfeld und eben den Sternen bildet, gründet Frank Spilker im ostwestfälischen Bad Salzuflen eine Band, die sich nicht in dumpfe Rock-Dogmen flüchtet und immer mindestens ein Ohr in Richtung Soul und Funk mit der Prise Pop-Wiedererkennungswert ausfährt. Der neue Wohnort heißt ab 1991 Hamburg, sie treten kurzzeitig als Serge Gainsbourg-Coverband auf, um dann jedoch schnell nach eigenen Kompositionen zu greifen, und sind mit ersten Samplerbeiträgen auf dem Label L´Age D´Or prompt im Gehör der Indiekommune.

1993 erscheint das Debüt-Album „Wichtig“, welches kürzlich als Re-Release im Rahmen der Lado-Classics wiederveröffentlicht wurde, und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Konzerte werden bis zur Erschöpfung gespielt und die Fans danken es ihnen mit Hingabe. In Sachen Plattenfirmen haben sich die Sterne nie festgelegt, wandern von L´Age D´Or über Motor und Virgin zu V2, die nach dem letzten, musikalisch sowie textlich direkteren Werk „Das Weltall Ist Zu Weit“ auch das neue Album „Räuber Und Gedärm“ beherbergen.

Der Opener „Alles Sein Gutes“ zeigt eine sanftere Herangehensweise an die Musik als es der gradlinige Rock´n Roll-Vorgänger aus 2004 getan hat. Erst nach mehrmaligem Hören erschließt sich einem die Schönheit aus klassischer Beatmusik in bester Sterne-Manier, flirrenden Keyboardfanfaren und natürlich Frank Spilkers unverkennbarer Stimme. Gesegnet mit Swing und der eigenwilligen, tiefgreifenden Spielweise von Richard von der Schulenburg an der Orgel geht es weiter durch eine herzensgute, liebliche Platte, die dennoch textlich so einige kritische Anspielungen zu bieten hat. Konsumterror und der nach Leichen lechzende Kampf um Macht werden hintergründig formuliert, ohne die Aussage zu schmälern oder schwer verständlich zu verdrehen.

Eine leichtfüßige Präsenz, die sich wohltuend vom kopflastigen Pathos-Pop abhebt, ist auch wieder auf diesem Longplayer in vollem Ausmaß zu spüren und wahrhaftig zu erleben. Die Sterne machen Spaß und sind dennoch weit von Oberflächlichkeit entfernt. Es darf gerockt werden, auch wenn die Gitarren nicht braten, das Schlagzeug eher swingt als drückt und immer eine entspannte, warme Atmosphäre vorherrscht. „Wir Sind Reines Dynamit“ trumpft mit einem prägnanten Basslauf auf, Chorgesänge der Marke 60´er sowie Congas verewigen das Erlebte in musikalischer Höchstform und Track für Track rutscht man weiter in diese eigene, für jedermann zugängliche Pop-Welt, in der es viel zu entdecken gibt, es auch mal lauter, dringlicher wird („Billig“) und Texte wohltemperiert Wortwitz sowie durchschimmernde Anklage bereithalten.

Die Sterne erweitern ihren Backkatalog um einen wieder einmal hochkarätigen Tonträger, dem eine Qualität und Bodenhaftung nachgewiesen werden kann, wie es nur wenige deutschsprachige Künstler von sich behaupten können. Auch wenn die Hamburger live noch einen Tick mehr mitreißen, ist diese CD eine echte Herzensangelegenheit für das heimische Wohnzimmer.

Anspieltipps:

  • Abends Ausgehen
  • Am Pol Der Macht
  • Wir Sind Reines Dynamit
  • Billig
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