Motorpsycho - Black Holes Black Canvas - Cover
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Motorpsycho Black Holes Black Canvas


  • Label: Stickman/INDIGO
  • Laufzeit: 84 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Abgründe, die die Norweger heraufbeschwören, sind beeindruckend.

Die norwegische Band Motorpsycho hat schon zehn Studioalben und unzählige EPs, also Kurzalben, veröffentlicht und diese lassen keinen Zweifel daran, dass es sich bei Bent Saether und Hans Magnus Ryan um fleißige Rockmusiker handelt. Der Drummer Hakon Gebhardt stieg nach dem letzten Album „It's A Love Cult“ aus und es vergingen ungewöhnlicherweise fast vier Jahre bis das Indielabel Stickman Records aus Hamburg, das Motorpsycho so verbunden ist, dass jede neue Band von diesen genehmigt werden muss, das neue Werk unters Volk bringen konnte.

Der Niederländer Pieter Kloos produzierte zusammen mit den beiden Musikern, wie auch schon bei den vorherigen Longplayern, dieses Doppelalbum in Eindhoven. Die 17 neuen Songs sind ein Schritt zurück zu den Wurzeln der norwegischen Band: 70er-Jahre-Rock à la Led Zeppelin oder The Doors könnte man es nennen, aber die einzige Konstante sind gut komponierte Songs mit Melodien, die im Ohr bleiben. Allerdings sind für den Mainstreamhörer die teilweise monumentalen Werke doch gewöhnungsbedürftig. Einige Hördurchgänge später weiß man, dass dieses Duo Epen produziert, die sich manchmal verselbstständigen. Trotzdem lassen die Tracks einen nicht kalt. Die eindringliche und etwas kratzige Stimme von Bent Saether, der zusammen mit Hans Magnus Ryan versucht, die sehr oft im Vordergrund agierenden Gitarren und Drums zu übertönen, veredelt die Songs.

Mehrstimmiger Gesang scheint auch bei der Präsenz der Instrumente das einzige Mittel. Scheinbar scheren sich Ryan und Saether überhaupt nicht darum, ob sie im Trend liegen oder nicht und veranstalten eine Zeitreise zu den erwähnten Rockwurzeln mit leicht psychedelischem Einschlag. Der Opener der ersten CD „No evil“ ist einer dieser Rockstampfer, die mithilfe einer starken Gitarre und hartem Schlagzeug die einfache, aber gute Melodie über sechs Minuten entwickeln. Etwas eintönig klingt das zeitweise schon, aber die Melodie prägt sich ein. „In our tree“ ist vergleichsweise kurz gehalten, aber der Härtegrad ist schon enorm. Da hilft nur schreien, um sich stimmlich durchzusetzen, nur passt das auch seltsamerweise dazu.

Ein siebenminütiges Opus namens „Kill devil hills“ lässt auch wieder die Gitarren und Drums von der Leine, obwohl es anfangs eher gemäßigt zugeht. Die Stimmen sind gut zu hören, nur ab der vierten Minute schwelgt der Gitarrist in einem satten, sehr monotonen Riff, dann folgt eine leise Gesangseinlage ohne Instrumente, und mit abgedrehten, kaum hörbaren sphärischen Klängen endet diese kleine Rockoper. Auch die übrigen Stücke auf der ersten CD folgen dem Spannungsaufbauprinzip, harmlosem Gesang folgen sich langsam aufbauende Riff- und Schlagzeuggewitter, die es in sich haben.

Die mit neun Songs folgende CD Nummer zwei eröffnet mit „Hyena“ und einer mitreißenden Melodie. Der Track verströmt das 70er-Jahre-Flair regelrecht, und er ist einer der wenigen nicht so kantigen Songs. Auch „Sancho says“ klingt harmonischer als die vorherigen Werke und der mehrstimmige Gesang hebt wieder die gute Komposition hervor. Bei „You loose“ gibt der zukünftige Live-Drummer Jacco van Rooij sein Debüt und lässt es gleich krachen. Die Stücke der zweiten CD vermeiden zwar auch nicht immer, dass so manches musikalisches Motiv zu sehr ausgewalzt wird, aber sie sind gefälliger und haben mehr Abwechselung, obwohl oder gerade weil sie nicht so überfallartig wie die härteren Stücke arrangiert wurden. Harmlos wird es trotzdem nie, auch wenn „Before the flood“ mit Piano und leichten Drums beginnt, werden die Gitarren nicht vernachlässigt. „Fury on earth“ ist dagegen so ruhig mit akustischer Gitarre vorgetragen, da glaubt man, die CD wurde versehentlich gewechselt. Den Schlussakkord setzt dann wieder ein echter Rocksong, der aber immerhin ruhig ausklingt.

Es verwundert nicht, dass der erste Silberling „Black Hole“, also schwarzes Loch, genannt wurde, denn die Abgründe, die die Norweger heraufbeschwören, sind schon beeindruckend. Leider ist der Wiedererkennungsfaktor nicht sehr hoch und so richtig überzeugend klingt das nicht. Die „Black Canvas“ genannte Scheibe weiß da schon eher zu gefallen, da haben die beiden gut daran getan, diese noch beizulegen. Die Fans der schon seit 1989 im Musikbusiness agierenden Band werden begeistert sein, nur neue Hörer sind mit diesem Bombastrock weniger leicht zu bekommen. Den neugierigen Musikfan sollte es nicht davon abhalten, die 70er Jahre wieder zu entdecken.

Anspieltipps:

  • No Evil
  • Hyena
  • Sancho says
  • Fury on earth
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