Theatre Of Tragedy - Storm - Cover
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Theatre Of Tragedy Storm


  • Label: AFM/Soulfood
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Begriff Gothic-Metal etabliert sich Anfang bis Mitte der Neunziger als Synonym für treibende, metallische Arrangements und einem Wechselspiel zwischen dunklen, männlichen Vocals und elfenartigen Gesängen der jeweiligen Duettpartnerin. Besonders Theatre Of Tragedy punkten damals mit ihrem Album „Velvet Darkness They Fear“ (1996) und dieser Erfolg sollte sie weiterhin begleiten, auch wenn mit Liv Kristine in 2003, bis dahin die prägende Stimme neben Raymond I. Rohonyi, ein wichtiges Bandmitglied die Gruppe verließ und die Werke „Musique“ (2000) sowie „Assembly“ (2002) mit ihrem poppigen, teils elektronischen Gewand manchen Gothic-Metaller schwer enttäuschten.

Nell ist die neue Partnerin von Raymond am Mikrofon und sie kann sich auch mit einer Ausnahmestimme, wie sie Liv Kristine hat, messen. Dieser Personalwechsel ist also geglückt, bleibt nur noch das neue Album „Storm“ abzuwarten, welches von Rico Darum (Zeromancer, Apoptygma Berzerk) in Norwegen produziert wurde und ab sofort in den Startlöchern steht, um die Wesen der Nacht zufrieden zu stellen. Diese dürften zumindest die wieder zwingend eingesetzten Gitarrenwände begrüßen und feststellen, dass Theatre Of Tragedy ihre Wurzeln auf dem neuen Longplayer deutlicher zur Schau stellen als noch auf den letzten Alben.

Bombast in Form von deutlich hervorstechenden Keyboards ist jedoch nicht von der Hand zu weisen und lässt manchen gut gemeinten Part im Kitsch versinken. Catchy und sinnigerweise als Single ausgekoppelt ertönt der Opener und gleichzeitiger Titeltrack in gewohnter, qualitativ hochwertiger Verfassung. Gitarrenriffs voller Energie münden im melodischen, vom Keyboard dominierten Refrain und setzen mitreißende Akzente. Der Gesang, aufgeteilt in Nells liebliche Engelsstimme und Raymonds kräftigen Vocals, ist zwar allseits bekannt und oft kopiert, doch die Mitbegründer dieser Spielart lassen es sich nehmen, ihre vorherrschende Stellung zu bestätigen.

Fast schon orchestral zu bezeichnende Keyboardfanfaren begleiten ein schwelgerisches „Ashes And Dreams“ und werden von mächtigen Gitarren eingerahmt. „Voices“ dümpelt dagegen in seichten Gewässern und kann mit einem grauen Arrangement versehen nicht wirklich Spannung erzeugen. An solchen Stellen darf man sich getrost die Frage stellen, ob Theatre Of Tragedy qualitativ so langsam zwischen den Newcomern verschwinden. Das dem nicht ausnahmslos beizupflichten ist, bezeugen neben dem Song „Storm“ vor allem die opulente Ballade „Fade“, welche berührt und trotz einer großen Dramatik nicht überfrachtet ist, und das von schnittigen Riffs geführte „Begin And End“ mit dem Gefühlsbonus im Refrain.

Raymond variiert interessant seine Stimme und macht besonders in den mystischen, zurückgenommenen Momenten Boden gut, denn der aggressive Einsatz seiner Sprache erreicht durch einen übertriebenen Pathos nur selten den Hörer. Nell verfügt über eine Ausnahmestimme und zaubert jede Menge erquickende Tonlagen hervor, die die durchschnittlichen bis guten Instrumentalparts um eine bezaubernde Note ergänzen. Genrefans dürften folglich ihre Freude an diesem Tonträger haben, vermutlich aber auch die alte Stärke eines prägenden Werks wie „Velvet Darkness They Fear“ vermissen. Ein Album mit heraus stechenden Hits („Storm“, „Begin And End“) und gelegentlich erschreckend einfallsloser Durchschnittsware.

Anspieltipps:

  • Storm
  • Fade
  • Begin And End
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