Katharina Franck - First Take, Second Skin - Cover
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Katharina Franck First Take, Second Skin


  • Label: Skycap Rec./Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Katharina Franck, in Portugal sowie Brasilien aufgewachsen, gründete 1986 nach einem Instrumental von Tom Waits die Rainbirds und landete mit dem selbstbetitelten Debüt und der Single „Blueprint“ gleich einen echten Hit. Es folgten fünf weitere Studioalben, in denen sich die Rainbirds schließlich als Trio aus Ulrike Haage, Tim Lorenz und eben Katharina Franck fanden, doch trotz kreativer Versuche mehr oder minder als One-Hit Wonder in die Musikgeschichte eingingen. Jedoch blieb Katharina Franck der Öffentlichkeit erhalten und brachte Textsammlungen auf den Werken „Hunger“ (1997) sowie „Zeitlupenkino“ (2002) unter, während sie nun als Singer/Songwriter in englischer Sprache persönliche, intensive und doch leicht zugängliche Kreationen auf dem Album „First Take, Second Skin“ vereint. Der Albumtitel nimmt es schon vorweg – der erste Eindruck verfeinert sich bei näherer Beschäftigung mit den 13 Songs.

Unterstützt von vier Musikern gibt sie sich im Opener „As A Matter Of Fact“ an Akustikgitarre und Mikro der lockeren Stimmung hin, die besonders von der antreibenden Instrumentierung sowie Francks intensiver Stimme lebt. Gerade ihre Vocals zeigen auf dem gesamten Album ein breites Spektrum. Von zarten Tönen bis hin zu einem tiefen Timbre lässt sie den Hörer in persönliche, tief greifende Texte eintauchen und schenkt ihm doch so wenig Kopfzerbrechen wie möglich. Stets positiv und selbstbewusst hat sich Katharina Franck als Solokünstlerin etabliert. Diesen Umstand beweist die Berlinerin auf ganzer Linie. Michael Merkelbach greift ihr an der Trompete unter die Arme und rundet die sanften, doch nicht kraftlosen Arrangements mit seinem melancholisch sehnsüchtigen Spiel ab. „Sort Of“ kommt zurückgelehnt daher und groovt dank akzentuierten Gitarren sowie wunderbarer Backing Vocals der Vivian Girls.

Mit viel Seele und Selbstvertrauen zeigt das hier vertretene Musikerkollektiv, wie die Umsetzung von ausgereiftem Songwriting funktioniert. Manchmal glaubt man sogar in soulige Gefilde abzudriften, was allerdings mehr an der inbrünstigen Intonierung Francks liegt als an dem Bandsound. Der balanciert größtenteils auf beständigem Folk-Pop, in dem für Feinheiten gesorgt ist und Erfrischungen ausreichend um die Ecke schauen. „Paperchase“ greift in den Strophen zu prägenden Bassläufen und legt im Refrain den Blues ab, um erquickend für Wohligkeit sowie Energie zu sorgen. Tagträumerisch lädt „Tree, Bird, Sky, Forgiveness“ zu Nachdenklichkeit ein und lässt mit dem erneut bewegenden Trompetenspiel die Herzen der von Melancholie Verzauberten vor Dankbarkeit schneller pochen. Diese Tatsache gilt mit Nachdruck auch für das Jimi Hendrix-Cover „Manic Depression“, welches lauernd durch beschwörerische Gitarren sowie einem erdigem Schlagzeugsound und natürlich Katharina Francks, hier hypnotischer, Stimme ungewohnte Akzente setzt. Dass jedoch Ungewohntheit die aufkeimende Begeisterung nicht ausschließt, sei hiermit ausdrücklich bestätigt.

Begeistert fällt auch das Fazit aus, denn K. Franck zeigt auf „First Take, Second Skin“, welch zielstrebige und selbstbewusste Persönlichkeit in ihr steckt. Die Songs, welche fast ausnahmslos aus ihrer Feder stammen, wurden in Zusammenarbeit mit Udo Arndt und Peter Weihe (Zwei Weggefährten aus Rainbirds-Zeiten.) produziert, sind stets nah am Hörer, weisen ausgefeilte und doch leichtfüßige Arrangements auf, die in ihrer Erhabenheit so manchen Freund zeitloser Popmusik an die Kopfhörer fesseln werden.

Anspieltipps:

  • As A Matter Of Fact
  • These Better Days
  • Paperchase
  • Faithful Friend
  • Manic Depression
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