The Flaming Lips - At War With The Mystics - Cover
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The Flaming Lips At War With The Mystics


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer vielleicht alt genug ist, um sich an ein eindrucksvolles Medium, der Audiokassette, zu erinnern, verbindet damit meist nur schöne, mittlerweile nostalgische Erinnerungen. Es wurden Mixtapes erstellt, an Freunde und Bekannte verteilt, um die verschiedenste gute Musik anderen näher zu bringen. Manchmal gab es auch einfach die unterschiedlichsten Oberthemen und niemand musste sich über Kopierschutz und mit dem Wort „illegal“ auseinandersetzen.

Das am meisten beanspruchte Oberthema ist wohl das Mixtape für seine/ihre heimliche Liebe, das nun klar stellen soll, was man für den anderen empfindet. Und das erste Lied auf diesem Mixtape, wäre dann natürlich „Do you realize“ von The Flaming Lips. „Do you realize that you have the most beautiful face.“ singt Sänger Wayne Coyne und fasst durch seinen Ausdruck alles, was gesagt werden soll, zusammen. Doch ihr 2002 erschienenes Album „Yoshimi Battles The Pink Robots“ ist für mehr geeignet als nur für Liebes-Mixtapes. Die 1983 gegründete Band schaffte ein Album, das sehr emotional, verspielt und tiefgründig ist, was durchaus keine leichte Aufgabe ist. Und es gehört, wie das neue Album „At War With The Mystics“, zu den Alben, die man nach hundertfachem Hören erst anfängt ansatzweise zu verstehen. Was eine Rezension nahezu unmöglich macht.

Die Band veröffentlichte 1984 ihre erste selbstbetitelte EP, doch anstatt mit Erfolg zu glänzen, änderte sich die Formation der Band, einzig Coyne und Michael Ivins sind der Band durchweg treu geblieben. Erst langsam schlich sich der Erfolg in den 90ern ein. Tatsächlich hatten die Lips aber nur einen wirklichen Hit. Der Rest ist Geheimtipp, der irgendwo zwischen der Experimentierfreude der Einstürzenden Neubauten und dem zeitweise aufkommenden Humor von Queen. Nichts blieb vor den Flaming Lips sicher und alles musste sich dem Sound unterordnen, sei es das Klavier, das während einer Aufnahmesession verschrottet wurde oder die unter Wasser gesetzte Gitarre, die letztendlich nur ein kurzes „Tz Tz“ von sich gab.

Erst 1999, mit ihrem Album „The Soft Bulletin“, wurden die heutigen Flaming Lips geboren, denn was früher kompromissloser Punk war, ist heute unterhaltsamer Pop mit Tiefgang. „At War With The Mystics“ ist nun das Weitergehen. Die Band hat sich scheinbar gefunden und ist altbewährt innovativ. Der erste Track „Yeah Yeah Yeah Song“ ist gleich der perfekte Radiosong, obwohl die Verspieltheit den gewohnten Radiohörer schon etwas überfordern würde. Da ist „Sound of Failure / It is dark....is this always this dark?“ harmloser. Sehr eingängig, zumindest für das Trio, plätschert der Song mit Akkustikgitarre und einpaar Effekten zum Refrain mit Drums und verzerrten Gitarrenriff. Auch „My Cosmic Autumn Rebellion“ schwebt eher über Flächen und fängt erst gegen Ende an sich zu entfalten.

Im Grunde erwartet dem erfahrenden Hörer nichts Neues, es werden die gleichen Rezepte verwendet wie bereits auf „Yoshimi Battles The Pink Robot“: Ruhige Lieder mit elektronischen Spielereien und ein paar verspielte Songs, die dennoch gut ins Gesamtwerk passen, nicht herausstechen („The W.A.N.D.“). Letztendlich überrascht wohl nur „Goin’ On“, ein Song, den die Band wohl wirklich mal live ohne Einspielungen aus der Konserve spielen könnte. Überraschend weil er so schlicht ist. Und so gut, dass man es wieder auf ein Mixtape spielen möchte. Einige Sachen sollten sich nie ändern.

Anspieltipps:

  • Yeah Yeah Yeah Song
  • Mr. Ambulance Driver
  • The W.A.N.D.
  • Goin’ On
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