Gary Numan - Jagged - Cover
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Gary Numan Jagged


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Kämpft man sich bis zum Fundament vor, wird dies anhand von energischen Gitarrenriffs und empor steigenden Synthie-Flächen reichlich belohnt.

Als New Wave-Pionier ist Gary Numans Einfluss auf viele Bands und Künstler der letzten 20 Jahre heute aktueller denn je. Goldfrapp, The Faint, The Killers, The Bravery – um nur wenige zu nennen, die Wave-Pop mit der individuellen Note derzeit in das Herz vieler Hörer tragen und sich ohne Zweifel dem Synthesizer-Fachmann musikalisch verbunden fühlen. Hits wie „Down In The Park“ (Marilyn Manson enterte auf einem Numan-Konzert in Los Angeles die Bühne und übernahm die Guestvocals.), „Cars“ (Eine Fear Factory-Coverversion stürmte in den USA die Top 10.) und natürlich „Are Friends Electric?“ (Die Sugababes bauten ihren Song „Freak Like Me“ auf eben diesem auf.) sind und bleiben unvergessen. Wie man sieht, treten immer wieder Acts aus verschiedenen Genres an, um Gary Numan Tribut zu zollen und seinen Weg zu kreuzen, obwohl sein Bekanntheitsgrad nie den Status der oben genannten
Megaseller erreichte.

2003 erschien das letzte Album „Hybrid“, auf dem Mr. Numan unterstützt von Sulpher, Flood sowie Curve eigenen Songs ein aktuelleres Gesicht gab und neue, großartige Tracks unter ein Potpourri aus Klassikern mischte. Nun ist es jedoch wieder Zeit für ein komplett neues Studio-Album, das zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder teilweise mit „echten“ Drums eingespielt wurde und bedingt durch Gäste wie Jerome Dillon (Nine Inch Nails), Rob Holliday (derzeit Live-Gitarrist bei The Prodigy) sowie Dance-Produzent Andy Gray einen wahrhaften Paukenschlag vermuten lässt. So ganz daneben liegt man mit dieser Vermutung nicht, denn schon der Beginn ist dank „Pressure“ eine tiefgehende, beeindruckende Angelegenheit. Apokalyptische Sounds untermalen Gary Numans einzigartige, gar euphorisierende Stimme, die mit Textpassagen wie „Here is my small black box, filled with hurt, sent by you - Here is my small black book, filled with lies, told by you.” herzzerreißender nicht sein könnte. Zwischen sphärischen Synthie-Melodien erleben wir, wie auf dem gesamten Album, eine aggressive und manchmal verstörende Atmosphäre, welche durch stark verzerrte Gitarren und unheilvolle Soundscapes lebt. Zum Glück leihen uns wohlige, klare Keyboard-Tupfer und vor allem die großartige, erhabene Stimme genügend Hoffnung, um diese Herausforderung an Weltuntergangsstimmung anzunehmen.

„In A Dark Place“ trumpft mit Hymnenhaftigkeit auf und präsentiert sich mit ambient-artigen Breaks, welche die dringlichen Synthies noch kräftiger in den Vordergrund ziehen. Lauernde Songstrukturen entfalten sich im Refrain zu breit angelegten, der Welt langsam entfliehenden Momenten der Entzückung. Man muss es schon fast nicht mehr betonen, aber die Vocals stehen Gefühle opfernd außer Konkurrenz und beeindrucken mit vielen Facetten der Melancholie, die auch durch Ansporn und Eleganz lebt. Atmosphärisch wird auf dem Longplayer einiges getan, was der Hörer jedoch erst nach einer gewissen Eingewöhnungsphase für sich beanspruchen kann und durch allzu dunkle Passagen des Untergangs erschwert wird. Kämpft man sich allerdings bis zum Fundament vor, wird dies anhand von energischen Gitarrenriffs und empor steigenden Synthie-Flächen reichlich belohnt.

Anspieltipps:

  • Pressure
  • In A Dark Place
  • Haunted
  • Scanner
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