Godsmack - IV - Cover
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Godsmack IV


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Todgeglaubte leben länger; zumindest im Falle von Godsmack. Da ahnt man nichts Böses und auf einmal treffen einen die vier Amerikaner durch einem gezielten Schlag aus dem Hinterhalt wie ein Guerillakämpfer auf nationaler Befreiungsfront. „IV“ heißt das Werkzeug ihres Handelns und könnte eigentlich zu keinem günstigeren Zeitpunkt erscheinen. Denn während es dem Feldzug von Emo und Screamo langsam aber sicher an Nährboden auf den Schlachtfeldern der Musiklandschaft mangelt und einstige Gönner nun müde ins gegnerische Lager wechseln, liefern Godsmack eine Platte ab, welche fast schon nostalgische Gefühle wecken könnte. Eine Scheibe welche zurückblicken lässt auf Zeiten, als noch Revoluzzer wie Fred Durst oder Jonathan Davies ihr Mikrofon als Zepter der damaligen Legislative führten. Eine Retrospektive auf die Amtsperiode des Nu Metal.

Genau aus jener Epoche stammen auch Godsmack und sie waren keine Unbekannten an der Tafelrunde der Neu-Metaller. Ihr selbstbetiteltes Debüt „Godsmack“ wanderte bis heute fast fünf Millionen Mal über die Ladentische, das Zweitwerk „Awake“ enterte seiner Zeit Position fünf der US-Albumcharts und der Nachfolger „Faceless“ wurde in der ersten Woche gar 250.000 Mal unter den Getreuen der Rockszene verstreut, was ein Plätzchen auf dem Thron und die erste Nummer eins für Godsmack zur Folge hatte.

Dies möchte man mit dem neuen Werk natürlich wiederholen. Daher haben sich die drei Mannen um Sänger Sully Erna, erneut ihre Rüstungen angelegt, ihre Waffe in Form schneidiger Riffs in die Scheide geführt und ihr Ross namens „IV“ gesattelt. Das Ergebnis sind 11 Tracks im Gewand des fast unerschöpflichen Riff-Repertoires der Band. Wie gesagt fast, denn mit der neuen Scheibe scheint es, als wären dem Quartett nun entgültig die Ressourcen ausgegangen. Klar sind Songs wie „Speak“ oder „No Rest for the wicked“ wieder einmal schön groovig, gewohnt riffbetont und treibend, nur Metal in dieser Form im Jahre 2006, in Zeiten in denen höchstens einmal in Fasson von krächzendem Gegröle für entsprechende Härte gesorgt wird , kann das leider nur bedingt funktionieren!? Genauer gesagt funktioniert „IV“ auch nur in den bedachteren Momenten und nicht in den Situationen roher Gewalt und „Hau drauf Mentalität“.

So sind im Jahre 2006 die Höhepunkte eines Godsmack-Albums eben nicht mehr Nu-Metal-Songs im Brechstangenformat, sondern langsame Stücke wie „Hollow“ und „Voodoo too“, die durch Zerbrechlichkeit, Tiefgang und Einfallsreichtum bestechen. In „Hollow“ wird gar zur Ukulele gegriffen und eine zarte Frauenstimme als gesangliche Verstärkung hinzugezogen, so dass diese Ballade fast schon Duett-Charakter besitzt und das hätte man auf einen Godsmack-Album der Vergangenheit mit Sicherheit nie erwartet. Alle anderen Tracks bedienen sich dann aber doch wieder dem guten, alten Godsmack-Schema: Rotzende Riffs treffen auf eingängige Refrains und erhalten den gewissen Punch Sully Erna's pushende, raue Stimme.

Dennoch, wirklich enttäuscht kann man von diesem Album nicht sein. Godsmack liefern mit „IV“ ganz einfach ihre Interpretation zeitgenössischer Musik ab und beweisen dabei noch, was so vielen jungen Bands heute fehlt, ehrlichen Charakter. Während andere Künstler durch Biegen und Brechen versuchen, auch ja jede Trendwelle zu erwischen, machen Godsmack genau das, was sie auch schon vor acht Jahren gemacht haben: Nämlich schlicht und ergreifend Godsmack-Rock.

Anspieltipps:

  • Hollow
    Speak
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