Mogwai - Mr. Beast - Cover
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Mogwai Mr. Beast


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Schotten sind mittlerweile beim fünften Album angelangt und behaupten seit der Single „Tuner/Lower“ (1996) auf dem eigenen Label Rock Action eine Ausnahmestellung, wenn es um die kunstvolle Kombination aus kräftezehrenden Geräuschkulissen und melancholischen Parts voller Traurigkeit geht. Der Titel des letzten Studioalbums von Mogwai konnte mit „Happy Songs For Happy People“ somit kaum an Ironie überboten werden. Doch nicht nur die Betitelung, auch die Songs glänzten mit großer Geste und einer gut ausbalancierten Mischung aus den verschiedenen Schaffensphasen der Glasgower. Nun ist es also wieder Zeit, den nahenden Frühling mit betrübten und doch so wärmenden Soundscapes zu empfangen, denn Mogwai luden Producer Tony Doogan wiederholt in die bandeigenen Castle Of Doom-Studios ein, wo dieser dem Longplayer „Mr. Beast“ den letzten Schliff gab.

„Auto Rock“ macht den Auftakt und wird von einschmeichelnden Pianomelodien bestimmt, die sich mit metallisch pochenden Schlagzeugrhythmen gen Sonnenaufgang bewegen und sich dank einer feingliedrigen Dramaturgie emotional betörend steigern. Das folgende „Glasgow Mega-Snake“ macht direkt dort weiter und legt sich ohne Umwege mit Gitarrenwänden sowie aufwühlender Akrobatik ins Zeug. Anhand von kurzzeitigen, ruhigen Elementen behauptet sich die Stimmung stets in großartiger Ästhetik voller mitreißender Dynamik und wird vom ruhigen, ambient-artigen „Acid Food“ in Wohlfühlgefilde geleitet, in die man sich fallen lassen kann und die nächste Eruption lächelnd auf sich zukommen lässt.

Diese folgt umgehend in „Travel Is Dangerous“, wo zum ersten Mal auf diesem Werk großflächige Textpassagen das instrumentale Gerüst ergänzen. Wesentlich tragen jedoch die punktgenauen Gitarren sowie das vermehrt eingesetzte Piano zum Gelingen bei, während die Vocals eher Ballast als entzückende Beigabe sind. Mogwai stehen für ausgefeilte Arrangements, die in sich aufblühen und so viele prägende Emotionen vermitteln, dass die stimmlichen Fähigkeiten zwangsläufig hinter dem Bandsound zurückbleiben. Anders verhält es sich bei „I Chose Horses“, in dem Tetsuya Fukagawa von der japanischen Hardcore-Band Envy die Vocals beisteuert und zu schwebenden Gitarren sowie orchestral anmutender Ausrichtung einen gesprochenen Gegenpol liefert, der die so entstandene Mystik mit seiner eindringlichen Aura unterstreicht.

Laut Gitarrist und Sänger Stuart Braithwaite war die Intention hinter „Mr. Beast“, wieder mehr an den Livesound der Band anzuknüpfen und die Stärke der verzerrten, aufwühlenden Strukturen auf den Longplayer zu übertragen. Das ist Mogwai auf jeden Fall gelungen, wobei trotzdem die ruhigen, vom Piano geführten Passagen am meisten überzeugen und erst den Nährboden für die aufreibenden, krachigen Ausbrüche bilden. Die Schotten sind definitiv zurück und beehren uns mit souveränen, teils auch genialen Songs („Auto Rock“), die sich ohne Probleme mit dem bisherigen, ebenso freigeistigen Output messen können.

Anspieltipps:

  • Auto Rock
  • Friend Of The Night
  • I Chose Horses
  • We´re No Here
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