Communic - Waves Of Visual Decay - Cover
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Communic Waves Of Visual Decay


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zum Schluss der Rezension zum Vorgängeralbum wurde spekuliert, wie es einer Band, die bereits mit ihrer Debütplatte die Genremesslatte auf eine neue Stufe hievte, überhaupt noch möglich sein soll, auf diesen Erfolg aufzubauen. Nun, so viel sei vorweggenommen, der Sprung darüber gelingt nicht erneut, denn dafür war und ist „Conspiracy In Mind“ schlicht und einfach zu übermächtig. Gab es damals noch den Bonus des Neuen, muss sich Fabrikat Numero Zwei einer weitaus kritischeren Betrachtung unterziehen lassen, damit ergründet werden kann, ob mit dieser Band langzeitlich zu rechnen ist, oder ob der vermeintlichen Eintagsfliege nach dem Rekordflug über die Wolkendecke jäh der Sauerstoff ausgeht und sie mit einem kaum vernehmbaren Platsch auf dem Boden aufschlägt.

Die Fliege muss auf jeden Fall einige Runden drehen, denn anders als beim Vorgänger ist man hier noch sofort drin im eigentümlichen Klangkosmos, was auch daran liegt, dass er an Identität und Dimension verloren hat. Zwar droht „Waves Of Visual Decay“ keinesfalls die Excommunication, denn selbst wenn man sich aufgrund des angezogenen und etwas beliebig umgesetzten Härtegrades in den power-progressiven Strukturen nicht mehr so verlieren kann, muss man den Norwegern mit einen deutlich Hinweis auf möglichst viele Rotationen im Player einmal mehr hervorragende Arbeit in allen Abteilungen bescheinigen. Ein großer Makel, der leider auch nach unzähligen Umläufen nicht verschwinden will, ist jedoch die fast vollständige Abwesenheit amtlicher Melodien. Zwar machten Communic schon auf ihrem Debütalbum keinen Hehl daraus, dass große, ausufernde Melodien für sie von eher nachrangiger Bedeutung sind, das hieß damals aber nicht, dass sie nicht zu hören waren. Ganz im Gegenteil. Ein „The distance“ war von der ersten bis zur letzten Sekunde Gänsehaut pur. Und selbst bei aggressiven Stücken wie „Communication sublime“ waren im Hintergrund Melodien vernehmbar, für die andere Musiker ihre Seele verkaufen würden. Stichwort: Seele. Vielleicht ist es genau das, was diesem Album fehlt. Alle Songs zeichnen sich zwar durch technische Perfektion aus, aber von der unbeschwerten Leichtgängigkeit des ersten Albums ist wenig zu spüren.

Stattdessen dominiert fast durchgehend das volle Thrash-Brett. Selten, wie etwa bei „Watching it all disappear“, stehen bedächtigere Töne im Vordergrund. Ansonsten werden die 57 Minuten im mittelhohen Tempobereich mal mehr, mal weniger routiniert abgespult. Vom ehemals einzigartigen Mix aus Prog- , Power- und Thrash-Metal ist fast nur noch letzterer Anteil übrig geblieben, weshalb „Waves Of Visual Decay“ für Thrash-Puristen vermutlich eine Offenbarung darstellt, während alle anderen zumindest anfänglich enttäuscht sein dürften. Mit der Zeit öffnen sich zwar auch Schwergewichte wie „Fooled by the serpent“ und nach genügend Durchgängen erscheint sowieso alles logisch, nachvollziehbar und selbstverständlich, doch die Magie des Debüts wird dieses Album nie erreichen.

„Waves Of Visual Decay“ ist auch als Limited Edition im Pappschuber erhältlich. Auf dieser befinden sich als Ergänzung zum normalen Programm noch zwei Bonustracks, deren Exklusivität man allerdings in Frage stellen darf: es handelt sich um die sich von der Albumfassung nur marginal unterscheidenden Demoversionen von „Ocean bed“ und „Conspiracy in mind“ – beide vom gleichnamigen Debüt. Als hätte man in der Plattenfirma geahnt, dass sich so Mancher beim Hören mit Wehmut daran zurückerinnert. „Waves Of Visual Decay“ ist zwar als Thrash-Album ausgezeichnet, am selbst gesetzten Maßstab scheitert es jedoch grandios. Sollten zukünftige Veröffentlichungen ähnlich inspirationslos ausfallen, könnte die Band genauso schnell wieder in der Versenkung verschwinden, wie sie aus dem Nichts auftauchte.

Anspieltipps:

  • Fooled by the serpent
  • Waves of visual decay
  • Watching it all disappear
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